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Rubrik Gegen Geschichte

Das Problem der Kollektivzuschreibung back in 1915

Zum Zeitpunkt, als der amerikanische Dampfer Lusitania von deutschen Soldaten versenkt wurde, suchten Jane Addams und ihr Friedenskomitee in Berlin den deutschen Au?enminister von Jagow und den Reichskanzler von Bethmann-Hollweg auf. Jane Addams schrieb ?ber diese Begegnung:

"Er sagte, er habe niemals einen Deutschen sagen h?ren, er w?nsche England zu zerschmettern. Ich sagte, ich h?tte niemals einen Engl?nder sagen h?ren, er w?nsche Deutschland zu zerschmettern, sondern da? sie w?nschten, den deutschen Militarismus zu zerschmettern. Er sagte, dies sei eine Unterscheidung, aber kein Unterschied. Die Armee in Deutschland ist Teil der Herrschaft, und er fuhr fort, in jener halb mystischen Weise zu sprechen, wie sie es tun, die so schwer f?r uns zu verstehen ist. Es ist, als ob ihre Gef?hle f?r die Armee wie die einer Kirche f?r ihre Prozession sind. Sie ist ein Teil davon."


(Marielouise Janssen-Jurreit, "Sexismus. ?ber die Abtreibung der Frauenfrage", Ffm 1979)
28.10.05 16:23


Vom Boden des Krieges darf nie wieder ein Deutschland ausgehen

Beim Herumramentern ?ber "unsere kulturelle Identit?t" und die Dresdner Frauenkirche ("Die Zerst?rung Dresdens war ein terroristischer Akt") entf?hrt dem notorischen Nationalhistoriker Arnulf Baring im 'Spiegel' diese Woche ein bemerkenswerter Satz, der sowohl ?ber sein Adorno-Verst?ndnis als auch ?ber den Kern der deutschen Selbstt?uschung einiges verr?t. Um zu zeigen, was der Holocaust als "Kern der Identit?t" der Deutschen seiner Auffassung nach anrichte ("Das ?berlebt ein Volk nicht"), leitet er unelegant, doch gar nicht so verkehrt ab:

"Wenn es, wie Adorno gesagt hat, barbarisch ist, nach Auschwitz Gedichte zu schreiben, dann darf es nach Auschwitz auch kein Deutschland geben, schon gar kein selbstbewusstes."

Na bitte, es geht doch.
25.10.05 23:10


Die Zärtlichkeit der Völker

"Die UNO... wird nun jedoch von der neuesten deutschen Ideologie als globaler Gesetzgeber verkl?rt, dem es allein ums reine Recht ginge. Aus solcher Perspektive k?nnen die Staaten gar nicht mehr als Staaten wahrgenommen werden, sondern immer nur ? analog zu den B?rgern innerhalb des Staats ? als Subjekte, V?lkerrechtssubjekte, oder eben ungeschminkt: als V?lker. Was als Recht zwischen ihnen angesprochen wird, dient in letzter Instanz zum Vorwand, sie genau so zu betrachten: also von V?lkern, nicht von den einzelnen Individuen auszugehen; was als Souver?n ?ber ihnen behauptet wird, erweist sich als expandierendes Machtvakuum, das der Destabilisierung Vorschub leistet: V?lkergemeinschaft als United Rackets."

Gerhard Scheit "Der neue Behemoth und die alten Grenzen des Liberalismus", Bahamas 48
25.10.05 02:53


Konspirationismus 4

Die von mir formulierte Kritik speziell an den Verschw?rungstheorien um 9/11 funktioniert grunds?tzlich positivistisch im Sinne der Feinderkl?rung der Kritischen Theorie. Indem ich mich zur Entkr?ftung der VT auf die Darstellung des Faktischen seitens der offiziellen Untersuchungen und der in diesem Sinn zumeist positivistischen Wikipedianer st?tze, werfe ich mich zugleich den zugrundeliegenden Pr?missen an den Hals. Ich mu? die kritische Untersuchung der offiziellen Darstellungen mit der Kritik der konspirationistischen Modelle abgleichen und bereit sein, zu unterschieldichen Ergebnissen zu kommen. Die Konspirationisten k?nnen durchaus mal richtig liegen (bisher allerdings ausgesprochen selten), da sie sonst ?bergangene Quellen verwenden - das Problem ist allein ihr Glaube und die damit verbundene Propaganda.
20.10.05 00:17


Konspirationismus 3

"Unter dem Vorwand der Unterst?tzung der Pal?stinenser zur 'Befreiung Pal?stinas' haben die Ba'thisten den Irak mit ihrer Propagierung der Idee einer gro?en Mission der Araber in der Geschichte und sp?ter der islamischen Religion den Irak ?berschwemmt. Dabei spielte auch die permanente Bezugnahme auf Verschw?rungstheorien eine wichtige Rolle. St?ndig sahen die Ba'thisten das Land von zionistischen und imperialistischen Agenten bedroht. Deswegen mu?ten immer wieder neue Gruppen von 'Verschw?rern' gefundn werden, die dementsprechend ?ffentlich zu verfolgen waren.

Saddam Hussein pers?nlich litt an einer 'Megalomanie', die sich in den quasi regierungsamtlichen Verschw?rungstheorien wderspiegelte. Was mit der ?ffentlichen Hinrichtung angeblicher 'zionistischer Agenten' begann, konnte schlie?lich auch Mitglieder der Ba'th-Partei selbst treffen. Saddam Hussein selbst behauptete, schon von der Absicht einer Verschw?rung zu wissen, bevor es der Verschw?rer selbst wu?te. Er ging so weit, 'Verschw?rer' hinrichten zu lassen, weil er die Verschw?rung in ihren Augen abgelesen hatte."


Widad Fakhir "Der Schl?chter und das Schweigen der L?mmer", in: Kreutzer/Schmidinger "Irak", Freiburg 2004
14.10.05 23:13


Spirit shine 2

Zur m?ndlichen und unprofessionellen Aberglauben-Verbreitung tritt in Kreuzberg nun auch der "Horror aus dem Handy: Islamisten verbreiten per Mobiltelefon die Geschichte von einem aufm?pfigen M?dchen, das zur Strafe in ein Monster verwandelt wird. Adressaten sind t?rkische Jugendliche".
14.10.05 21:13


Recipe for hate

"Die Art des geschichtlichen Denkens, die mir so in der Schule beigebracht wurde, hat mich in der Folgezeit nicht mehr verlassen. Weltgeschichte ward mir immer mehr zu einem unersch?pflichen Quell des Verst?ndnisses f?r das geschichtliche Handeln der Gegenwart, also f?r Politik.

(...)

Geschichte lernen hei?t die Kr?fte suchen und finden, die als Ursachen zu enen Wirkungen f?hren, die wir dann als geschichtliche Ereignisse vor unseren Augen sehen.... Es wurde vielleicht bestimmend f?r mein ganzes sp?teres Leben, da? mir das Gl?ck einst gerade f?r Geschichte einen Lehrer gab, der es als einer der ganz wenigen verstand, ... diesen Gesichtspunkt zum beherrschenden zu machen... Das Gl?ck ward umso gr??er, als dieser Lehrer es verstand, aus Gegenwart Vergangenes zu erleuchten, aus Vergangenheit aber die Konsequenzen f?r die Gegenwart zu ziehen. Mir hat dieser Lehrer Geschichte zum Lieblingsfach gemacht. Freilich wurde ich, wohl ungewollt von ihm, schon damals zum jungen Revolution?r. Wer konnte auch unter einem solchen Lehrer deutsche Geschichte studieren, ohne zum Feinde des Staates zu werden...?"


Adolf Hitler, Mein Kampf, M?nchen 1937:12f.
12.10.05 20:25


Pirkers Welt

So f?gt sich also das Ende der DDR ins antibushistische Weltbild ein: Werner R?hrs "Rrrevolution von Bushs Gnaden". Sch?nstes Quote: "Die montags auf den Stra?en Leipzigs verteilten Handzettel mit den jeweils aktuellen Losungen trugen einen Bonner Druckvermerk." Auch nicht schlecht: "Die Inszenierung von Fl?chtlingsstr?men geh?rt zum ABC des deutschen Imperialismus, sei es im September 1938 vor der Annexion der sudetendeutschen Grenzgebiete oder im Juli/August 1939 vor dem ?berfall auf Polen, sei es im Sommer 1961 oder 1999 im Kosovo."
30.9.05 21:04


Moslems machen Geschichte

Heute: der Iran

...the Islamic Republic has been insidiously planning to obliterate some of the most cherished places in Persian history. They intend to eradicate the Pasargad, the Bolaghi gorge and the Persepolis. Most of all, they are obliterating the memory of one of history's great rulers, Cyrus the Great

Quelle/via
20.9.05 22:20


Konspirationismus 2

Mein Ausgangspunkt ist ein recht seltener. Einerseits halte ich das assoziative Denken f?r ein hilfreiches Werkzeug in vielen Wissenschaften und w?rde es jederzeit gegen die reine analytische Logik ohne Empirie verteidigen; gleichzeitig verteidige ich die analytische Logik gegen jene, die sie mit allen Mitteln aus ihren rein assoziativen Wahngebilden heraushalten m?ssen, weil sonst keine ?berlegung mehr aufgeht. Diese konspirationistische Vorgehensweise ist zudem im Fokus von gleich vier Feinderkl?rungen an die Geschichte/Erz?hlung, die ich vertrete:

(1) formal: die Geschichte ist langweilig und linear, Typen werden durch das Dramenschema geschoben und fertig; eine Erz?hlung mit mehr Beteiligten und mehr Widerspr?chen, die der Banalit?t und Zuf?lligkeit des Lebens und dem individuellen Handlungsspielraum und der Abweichung n?her kommt, geht mit dem Cut-up der bisherigen Geschichte los

(2) chronologiekritisch: die gro?e Geschichte (History) ist absichtsvoll und schlecht erz?hlt, vermutlich sind weite Teile Unfug und bef?rdern nur das Verwechseln von Karte und Territorium; die Brillen und Verf?lschungsinstanzen m?ssen rausgerechnet werden und Geschichte vorm 18. Jahrhundert als ebenso banal angesehen werden wie die Zeitgeschichte es ist

(3) ideologiekritisch: die nationale Geschichte, die den heutigen "V?lkern" eine kollektive Wahngrundlage schafft, ist nicht mal wirklich eine Erz?hlung, sondern nur eine immer wiederholte Momentaufnahme, die sich als Wahrnehmungsmuster ?ber jede geschichtliche Epoche legt und haupts?chlich in der Gegenwart Anwendung findet; die radikale Kritik an der Nation und der Vorstellung vom nationalen Kollektiv und seinen Feinden kann die Sicht wieder freigeben und den eigenen Verstand aus dem Volksgef?ngnis befreien

(4) anti-konspirationistisch: (Achtung: dieses Wort gab es bisher noch gar nicht!) die Verschw?rungstheorie dampft Zeitgeschichte, oft auch die Zivilisationsgeschichte (Des Griffin: Wer regiert die Welt?), in Extremf?llen die Evolutionsgeschichte (Br?ckers: 11.9.) auf das Wirken eines zumeist auch personalisierten Prinzips ein und ist somit die Quintessenz der Geschichte; wie die Geschichtswissenschaft mu? der Versuch der Vermittlung des bisher nicht erfa?baren Gesamtbildes mit der Erz?hlung davon weiter unternommen werden, jede Strategie der absichtlichen Regression auf ?bersichtliche Bilder mit klaren zu eliminierenden B?sewichtern mu? laut und deutlich kritisiert werden
11.9.05 15:02


Konspirationismus (Fragment)

So wie auch Antisemitismus keine wissenschaftliche Bezeichnung ist, sondern die Selbstbezeichnung einer Ideologie, sind Verschw?rungstheorien eben auch keine Theorien im wissenschaftlichen Sinn. Vielmehr werden oft unter ausdr?cklicher Feinderkl?rung an die wissenschaftliche Methode Indizien zu einer Hypothese verdichtet.

Historiker kennen Verschw?rungen, aber ihre Ausweitung auf die gesamte Evolution w?rden sie ablehnen. Die Besch?ftigung der Geschichtswissenschaften mit nachweisbaren Verschw?rungen mag trocken sein, ist dennoch mindestens genauso lehrreich, da sie den enormen Einflu? von Verschw?rungsgl?ubigkeit auf verschw?rerisches Handeln gerade im 20. Jahrhundert zeigen kann. Dabei beschreibt sie m?chtige Ideologien, die von den Verschw?rungstheoretikern in aller Regel mi?achtet werden.

Auf der anderen Seite stehen die Konspirationisten, die relativ unabh?ngig von wissenschaftlichem Nachweis den Einflu? von Verschw?rungen auf soziales Geschehen als beherrschend, oft als ?berm?chtig darstellen.

In der ?bergangszone dazwischen passiert aber etwas anderes. Das Herumspielen mit m?glichen Verschw?rungen sorgt f?r enorme und nicht selten produktive Verwirrung, ersch?ttert Gewi?heiten und erweitert die Datenbasis. Die Mindfuck-Tradition bereichert also zun?chst das Bild von der Gesellschaft. Erst die erneute Verengung auf wenige oder einzige Verschw?rungen im Besitz der Allmacht sorgt daf?r, da? eben nicht mehr ungefiltert vormals vernachl?ssigte Informationen in Betracht gezogen werden, sondern da? nur nach vermeintlichen Beweisen f?r ein feststehendes Weltbild gesucht wird. Dabei ist besonders absurd, da? sich mithilfe von heuristischer Indizienerhebung und anschlie?ender freier Assoziation dar?ber ?berhaupt nichts beweisen l??t.

Werner Pieper: Mein Plan war seit Wilsons Trilogie, einen Verschw?rungs-Sammelband zu machen: Alle jeweils in sich stimmig, und wenn m?glich die anderen ausschlie?end. Und eine selber schreiben. Da mir n?tiges geschichtliches Wissen fehlt, suchte ich jahrelang jemanden, der das machen kann. Und sammelte ein paar Jahre Stoff. Leider entwickelte jeder drei drei damals vorausgesuchten im Laufe der Geschichte eine Lieblingsverschw?rungstheorie - und disqualifizierte sich so f?r das Projekt. Und ich gab's auf.

Gern ?bersehen wird auch der Zusammenhang zwischen Wilsons F?higkeit, sich dem Feld der Verschw?rungstheorie mit Distanz und Empirie zu widmen, und seinen heftigen und zahlreichen Angriffen auf die klassische literarische Erz?hlform. Denn die Mindfuck-Ebene des Verschw?rungsdenkens bildet ja ein ganz reales Problem ab: Unsere Wahrnehmungsf?higkeit ist auf kleine und ?berschaubare Personenkonstellationen ausgelegt und ist mit der Realit?t von 7 Milliarden handelnden Individuen auf der Welt v?llig ?berfordert. Indem Wilson dazu anregte, immer mehr verschiedene Interessen und m?gliche Verd?chtige in Betracht zu ziehen, machte er es zwar nicht wahrscheinlicher, da? tats?chlich die Wirklichkeit aller menschlichen Individuen von irgendjemandem erfa?t werden k?nnte. Das Bewu?tsein vom grunds?tzlichen Problem blieb hingegen durch die best?ndige Horizonterweiterung erhalten.

Genau in diesem Punkt erscheint mir Wilsons Herangehensweise der geschichtswissenschaftlichen ?berlegen. Wenn auch nicht durchg?ngig, so versucht er doch immer wieder, die dramatische Handlung zu zerlegen, wirklich ?berraschende Antihelden zu pr?sentieren und dem Zufall eine gr??ere Rolle zuzugestehen. Es sei an den Atomwaffeneinsatz in ?Schr?dingers Katze? erinnert, durch den Figuren und Erz?hler recht pl?tzlich vernichtet wurden.

Die konspirationistische Erz?hlung funktioniert hingegen klassisch. Gerade die Reduzierung der handelnden Personen auf immer kleinere Gruppen, die Zuschreibung eindeutiger Merkmale und die Ermutigung f?r den Leser, seine eigenen Eingebungen zu neuen Beweisen zu erkl?ren, produzieren ?bersichtliche Geschichten, die niemanden mit dem Versuch bel?stigen, seinen Horizont zu erweitern, sondern die konsequenteste Tunnelrealit?t sogar noch als subversiv und weltrettend adeln.
8.9.05 18:56


Zeitgeschichte - Abstimmung mit den Füßen

Laut Spiegel ist die Auswanderung aus Deutschland auf 150000 Menschen j?hrlich gestiegen, das entspricht 0,2% der Bev?lkerung. Mit 14000 zieht es die meisten in die USA, au?erdem viele nach Polen, in die Niederlande, die Schweiz. Besonders stark vertreten sind unter den Auswandernden Hochqualifizierte.

Vom Zeitpunkt des Mauerbaus bis einschlie?lich 1988 verlie?en 383000 Menschen die DDR auf legalem Weg, 222000 durch Flucht. 1989 gingen noch einmal 344000 Menschen. Das macht f?r den ganzen Zeitraum eine j?hrliche Abwanderung von etwa 33000 Menschen, also etwa 0,2% der DDR-Bev?lkerung.
21.8.05 16:13


Indische Geschichte

"Es gibt praktisch nichts, was uns als historische Literatur in Indien bekannt w?re... Alles, was wir haben, ist eine vage m?ndliche ?berlieferung und eine sehr begrenzte Zahl von Dokumenten... Diese Tradierung gibt uns keine M?glichkeit, eine vollst?ndige Herrscherliste zu rekonstruieren. Die sp?rlichen Reste, die wir besitzen, sind so nebul?s, da? kein Datum vor der moslemischen Periode als pr?zise angenommen werden kann. Die Werke der Gerichtsschreiber sind nicht erhalten... All dies f?hrt einige ernsthafte und bedeutende Wissenschaftler zu der Behauptung, da? Indien keine eigene Geschichte hat."

"Die Namen einzelner K?nige sind vom Nebel der Legenden verschleiert. Wir besitzen nichts, was Palastchroniken nur im Entferntesten ?hnelt."

"Schriftliche Zeugnisse der Industal-Kultur trotzen bis heute der Entzifferung... Kein einziges Fundst?ck kann mit einer tats?chlichen Person oder geschichtlichen Epoche in Verbindung gebracht werden."

"Diese Invasion
[Alexanders des Gro?en in Indien]... scheint von der indischen ?berlieferung unbemerkt geblieben zu sein, obwohl manche ausl?ndischen Historiker sie f?r das einzige Gro?ereignis in der alten Geschichte Indiens halten."

(Damodar D. Kosambi: Culture and Civilization of Ancient India, London 1965; meine ?bersetzung)


Bonustrack zur Industal-Kultur:

"Die Quellenlage zur Harappa-Kultur ist im Gegensatz zu den anderen beiden Hochkulturen in ?gypten und Mesopotamien leider sehr d?nn... Weder ist ihre Schrift entschl?sselt noch ist ihr pl?tzliches Verschwinden ab etwa 1900 v. Chr. gekl?rt.

(Wikipedia)
18.8.05 17:24


Geschichte

Aus der Einleitung zu einer Sammlung von deutschen Originaldokumenten zur Entstehung der "b?rgerlichen Tugenden" aus dem 16. bis 18. Jahrhundert:

"Autorit?ten standen vor jeder eigenen Erfahrung, Geschichte fungierte als gro?e Lehrsammlung von Beispielen, als 'Lehrmeisterin des Lebens', deren aktuelle Verbindlichkeit nicht bezweifelt wurde, gleichg?ltig, ob man sie auf die antike Lehre von der Wiederkehr des immer Gleichen, in die man auch das menschliche Leben einordnete, gr?ndete, oder ob man einen in allen Phasen von Gott gelenkten Geschichtsverlauf annahm. In jedem Fall w?hnte man sich eingebettet in ein gro?es Geschehenskontinuum, das nach erkennbaren Regeln abzulaufen schien.

(...)

Gleichg?ltig, ob das liberale B?rgertum bem?ht war, seine Vorgeschichte in ideologischer Selbststilisierung m?glichst weit zur?ckzudatieren, oder ob das marxistische Periodisierungsmodell vom Kampf des B?rgertums gegen den Feudalismus angewandt wurde und wird, es f?llt schwer, die Fr?he Neuzeit in ihrem Gesamtverlauf einsinnig als quasi teleologisch ablaufenden Proze? auf die Formierung einer b?rgerlichen Gesellschaft hin zu interpretieren."


(Paul M?nch, Hg.: Ordnung, Flei? und Sparsamkeit, M?nchen 1984)
13.8.05 20:14


Who's buildin' whom?

"Edel und nachahmenswert" erscheint dem s?chsischen Hofmechaniker Leupold um 1725 "der Versuch der Bauleute von Babel, sich durch solche technische Gro?leistung einen Namen zu machen und ein ewiges Denkmal zu stiften. Jeder Hinweis auf das Zentralst?ck jenes biblischen Berichtes, auf das Eingreifen Gottes und auf die Folgen der menschlichen ?berhebung unterbleibt."

(Zitat aus Ansgar St?cklein, Leitbilder der Technik, M?nchen 1969:105)
7.8.05 19:25


Ihr habt alle recht

Es gibt die J?dische Weltverschw?rung und ich bin Mitglied. Wir k?nnen nicht aufh?ren zu mauern und sind nun, da uns Google Earth sowieso bald aufsp?ren wird, zur Transparenz gezwungen.

Bringt alle eure Freunde mit!
4.8.05 12:14


Sohn des Typen mit dem Helm (Bolschewiki

"Soll das hei?en, Geschichte ist nur das, was man den Menschen erz?hlt?" fragte die Herzogin.
Der Narr sah sich im Thronsaal um und deutete auf ein Portrait, das K?nig Gr?nbeer den Guten (906 - 967) zeigte.
"_Stimmt_ der Beiname? Wer wei? das heute noch? War er wirklich gut? Es spielt keine Rolle mehr. Bis zum Ende der Welt bleibt er Gr?nbeer der Gute."

Terry Pratchett, "MacBest"

(Dank an M?schki!)
1.8.05 16:17


Anything else again

15.6.05 23:03


Rom Bablon

Ulrike Sals: Die Biographie der "Hure Babylon" (Forschungen zum Alten Testament 2. Reihe, 6), Mohr Siebeck, T?bingen 2004. S. 145
"R. Levi erz?hlt, da? an dem Tag, als K?nig Salomo die T?chter des Pharao Nechto heiratete, der Erzengel Michael einen gro?en Holzstab ins Meer warf, um den herum sich eine Sandbank bildete, auf der ein Wald wuchs. An dem Tag, als K?nig Jerobeam zwei goldene K?lber aufstellen lie?, wurden an diesem Platz zwei Schilfh?tten errichtet, die mehrere Male in sich zusammenfielen und wieder aufgerichtet wurden. Schlie?lich kam ein wieser alter Mann des Wegs namens Abba Kolon, der den Leuten, deren Schilfh?tten immer wieder in sich zusammenfielen, riet, sie sollen Wasser aus dem Euphrat herbeiholen, es mit dem Schwemmland anr?hren und daraus best?ndige H?tten erbauen. Abba Kolon holte das Wasser herbei, die Leute kneteten einen Tonteig und erbauten H?tten, die stehen blieben. Diese Stadt hei?t Rom Bablon." (Midr Hld 1,6)
6.3.05 16:40


(Grundlagentext zu meinem Vortrag an diesem Sonntag, 20.2., in Potsdam, Geschichtssalon im Caf? Heider, Friedrich-Ebert-Str. 29, 18 Uhr: Nationale Geschichtsschreibung: Wozu und f?r wen wird Geschichte geschrieben?)

?Die Geschichte ist noch nicht geschrieben, Marty!? (Doc Brown in ?Zur?ck in die Zukunft?)

GESCHICHTE IST KEINE AUSREDE.

Wir werden von der Geschichte nichts lernen, wenn wir sie etwas lehren wollen. Die historische Mission eines revolution?ren Subjekts, ein Letzter Gro?er Ruck oder die ?berlegenheit der indogermanischen Rasse lassen sich nicht nachweisen und ebensowenig ableiten. Sie repr?sentieren nur das Bild, das einige von uns teilweise v?llig unabh?ngig von historischen Untersuchungen als ihr favorisiertes auserkoren haben.

Sehr wohl m?glich erscheint es mir, abstrakt gesprochen, das heute Greifbare als Produkt des bisher Geschehenen zu setzen und somit die Geschichte aus der Gegenwart mit ihren materiellen und ideellen Spuren der Vergangenheit zu extrapolieren ? das jedoch immer mit dem wachen Blick auf die Wahrscheinlichkeiten der Resultate und auf die Geltungsbereiche der angewandten Modelle und Methoden.

Die Ruinen, Urkunden, Religionen, Ideologien, all die absichtlichen und unwillk?rlich hinterlassenen Spuren m?ssen in diese Welt gebracht worden sein; die Logik unterstellt dabei aus den Schichten tats?chlich unternommener Grabungen eine Reihenfolge der Geschehnisse, aus denen sich wiederum Wahrscheinlichkeiten f?r einschichtig abgelagerte oder an der Oberfl?che befindliche Artefakte ermitteln lassen.

Dabei sollte jedem Buch, vor allem den ?lteren, komponierten ? auch den jeweils liebsten und just originell ausgelegten ? weniger vertraut werden als den vorgefundenen M?llhaufen, Lavakonservierungen oder den eben zum Teil noch immer ?historischen? Bewohnern entlegener Landstriche. Was sich in den ausgegrabenen M?llhaufen findet, was sich in vom Vulkan bespuckten Orten als Bild erhalten hat, mu? zu einer bestimmten Zeit so bestanden haben; was bis in die j?ngste Vergangenheit isolierte Insulaner ohne unsere ?zwingenden Vorbedingungen? genauso zuwegebrachten, kann aus ihren Lebensbedingungen, die einmal zum Teil die hiesigen gewesen sein k?nnten, erkl?rt werden.

Das Dokument jedoch mu? bezweifelt werden, gerade weil es Zeugnis menschlichen Geistes ist, welcher einzigartig darin ist, die Unwahrheit, die Fehlwahrnehmung, das Irrationale und dem bereits gefa?ten Urteil entsprechend Gemachte zu beweisen und in aller schillernden Pracht darzustellen: die Zahl besiegten Gegner wird so sehr ?bertrieben wie die Zahl der Konvertierten und die Qualen der eigenen M?rtyrer; die eigenen Verbrechen werden verniedlicht, zu Notwendigkeiten erkl?rt oder neuerdings gar als Akt der eigenen L?uterung verkauft. Die Folgerichtigkeit der bisherigen Geschichte wird wie in einem Lebenslauf f?r ein Bewerbungsschreiben nicht zuletzt dann herausgearbeitet, wenn die Eignung f?r den angestrebten Posten umstritten ist. Der schwache Herrscher, der sich zum Gr??ten aufschwingt, ben?tigt Titel und belegte Besitzanspr?che; die schwache oder noch unscharf gefa?te Nation bedarf der prunkvollsten Geschichte, um ??ber allem in der Welt? stehen zu k?nnen.

Sich in diesem Dickicht von zu Siegen umgeschriebenen Niederlagen (wie beispielhaft der nur als phantastische Erz?hlung funktionierende Triumphzug des Willens durch Alexander den Gro?en) und zu aufopfernder Niederlage stilisierten eigenen Blutb?dern (hier sei vielleicht an die zahlreichen in diesem Ton schwelgenden Kreuzzugsdarstellungen erinnert) zurechtzufinden, ist nicht leicht, ist vielleicht gar nicht m?glich. Wer braucht das ?reichliche halbe Jahrtausend? maurischer Herrschaft auf der iberischen Halbinsel dringender zur Legitimation: die nordafrikanischen Moslems, die Portugiesen, die Spanier? Das heutige Europa, die heutige arabische Welt? Wem dient wiederum die reconquista als Grundlage f?r welche sp?teren oder heutigen Anspr?che? Wer hat nun wen wirklich aus der Geschichte getilgt oder andersherum sinnlos ?berh?ht? Wer macht das heute noch?

Anhaltspunkte bietet immerhin der Blick auf die eigentlichen Revolutionen innerhalb der Geschichtsbetrachtung. Da steht zuallererst Scaligers Chronologie, welche alle, die sie in Bezug auf die Vergangenheit anwendeten, dazu verleitete, die banalen und unlogischen Ereignisse zu einem Regierungsprogramm zurechtzuschreiben.

Mindestens ebenso wichtig sind die mit der Franz?sischen Revolution verbundenen Ver?nderungen in der Vorstellungswelt, die wiederum einen historischen Sinn und einen politischen Willen ? zum Zwecke der Sinngebung der damaligen Gegenwart ? weitestm?glich in die Geschichte zur?ck projizierten. Zuf?lle wurden ? sofern sie nicht schon vorher als schicksalhaft dargestellt worden waren ? zu Bedeutsamkeiten; schon aus zwei f?r me?bar und zeitlich bestimmbar gehaltenen Ereignissen wurden Gesetzm??igkeiten abgeleitet. (Darin sp?ter un?bertroffen die logische Herleitung der jeweiligen revolution?ren Situation durch die Marxisten-Leninisten)

Die b?rgerliche Revolution spiegelte sich ?berallhin, schuf ein dramatische, komponierte und in sich abgeschlossene Geschichte voller vern?nftiger Anordnungen und voller Strafen f?r Unmoral. Wieviele historische Figuren sollen an ihrer Hybris gescheitert sein? Wieviel waren Sklaven von Orakelspr?chen und g?ttlichen Eingriffen? Wie oft soll gerade die Anma?ung darin bestanden haben, ohne R?cksicht auf Gott und Schicksal zu handeln?

Die Hybris-Anschuldigung wurde dann von vermeintlich zeitgen?ssischen Historikern in Form von zu modernen Gerichtssaal-Reden vorgetragen. Der Angeklagte handelte unmoralisch, die Bestrafung soll ihm seine Verfehlung vergegenw?rtigen und ihn (und alle anderen) wieder auf den Teppich holen ? das ist der Kern der Hybriserz?hlung (des ?5. vorchristlichen Jahrhunderts?) und die Grundidee der aufgekl?rten Justiz (seit dem 18. Jahrhundert).

Wir m?ssen also den Erz?hlmustern lauschen, die Form verstehen und vor allem ?berlegen, wer von der Geschichte angesprochen werden soll und angesprochen wird.

Nehmen wir ein allen vertrautes Beispiel aus dem 20. Jahrhundert, in dem die Hybris immer noch zu walten schien. Hitler wird in der heutigen Erz?hlform, etwa in den popul?ren Fernsehfilmen Guido Knopps oder auch in den akademischen Arbeiten eines G?tz Aly, als Sozialpolitiker mit einer ?dunkeln Seite? geschildert. Die Geschichte treibt mehreren H?hepunkten zu, unterbrochen von ebenso dramaturgisch begriffenen R?ckschl?gen. Wie im Dramenschema bricht auf dem H?hepunkt der Macht der Wahnsinn allm?hlich durch. Hitler l?gt nicht mehr nur selbst, sondern hat einen hauptamtlichen L?gner eingestellt; statt wie jeder andere Staatsmann auch einfach Krieg zu f?hren, gibt es zu viel Grenz?berschreitung. Er ?bernimmt sich, der Wahnsinn kumuliert, am Ende ? nach retardierenden Momenten wie der Einnahme Stalingrads oder der Ardennenoffensive ? stehen Niederlage, Selbstmord und der Triumph der vern?nftigen Au?enwelt.

Diese Schilderung ist heute deshalb die bevorzugte, da sie alle anderen maximal entschuldigt, die so nur zur Staffage in einer zeitgem??eren Macbeth-Auff?hrung herabgestuft werden. Die Rede von Hitlers Selbst?bersch?tzung verdeckt seinen ? gemessen am in ?Mein Kampf? formulierten Vorsatz ? beispiellosen Erfolg, eine Nation v?llig in den Dienst von Krieg und Vernichtung gestellt zu haben; ein so unvorstellbares Vorhaben wie die Ausrottung der ?berall in der Welt verstreut lebenden und weitgehend assimilierten Juden so weit getrieben zu haben; eine Armee aufgestellt zu haben, die bis zur letzten Patrone f?r die ?Sache? k?mpft und sich selbst opfert. Die dramatische L?sung wiederum suggeriert ein pl?tzliches Verpuffen des Spuks mit dem Fall des Vorhangs bei Kriegsende und verstellt v?llig den Blick darauf, wieviel akkumulierten Wert die Nazis dem Nachkriegsdeutschland in Gestalt der um ein vielfaches perfektionierten und ausgebauten Infrastruktur, der angesammelten Verm?gen und der Millionen ausgebildeter und bis zum blinden Gehorsam disziplinierter Facharbeitskr?fte hinterlie?en; ein Effekt, der denn auch folgerichtig mit einem ?Wirtschaftswunder? beschrieben werden mu?.

Logisch war an der Nazizeit also genau die verbissene Abarbeitung eines von einem einzelnen Autor als ?Antenne seines Volkes? ausgearbeiteten Programms, die Deutschen so identisch zu machen, da? sie zu perfekt funktionierenden Teilen der zu einem gigantischen Monopol zusammengeflossenen Staatswirtschaft, zu gesunden Zellen des vorgestellten ?Volksk?rpers? werden konnten. F?r die so vollst?ndige Verschmelzung, die anderswo immer wieder versucht, so jedoch gl?cklicherweise bisher nicht wieder erreicht wurde, war die Austreibung des Abweichenden grundlegend. Nur ohne diejenigen, die das geschlossene Gesamtbild st?rten, konnte die Volksgemeinschaft zu ihrer schlie?lich erreichten und in den die halbe Welt ?berziehenden hochtechnisierten Massakern manifestierten Schlagkraft auflaufen.

Die Geschichte vom tragischen Hitler, der an seiner Hybris scheiterte, soll uns also beruhigen und vermag das offenbar auch angesichts aufmarschierender Imitatoren recht gut. Wie w?rde man sich auch f?hlen, wenn einem klar w?re, da? in jedem Quentchen Wohlstand der Gro?eltern, der Eltern, eines selbst die Vernichtung der Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten, Homosexuellen, Sinti und Roma und all der anderer Nichtpassenden, Nichtidentischen steckt? Ganz genau, man f?hlte sich nicht schuldig und auch ohne Not, Bu?e zu tun; sondern man f?hlte den Zorn, zum Komplizen gemacht worden zu sein, der in einstmals arisierten Wohnungen wohnt, am Tag im Schnitt drei W?rter originales Nazivokabular in den Mund nimmt und der immer noch die Vorstellung im Kopf mit sich herumtr?gt, wie sich der Menge eine Ruf wie aus einem Munde entringt. Sollte sich Schuld auch ablegen lassen, wie das gegenw?rtig gerade durch ihre Pathologisierung als zu ?berwindender Schuldkomplex geschieht, die Komplizenschaft kann man wachen Bewu?tseins eigentlich nicht weitergeben.

Gerade dieses wache Bewu?tsein ist der neben Chronologie und Dramaturgie dritte wichtige Angelpunkt einer erz?hlsensiblen Neusichtung der Geschichte. Dem Bewu?tsein f?llt es immer schwer, sich eine Welt ohne sich vorzustellen, oder eine Weltanschauung eines anderen, vielleicht weniger komplexen Bewu?tseins. Es tut dem Gegenstand der Geschichte damit zweierlei an. Zum einen wertet es Ereignisse und Hinterlassenschaften enorm auf, ohne gewahr zu bleiben, da? diese zugeschriebenen Werte werden in den Dingen stecken, noch vom Vorgeborenen ebenso, wenn ?berhaupt, zugeschrieben wurden, ja worden sein k?nnen. Wie der Mensch tierische Gef?hls?u?erungen f?r menschliche halten kann, kann er auch historische Handlungen im Licht (bzw. Schatten) seiner eigenen ? verkennen. Die erste Wirkung des modernen gesichtsbewu?ten oder geschichtsbewu?t werdenden Menschen besteht also darin, dieses historische Bewu?tsein den historisch Handelnden zu unterstellen, sowohl was Auswirkungen als auch zeitliche Tragweite anbetrifft. So m?ssen die mumifizierten Pharaonen ihre sp?tere Verwendung als B?rgen f?r die sich auf sie berufenden Herrscher gewisserma?en sogar beim Bau der Pyramiden selbst mitgedacht haben ? was nicht sehr wahrscheinlich aussieht und die Frage aufwirft, wem diese B?rgschaftsfunktion der Reinkarnation so klar gewesen sein kann, um diesen umfangreichen baulichen und organisatorischen Proze? in Gang zu bringen. Es geht also nicht um das Leninsche Cui bono, den Urheber im Profitierenden zu suchen, sondern darum, die Einzelnen oder Gruppen ausfindig zu machen, die diese nicht eben absichtslos aussehenden historischen Mechanismen in ihren Folgen absch?tzen konnten.

Der zweite Effekt hat wie die Dramaturgie etwas mit Sinnstiftung zu tun. Da das Geschichte betrachtende Bewu?tsein von der inneren Logik und Stringenz der eben im wahrsten Sinne des Wortes menschengemachten Geschichte ? also der durchkomponierten und zutiefst moralisch geschriebenen Geschichte ? ?berw?ltigt ist, nimmt es darin einen Urheber wahr, den es zun?chst traditionell als Gott bezeichnet, sp?ter als H?chstes Wesen und Weltgeist, im Laufe der Zeit mit den Namen jeder bekannten f?r ordnungsbildend oder eben chaosstiftend gehaltenen Kraft: Buddha-Sein, Yin & Yang, Wahrer Wille, historische Gerechtigkeit, Ewiger Diskord usw. usf.

Die Erkenntnis, die hier vorbereitet wurde, k?nnte sich als zutiefst verunsichernd, gern aber auch als befreiend erweisen: da? Menschen wirklich ihre Geschichte geschrieben haben, weshalb sie so sinnhaft erscheint; da? weiter wir uns in unserer Geschichte als Autor wiedererkennen, nicht also das reale Geschehen, sondern unsere Interpretation, unsere Absichten, W?nsche und vor allem unsere Denkmuster; da? noch weiter Menschen, seit sie Geschichte zu schreiben begonnen haben, ihre Gegenwart an ihr messen und bis zu einem hohen Grad bereit sind, ihr Handeln als historisches anzusehen; da? schlie?lich sowohl die Geschichte vor der Geschichtsschreibung wie auch die zuk?nftige nach einer zu erhoffenden L?sung von historischem Zwang viel br?chiger, merkw?rdiger, komplexer, unmoralischer, banaler und insgesamt eben sinnloser aussieht; da? ? um doch noch eine Programmansage zu machen ? der Sinn und Wert von einzelnen Menschen verliehen werden k?nnen und angesichts der Millionen ihrer historischen Inkongruenz wegen Hingeschlachteten auch verliehen werden m?ssen.
17.2.05 16:55


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