Entschwörungstheorie - situation normal all cut-upspackenbanner

Sammelsurium Kommunismus 1 2 3 4



vorrundenaus 06
  Startseite
    Rubrik Vermittlung?
    Rubrik Cut-up & Remichsen
    Rubrik Antifa
    Rubrik Trampen
    Rubrik Gegen Geschichte
  Über...
  Archiv
  BESCHALLUNG
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Links
   Entschwörungstheorie
   Kulla Gesammelte Werke
   Kulla in der Jungle World
   scrupeda
   play in progress
   Ungis Metablog
   zovjet
   gegen das was ist
   bauhaustapete
   nada
   germanophobia
   kristi
   robotporn
   NS-Tätern auf der Spur
   lfo demon
   jochmet
   Chefduzen
   subwave
   Die Paranoiden beobachten uns!
   Teilnehmende Beobachtung in der Antifa
   Cut-up Germany
   Neingeist
   /usr/portage
   Morgenthau Blog
   Pfützis Sammelsurium
   Bier wird es immer
   Basics zum Trampen
   Berlintermin
   Praxis bestimmte Negation
   egotronic-Blog
   Volker Radkes Weblog
   cutuphistory
   meine antideutsche Baustelle
   Honestly Concerned
   Zoomquilt
   Bahamas
   Werner Pieper & The Grüne Kraft
   Der Stein der Weisen
   Pongmechanik

kostenloser Counter















































https://myblog.de/classless

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Antideutsche Konferenz

In der randvollen Kreuzberger Jerusalemgemeinde erlebte das teils recht weit angereiste Publikum gleich am Freitagabend ein unerbittliches Dementi bequemer Selbstvergewisserung. W?hrend Justus Wertm?ller in der Anmoderation des ersten Podiums klarstellte, was alles nicht von der Konferenz zu erwarten sei - die Guilllotine, der Wettbewerb um den besten Kommunismus, die Selbstbegl?ckw?nschung -, wurden danach von Nachtmann und Dahlmann die theoretischen Instrumente ausgepackt.

Auch wenn er sich zuweilen in seinen Nebens?tzen und Einsch?ben etwas verhedderte, wies Clemens Nachtmann der 68er Aneignung der Kritischen Theorie ein politisches Bed?rfnis nach Revolte gegen Vermittlung, f?r die Unmittelbarkeit nach, das u.a. zu einer Spaltung des rezipierten Adorno in einen als brauchbar empfundenen Politik-Adorno und einen vernachl?ssigbaren, b?rgerlichen Kunst-Adorno f?hrte und das somit das Moment des ?berfallenwerdens von Erkenntnis genauso ?berging wie Adornos Verteidigung des "sch?nen Scheins" als Platzhalter des kommenden Sch?nen.

Manfred Dahlmann belustigte zun?chst mit launigen Verweisen darauf, was er alles nicht mehr sagen m??te, weil wohl jeder der Anwesenden die antideutsche Interpretation des "Fetisch"-Kapitels im "Kapital" auch mitten in der Nacht aufgeweckt sofort referieren k?nnte (danke, aber das k?nnte ich nicht). Ebenso f?hle er sich nicht in der Positionen einen Priesters, der eine viel gepredigte Bibelstelle noch einmal v?llig neu und originell auslegen k?nnte.

Dennoch wollte er zur Illustration der gesellschaftlichen Folgen der Kritik f?r die Kritisierenden - der beziehungsm??igen Isolation n?mlich - betonen, was der Fetischcharakter der Ware f?r Konsequenzen f?r den Begriff der Beziehung hat. Er f?hrte aus, da? die Beziehung nur als Beziehung auf etwas denkbar ist, da? das nicht auf etwas bezogene Verh?ltnis somit nichts sei. (Bad news f?r Nicht-Fuller-Geometrie...)

Historisch sei der monotheistische Gott das verdinglichte Nichts gewesen, da? dem Individuum die Panik angesichts seiner Einzelexistenz genommen habe. W?hrend jedoch die Religion Krisen nur schlecht ?berstand, sei das Kapital zur erfolgreicheren Panikbew?ltigung geworden, da es aus Krisen gest?rkt hervorgehe und Kritik zu integrieren verm?ge. (Nur am Rande der chronologiekritische Aspekt: Dahlmann versicherte in seinem in der Vortragsweise an Douglas Adams erinnernden Ausflug in die Geschichte, da? das r?mische Imperium ohne eine monotheitische Gottesvorstellung nicht denkbar w?re, was ihm als historisch widersinnig ausgelegt werden k?nnte, aber auch die Frage nach Reihenfolge und Zeitr?umen der r?mischen Geschichte stellen lie?e...)

Da nun "der Kritiker" jedoch kein Identifikationsangebot im Sinne eines verdinglichten Nichts mache, weil die antideutsche Kritik ja nicht mal das "Klasseninteresse der Unterdr?ckten und Beleidigten" anspreche, w?re eine Vereinsamung die Folge. Junge Hinzugesto?ene sollten sich demnach im Klaren dar?ber sein, da? sie nicht in eine Ersatzfamilie geraten w?ren.

(In between: wunderbares Abendessen im advena, billiges Fr?hst?ck mit spendiertem Luxus am Morgen zur?ck bei der Konferenz)

Hatten Nachtmann und Dahlmann gerade auch als Doppel eine Art zen-kommunistischer Performance geboten, die den Knochen tiefer begraben, die Trauben h?her h?ngen und die Aspiranten vertreiben sollte, so l??t sich Martin Blumentritt, der als erster Referent des Samstags zum "Abgrund des Liberalismus" sprach, um im Bilde zu bleiben als in Aufbau, Sprache und Inhalt katholisch beschreiben: Sein herumm?anderndes Ableitungsgeklapper mit historischen und philosophischen Allgemeinpl?tzen gemahnte schwer an den "Gegenstandpunkt" und kam mit den unn?tig ausf?hrlich Zitaten von Hobbes, Locke, Mill und - als Kritiker - Marcuse nicht ?ber den Erkenntniswert einer Gemeinschaftskundestunde hinaus. "Schon Hegel...", sang er geradezu oder: "Hier [bei Mills] ist im Grunde schon die faschistische Volksgemeinschaft vorgedacht, die heute Sozialpartnerschaft genannt wird." Alles zu einfach und zu lang.

Dabei sa? daneben Gerhard Scheit, f?r den dann auch nur eine halbe Stunde blieb, um - als seine H?lfte dieses Podiums - dennoch souver?n eine Art "Greatest Hits" abzufackeln: "Demokratie als Begriff der politischen P?dagogik", Heideggers Freiheit zum Nichts und das Selbstopfer, Leviathan und Behemoth, die Formulierungen des Paradoxen bei Hobbes und Marx. Europ?ische Intellektuelle w?rden den Behemoth, den Unstaat als Untier, mittlerweile als Haustier pr?sentieren, so Boris Groys, der eine m?glichst widerspr?chliche und unverst?ndliche EU-Verfassung fordert. Dagegen setzte Scheit Paul Bermans Idee einer R?ckrufaktion f?r deutsche Ideologie aus dem Nahen Osten, denn, wie Paul Celan 1962 schrieb: "Die Deutschen haben die Welt nicht zu unterwerfen vermocht, sie durchfaulen sie jetzt."

Das dritte Podium ?ber die "Demagogen des Sozialstaats" er?ffnete Natascha Wilting mit einer Betrachtung des Geschlechterbildes im letzten Bundestagswahlkampf, der das instinktsichere, starke, standhafte Alpha-Tier Schr?der als Anf?hrer und sozialstaatlichen Beuteverteiler eines Wolfsrudels inszenierte, gegen den die weiblich-schwache, ferngesteuerte, schwanzlose Merkel als Repr?sentantin der pragmatischen Vernunft und des kalten Egoismus stand. (siehe dazu auch Wir haben unser'n deutschen Kanzler 1, 2 und 3) Warum sie allerdings die "titanic" in diesem Zusammenhang so ernst nehmen mu?te (was ja auch zuletzt in der Bahamas schon passierte), bleibt r?tselhaft.

Uli Krugs "200 Jahre deutsche Ideologie" sah ich leider nicht ganz. Daher hier nur das Zitat ?ber die Parteilichkeit der deutschen Linken: "Hauptsache es kommt von S?den, Hauptsache es kommt von Osten, Hauptsache es kommt von unten."

"Freunde der Juden - Feinde Israels?" lautete das Motto des dritten Podiums. S?ren P?njer referierte Leerstellen bei Dershovitz, der in Chomskys Hausverlag als dessen Debattenerg?nzung erschienen ist, und erkl?rte, warum er Am?rys "Der ehrbare Antisemitismus" f?r nicht mehr auf der H?he der Zeit h?lt. Er w?rdigte die Sisyphusarbeit, die die ja doch nicht gerade vielen israelsolidarischen Antideutschen ("Hier kann man das ja mal sagen") leisten. Tjark Kunstreich beschrieb die Ver?nderungen in der Rolle von Juden als Kronzeugen gegen antideutsche Kritik, die sich von Avnerys Antizionismus zu Butlers Gegnerschaft zum j?dischen Staat insgesamt gewandelt habe und las zum Steineerweichen Erkl?rungen in "sinistra"-Deutsch vor - manchen sicher bekannt aus dem Begleitbuch zu "I can't relax in Deutschland".

Das Abschlu?podium zur Prime Time am Samstagabend unter der ?berschrift "Was links ist? Die Desertion vom Kollektiv!" machte den Saal noch voller, als er ohnehin schon war. In Claudia Dreiers Anmoderation deutete sich mit dem Hinweis auf den "in Paris im Namen des Islam rasenden Mob" und das "wahnhafte moslemische Familienleben" das sp?tere Problem schon an. Erst las jedoch Philipp Lenhard von Georg-Weerth-Gesellschaft K?ln einen recht zusammengesuchtes "Pl?doyer gegen die Politisierung des Privaten" vor, der vielversprechend mit der Abwesenheit des Individuums bei poplinken Theoretikern wie Roger Behrens (da ja "Popkultur total" sei) und der Wirkung der Hartz-IV-B?rokratie auf selbstbestimmte Lebensentw?rfe (auch Nichtehen werden zu Bedarfsgemeinschaften) anfing. Dann wurde jedoch das Private so konsequent unter Ausblendung der Anwesenheit von Frauen ebendort verhandelt, da? sogar von "h?uslicher Gewalt, die sich gegen den anderen richtet, weil man zum Objektbezug nicht mehr f?hig" sei, die Rede war und mit lauter m?nnlichen Beispielen von einer Entwertung oder Wertlosigkeit der Freizeit gesprochen wurde, welche f?r die meisten Frauen auf der Welt bis heute keine Realit?t ist.

Justus Wertm?ller stieg in seine ?berlegungen dazu, was links ist an antideutscher Kritik, mit Literaturhinweisen ein: Heines sp?te Texte zum Kommunismus, Oscar Wilde "?ber die Seele des Menschen im Sozialismus" und Lord Byrons "Ode an Napoleon", um dann zu einer Verteidigungsrede des First Amendment der US-amerikanischen Verfassung anzuheben. Am Beispiel des Karikaturisten Marlett, der f?r die bildliche Frage, wie Mohammed heute zum Terror st?nde, mit Ha?mails ?bersch?ttet wurde und daraufhin schrieb, diese zumeist gerade erst immigrierten Moslems, die ihm auch Viren gesendet h?tten, w?ren recht schnell mit dem know how der USA vertraut geworden, jedoch offenbar nicht mit dem know why. Marletts Rede von der "Ware Toleranz" f?hrte Wertm?ller zu der Forderung der britischen Moslems nach 7/7 in London, nun besonders in Schutz genommen zu werden. Da? er diese Forderung allerdings damit verglich, da? die Katholiken nach der Bartholom?usnacht besonderen Schutz f?r sich h?tten reklamieren k?nnen, machte bereits eine merkw?rdige Verdrehung von Mehrheitsverh?ltnissen offenbar. So sch?n die Formulierung der "?bergro?en Mehrheit der Mitopfer" auch war, fa?te sie dennoch das Problem von Minderheiten nicht wirklich; da? in die Zumutungen durch diese Mehrheit au?erdem "p.c." und "hate speech" hineinmu?ten, leuchtete wieder nicht ein. Ebenso blieb unklar, welche automatische Integration in den USA normalerweise gelingt, die - wie an dem Beispiel Marletts erkennbar - nicht mehr gelingen soll.

Wertm?ller machte als Begr?ndungszusammenhang f?r kollektives Verst?ndnis v?llig richtig die Geschichte aus. Das identit?re Kollektiv benutze die "Weltgeschichte als Guillotine, die die Ungleichen gleich macht, in dem sie sie einen Kopf k?rzer macht". Es m?sse gegen die Weltgeschichte aufgestanden werden.

Dann kippte der Vortrag in eine 10-Minuten-Ha?-Sendung gegen die Rioter in den franz?sischen Vorst?dten um. In b?sem Ton, der bei anderen Gelegenheiten angebracht gewesen sein mag, geiferte Wertm?ller, da? Sarkozy die Jugendlichen zurecht als Gesindel bezeichnet habe, wetterte gegen den "Bl?dsinn diese Woche in der Jungle World", w?nschte sich, da? "die sich einfach gegenseitig umbringen". Die Figur des Provokateurs, den er dann als Vorklatscher des kollektiven Vernichtungswunsches denunzierte, pa?te in gespenstischer Weise auf ihn selbst. Der sonst bei aller Kritik am Antirassismus beibehaltene Blick auf die vor dem Selbstausschlu? aus der Gesellschaft erfolgte Ausschlie?ung durch die Gesellschaft, die in den banlieues schon baulich ?berdeutlich ist, fehlte hier v?llig. In l?cherlicher Weise wurden diejenigen bedauert, die wegen der Riots nicht fr?h ins Bett kamen, um morgens an ihrem Ausstieg aus dem Elend zu arbeiten zu k?nnen.

Wie dieses unfa?bare Gebashe kam, ging es auch wieder, Wertm?ller plauderte sich aus, zerplauderte auch die Fragerunde im Anschlu? und bekam vom Publikum - das erschien mir fast bemerkenswerter - kein Widerwort. Trauten sie sich nicht, so wie ich, der ich bef?rchtete, nicht die richtigen Worte zu finden, um nicht einfach als Antira-Spam ignoriert zu werden? Oder hatten sie wirklich kein Problem damit, wie aus brandstiftenden Jugendlichen - welche gar nicht alle Moslems sind, welche weiterhin dem Staat erfolgreich mehr Geld abn?tigen und welche genau wie beabsichtigt den zurecht verha?ten Innenminister und seine Aufstandsbek?mpfungstruppe in die Kritik bringen - hier das im gesellschaftlichen Mainstream skandalisierte Gesindel wird, das sich hoffentlich selbst vernichtet?

Diese Auslassungen Wertm?llers und das Ausbleiben der Kritik an ihnen machen mir trotz der insgesamt hervorragenden Veranstaltung einige Sorgen, ob das automatische Belegen der "Bahamas" mit Rassismusvorw?rfen mittlerweile dazu gef?hrt hat, da? wirkliche diesbez?gliche Warnsignale nicht mehr bemerkt werden.

(Zwischenbericht bei scrupeda)
20.11.05 01:11
 



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung