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Attwenger im Festsaal Kreuzberg

Okay, der Anfang war zu downtempo („dum“, „wama liaba“, „bam“), dann ging’s mitten in „sun“ ein bißchen los und das zurückhaltende Publikum jubelte ein bißchen.

Nach dem ersten Song fragte Sänger Markus Binder, ob der Text zu verstehen gewesen sei. Womit er sicher nicht seine Versatzreime à la „Show me the way to the next whiskey bar“, „King of the bongo“ und Ausschnitte aus „The Message“ meinte, sondern den anti-österreichischen Originaltext. Aus dem Publikum ruft eine Frau, sie mögen doch langsamer singen. Ich beteilige mich und schlage Untertitel vor, woraufhin es von der Bühne heißt, der Typ, der sonst die Untertitel macht, sei krank. Jetzt käme „wama liaba“, das hieße so viel wie 'I prefer' und mehr Text wäre es auch nicht, dafür wäre es aber 15 Minuten lang. Später heißt es, „bam“ würde einfach 'Baum' heißen, ein kleiner Baum, der noch kein u hat.

Der Radau bleibt bis fast zum Schluß die Ausnahme und weniger – wie mein Eindruck gerade aus früheren Zeiten war – das System. So ist das filigrane Spiel zu bewundern, der Witz der Zwischenansagen („Danke für diesen romantischen Applaus, das Publikum geht mit dem Applaus sogar auf die Stücke ein“ oder „In Mexiko haben sie verstanden, wir würden 'tamaleros' singen, das sind die Teigtaschenfüller, aber sie haben inbrünstig mitgesungen“) bleibt jedesmal eine Weile stehen, das Publikum aber überwiegend auch.

Bis auf den geringschätzig blickenden, theatralische Gesten simulierenden Menschen direkt vor mir waren die überwiegend um die 30jährigen Besucher dieser „Verbrecherversammlung deluxe“ gar nicht unsympathisch, aber auch bei den kurzen Punk- oder Polka-Passagen gehen höchstens drei der mehreren Dutzend Zuschauer wirklich ab. Überdies schienen die meisten weiterhin der distanzierten Lächerlichkeit zu bedürfen, um es gut finden zu können; schienen es nicht ernstnehmen zu können, obwohl gar nicht mehr der noch sehr volksmusiklastige Erstling 'obst' dargeboten wurde, sondern praktisch alle Phasen der Integration von Hip Hop, Punk, Drum'n'Bass und Blues ins Attwenger-Universum. Ich mußte daran denken, wie am Abend zuvor ein Bekannter ein Stück gehört hatte und sich mit einem verständnislosen „Ah, sowas machen die also“ davon abzuheben versucht hatte. Attwenger scheinen meist keine Geschmackssache zu sein, sondern eher ein sehr kompliziertes Zusammenspiel von Abgrenzungsbedürfnis und Fassungslosigkeit zu verursachen.

Markus Binder sang „I saw the light“ und es klang wie „Ei da de leid“. Dann gab es die erste Zugabe. Und schließlich die zweite. In den Pausen hatte der überaus coole Tontechniker in einem Loop die Zeile „gennan die leid wieda bled schaun heid“ abgespielt. Ansage: „Attwenger-Fans sind sehr nett, aber unersättlich“. Und dann gab es zum allerletzten Schluß mit „zaum“ doch noch das von mir die ganze Zeit erhoffte Tempo, den typischen beschleunigten Beat, der auch ohne die Harmonika funktionieren würde, mit ihr jedoch diejenigen, die „dem objektiven Rhythmus folgen“ wollten, „ohne je den break 'auszutanzen'“, dieses genauso begeistert tun ließ, wie auch Mickey Mouse, die „allein alle breaks genau ins Visuelle übersetzt“, wohl in Gestalt von mir eben dies tat, während der oben beschriebene Mensch unverändert dazwischen stand und poste.

(Zitate im letzten Satz aus Adorno: Musikalische Schriften IV:105)
3.3.06 13:01


Joachim Bruhn im SBZ Krähenfuß (Humboldt-Uni)

Keine großen Neuigkeiten, nur angedeutete kleine, beim Vortrag des ISF-Denkers zum Thema „Die Klasse und ihr Kampf“. Ich gebe dennoch eine kurze Zusammenfassung für alle Unbedarften, das heißt, ich gebe hauptsächlich die Thesen wieder.

Bruhn sprach von der Eroberung der Arbeiterklasse durch die Sozialdemokratie, den Stalinismus, den Faschismus, später die Situationisten, die Operaisten, wobei ein immer ideologischerer Klassenbegriff zur Anwendung gekommen sei. ML funktionierte als Sozialontologie, die allen anderen vorwerfen, daß sie die Realität der Klasse leugnen würden. Karl Müller von 'trend' wurde damit paraphrasiert, daß die Arbeit im Wert eine Art Selbsterfahrung durchmachen würde.

Der Klassenbegriff sei weiterhin der des Bürgertums von vor 1789, damals gegen das „arbeitslose Einkommen“ des kosmopolitischen Adels, in einer Frontstellung produktiv gegen unproduktiv, national gegen illoyal, (wie es auch Thomas Haury in der Darstellung der nationalistischen Vorgeschichte des modernen Antisemitismus ausgeführt hat), bis das Proletariat zum Bürgertum sagte: selber unnütz! Bzw. bis in Vorgriff auf den meisten Sozialismus ever since produktive Arbeit und produktives Kapital gegen internationales (jüdisches) Handelskapital zusammengefaßt wurden.

Dabei konstituiere die Arbeit allein noch nichts, Marx selbst (und hier hatte Bruhn immer den dicken blauen Schinken griffbereit am Start) sprach von der Natur als wertbildender Instanz. (Mit dem Satz „Es gibt keine authentische Marx-Lektüre“ lieferte Bruhn ein wunderschönes Cut-up-Motto, auf das ich noch zurückgreifen werde.)

Was Klassenapologeten im Kapital überlesen, wäre, daß die Arbeiterklasse nur Zubehör des Kapitals ist, ein lebendiges Ding, Äußerung der Arbeitskraft; als solches reduziert auf lebendige Arbeit, auf Natur. Der Kapitalist kauft die Arbeitskraft ein wie ein Ding neben den anderen eingekauften Dingen, damit sie dann alle in seiner Fabrik miteinander reagieren können - wo soll da das Klassenbewußtsein herkommen?

Um nun zum politischen Charakter des Marxschen Wertes überzuleiten, zitierte Bruhn Horkheimer: Solange die Weltgeschichte ihren logischen Gang geht, erfüllt sie ihren menschlichen Anspruch nicht. Der erste Satz des „Kapital“ spricht nur vom Schein des gesellschaftlichen Reichtums als Warensammlung, weshalb die Ware als Grundform untersucht werden müßte. Das heißt, die Ware ist abgeleitet aus dem Reichtum, Marx setzt einen Wertbegriff vor jeder ökonomischen Bestimmung.

Wert ist Vermittlung, zwischen die Kontrahenten geschoben, das Dritte der Vermittlung, indem sich die negative Gesellschaftlichkeit ausdrückt. Der Wert ist das logische Wort negativer Qualität. Der Wertbegriff ist nicht primär ökonomisch. Die lebendige Arbeit konstituiert den Wert nicht, sie ist nur zuständig für die Wertgröße. Das juristische Subjekt wiederum ist die Entsprechung individueller Wertgröße. Der Proletarier ist so Eigentümer von nichts als seiner Natur. (Wenn ich also mit einem Remix der „Ursprünglichen Akkumulation“ die Ungleichheit des Herkommens thematisiere - „Natürliches Recht ist historisch verjährtes Unrecht“ -, würde ich ohne weitere Zusätze eine Forderung nach wirklich natürlichem Recht implizieren, das es freilich gar nicht gibt; das Naturrecht des Privateigentums abzuschaffen, läßt so nur zunächst das „Naturrecht“ der Selbsteignung zurück)

Der Klassenbegriff ist nicht denkbar ohne Geschichtsphilosophie. So wie der Bonapartismus die Produktionsweise gegen das Bürgertum durchsetzte, rettete auch der Nationalsozialismus die Produktionsweise gegen das Kapital, allerdings auch gegen die Arbeit. Die Nazis haben alle Kategorien, nach denen die bürgerliche Gesellschaft kritisiert wurde, außer Kraft gesetzt. Hitler 1933: Wenn es gelingt, daß Proletarier und Bürger wieder Deutsche werden...

An diese restlose Entwertung des Klassenbegriffs durch die Nazis fügte Bruhn die Bemerkung an, daß sich der Faschismus insofern für uns alle gelohnt habe. Das führte zusammen mit der kurz vorher angeklungenen Formulierung, daß es einen Aufruf der Nazis zum „Massenraubmord“ zu meiner Frage, ob sich das nicht alles nach Götz Aly anhören würde. Bruhn distanzierte sich und wurde nun überraschend präzise: Postones Wort, daß Auschwitz eine Fabrik zur Vernichtung von Wert gewesen sei, würde nicht mehr treffen, vielmehr müßte von Auschwitz (außerdem oder stattdessen?) als einem Laboratorium zur Gewinnung einer magischen, wertbildenden Substanz aus dem Blut der Juden gesprochen werden. Im jüdischen Blut hätten die Nazis das Geheimnis gelingender Akkumulation gesucht und es sich mittels der Ausrottung aneignen wollen für eine Neuaufrichtung der zerstörten bürgerlichen Gesellschaft. Nur in diesem Sinne habe Bruhn von einem Massenraubmord sprechen wollen.

Nun, selbst wenn das mehr als nur eine abgeleitete Vermutung aus der Blut-Besessenheit der NS-Ideologie sein sollte (es ergibt für die frühneuzeitlichen Fastnachtsrituale viel mehr Sinn, siehe Scheit), halte ich diese Füllung für das Rätsel für halsbrecherisch. Zum einen wurden die Juden eben nicht ausgeblutet oder dergleichen, sondern restlos vernichtet, was eher darauf hindeuten würde, die Nazis hätten nichts bekommen, sondern etwas zum Verschwinden bringen wollen (Heinsohn würde hier etwa die von Hitler bei den Juden verortete Ethik des fünftes Gebotes anführen); zum anderen funktioniert eine derartige konkrete Irrationalisierung leider eher als Rationalisierung.

Andererseits hat Bruhn recht, wenn er den „klassenapologetischen“ kommunistischen Häretikern wie Pannekoop oder Debord vorwirft, sie hätten eben zu Auschwitz nichts Vernünftiges gesagt; daß im italienischen Operaismus gar von „Auschwitz als Ausrede“ und vom Zweite Weltkrieg als Weltkrieg der Wall Street und des sowjetischen Staatssozialismus gegen die Arbeiterklasse gesprochen worden sei. Ebenso sei Negris Wort, der Faschismus habe „die Menschen“ auf ihre „nackte Lebendigkeit“ reduziert, der reine Hohn.

Eine Weltrevolution 1848 hätte das Kapitalverhältnis vor seinem Übergang zur reellen Subsumtion gestoppt, die radikalsten USPDler 1918 in Bitterfeld und im Mansfelder Land hätten noch Vorstellungen von Produktion gehabt wie Thomas Müntzer.

1968 sei schließlich vor allem als sozialpsychologisches Phänomen akademischer Überprodktion zu verstehen.

Auf die andere Frage (es gab noch mehr, aber die waren eher lala) nach der Wertung von Texten wie dem „18. Brumaire“ oder den „Klassenkämpfen in Frankreich“ („die MG sagt, das habe nur literarischen Wert“) meinte Bruhn, die wenigen stichhaltigen Punkte der sozialen Analyse herausstreichen zu müssen und umging die Frage nach dem schreienden Determinismus und der fehlgeschlagenen Prophetie.

Beim Nachgespräch (vulgo Betränknis ausgerechnet im BAIZ, Home of Freidenkerverband) konnte es ein Mitsitzender nicht glauben, daß einer Blitzumfrage zufolge die meisten am Tisch Gerhard Scheits „Meister der Krise“ eher für einen Lesesnack hielten und sogar besonders flüssig am Stück durchgelesen hätten.
3.3.06 17:30


Rasthof Michendorf -> Magdeburg

Im Verlaufe einer Stunde hielt ich acht Autos an, die Richtung Leipzig fuhren und sogar zwei(!) auf dem Weg nach Hamburg, erst dann machte ein Endzwanziger Musik-Skin eine sinnlose Panikbremsung, blieb mitten auf der Straße stehen, um mich an seinem (vermutlich über die Mitfahrzentrale besogten) Beifahrer vorbei ins Innere seines kleinen Autos zu lassen, in dem der CD-Player dabei versagte, alten Ska zu spielen. Trotz mehrerer Anläufe gelang es mir nicht, ein Gespräch auszulösen, weshalb ich nicht mehr erfuhr, als daß der Fahrer in Magdeburg "eine Freundin besuchen" und sein Mitfahrer "arbeiten" würde.

Das war alles so aufregend, daß ich mich lieber in den Zug nach Thale setzte und darin ein wenig auf meinem Notebook herumklimperte.
3.3.06 17:39


Vom Islam lernen

Ein zum "Schneechaos" befragter Bayer sagte mit Bedauern in der Stimme: "Es handelt sich um ein Naturereignis, da läßt sich kein Schuldiger finden." Schade, dem Kairoer Muslimbruder Tariq Ali fiel das nicht so schwer: "Es herrschen Nacktheit und moralischer Verfall im Westen, und dann gibt es Wirbelstürme mit Namen wie Rita und Katrina." Das beweist: "Die Dekadenz des Westens zerstört die Welt."

Viel weiter vorn in Sachen Rückbesinnung auf gute alte Zeiten liegt die Selbstzensur des deutschen Radios und nun auch von RTL, die Oomph! mit dem Lied "Gott ist ein Popstar" von der Echo-Verleihung ausgeladen haben. Begründung: "Verantwortung" angesichts "der aktuellen internationalen religiösen Diskussionen". Es geht um wirklich Unaussprechliches wie diese Zeile: «Ich geb' euch Liebe, ich geb' euch Hoffnung, doch nur zum Schein, denn die Massen wollen betrogen sein.» (ganzer Text)

Die Band selbst spricht davon, einen Rundumschlag gegen die Vergötterung von Idolen getextet zu haben, was sich gleichermaßen gegen Fans, Castingshows und den Papsthype richte. Sie rudern allerdings gleich zurück und versichern, "jede Form von Glauben" zu respektieren. Immerhin langt es noch zu diesem Statement:

„Auf der einen Seite verlangen wir als westliche Gesellschaft von anders Gläubigen mehr Gelassenheit im Umgang mit kritischen Sichtweisen ihrer eigenen Religion. Auf der anderen Seite begegnet uns jetzt im eigenen Land eine Haltung, die dem völlig widerspricht...“

Vom Islam lernen - gar nicht nötig.
6.3.06 22:20


'Alle könnten mehr Basisinforma­tionen gebrauchen'

8.3.06 21:02


Nazis an der Laterne

In der Thalenser Umgebung herumlaufen, um den Kopf zu lüften fürs Schreiben, hat derzeit den Haken, daß jeder Weg durch die Stadt mit Landtagswahlplakaten gesäumt ist, von denen als erste in beachtlicher Menge die der DVU zu sehen waren ("Wehrt euch!", "Wer sicht nicht wehrt, wählt verkehrt", "Rechtsanwalt Dr. Ingmar Kopp - Er sagt, was Sachsen-Anhalt denkt"), die bis auf wenige Ausnahmen auch zumeist unbeschädigt und unbemalt hängen geblieben sind.

Der heutige Ausflug nach Quedlinburg zeigte nun zweierlei. Einerseits, daß die totgeglaubten Republikaner sich ernsthaft Gedanken gemacht haben, wie sie inhaltsfrei aus dem Seitenaus noch ein paar Punkte machen können - sie zeigen eine junge Frau, die sich nach vorn gebeugt tief in den Ausschnitt blicken läßt, daneben die Parole: "Deutsch ist geil". Andererseits gibt es in Quedlinburg scheinbar noch Reste einer Antifa, da ein Großteil der Naziplakate mit schwarzen Farbbeuteln unlesbar gemacht wurde. Zu wissen, ob die gleiche Wurfaktion auch absichtlich die MLPD-Plakate traf, könnte Aufschluß über die inhaltliche Ausrichtung dieser Antifanten geben.

Ich halte Augen und Ohren offen, dann halte ich aber auch besser die Klappe.
8.3.06 21:12


Klare Ansagen

Dienstagnacht im Taxi, die Fahrt geht von Friedrichshain nach Kreuzberg.

Ost-Berliner Taxifahrer: "Also nee! Kreuzberg! Da will ich ja nich' wohn'!"
Fahrgast: "Ich will auch nicht, dass Sie da wohn'."

Schweigen für den Rest der Fahrt.


(Rundmail des Erratik-Instituts)
9.3.06 01:25


klein und übel

Damit u.a. wirbt nun die PDS auf ihren Plakaten für die Landtagswahl: "Wirtschaft braucht Standort, Menschen brauchen Heimat."
10.3.06 16:06


Don't fight da Bush, fight the game

>>Wenn es richtig ist, daß die sogenannte Interjektion, nämlich „der einzelne, von einem übermächtigen momentanen Eindruck abgedrungene Affekt- und Erregungslaut“ buschda, das wesentliche physiologische Element der Sprache ausmacht, dann dürfte Sprache anfangs nichts anderes gewesen sein als unter Wiederholungszwang entfaltete Interjektion: buschdada.

Und es war sein Wort, welches er sprach zuerst: Aristoteles' Urlaut
tode ti, was soviel heißt wie "Dies da". Busch da. Ohne jeweils ein „Dies da“ als etwas „Unteilbares und der Zahl nach eines“ - griechisch atomon, lat. individuum - zu unterstellen, könnte man überhaupt nichts benennen; Sprache hätte an nichts festen Halt da buschda busch. Totaler Informationsstop!<<

DON'T FIGHT DA BUSH, FIGHT THE GAME.
CHRISTOPH TÜRCKES AKUSTISCHE SCHRECKABWEHR MICHS.


(Enthält Samples aus den Büchern "Erregte Gesellschaft" von Christoph Türcke, "Sprechblasen" von Ernst Jandl, "Die Biographie der Hure Babylon" von Ulrike Sals, "Der Schnupfen/Test" von Stanislaw Lem, "Sechzig Kerzen" von Wladimir Tendrjakow, "Die Nacht sinkt auf Babylon" von Klaus Herrmann, "Deutsch und Geschichte" von Inge von Wangenheim, "Tuor und seine Ankunft in Gondolin" von J.R.R. Tolkien, "Hirn" von Rainald Goetz und aus den "Nachgelassenen Schriften", Band IV von Theodor W. Adorno, aus einer Sammlung altrussischer Dichtung, aus der "Edda" in der Ausgabe von Dr. Manfred Stange, aus einem Gespräch mit dem Sänger der Band Propagandhi, einer Fernsehreportage über den Kairoer Muslimbruder Tariq Ali, aus dem Weblog von Mathias Bröckers.)

10.3.06 19:27


Das laß ich mir doch gerne sagen

>>"Ich verzichte gerne auf Dein unübersichtliches Weltbild!"<<

sagt mir der objektive und ausgewogene Kewil.
11.3.06 21:55


Platt aber lustig

"The first time you'll get a Microsoft product that doesn't suck, will be the day they start producing vacuum cleaners."

(via Müschki)
14.3.06 20:28


Achtung, Wortgrippe!

"Für das Zusammenfügen verschiedener Texte zu einem neuen wird in der Philologie auch der Begriff Kontamination verwendet (in Anlehnung an das Verfahren römischer Dichter, bei der Übersetzung griechischer Dramen deren Struktur zu verändern, indem sie Elemente anderer Stücke einarbeiteten). Das Ergebnis dieser Umgestaltung muß die Assoziation des Zufälligen allerdings möglichst ausschließen."

Weingart, Brigitte: Ansteckende Wörter. Repräsentationen von AIDS, Frankfurt am Main 2002, S.99, Fußnote zu Cut-up

14.3.06 20:35


Das soll wohl Ihre Geschichte sein?

"Daß wir hier mehr einen Komplex abzustecken als präzise Angaben zu machen inmstande sind, hat einen recht handfesten Grund, der gerade einem nachdenklichen Leser unserer Weltgeschichte nicht verschwiegen werden darf. Im Hinblick auf die Fülle des griechischen Lebens in allen seinen Ausprägungen ist seine auf uns gekommene Hinterlassenschaft dem Umfang nach von erstaunlicher Dürftigkeit. Das meiste ist, so darf man unbedenklich sagen, einfach verloren, und die Aussicht, daß sich durch neue Funde an diesem Tatbestand etwas wesentlich ändert, ist so gut wie hinfällig. Nicht nur ist bloß ein geringfügiger Bruchteil der ungeheuren griechischen Literatur, der poetischen, philosophischen und wissenschaftlichen, erhalten, sondern - und dies fällt gerade für die historische Analyse ins Gewicht - es feheln auch so gut wie alle Angaben über die Verzahnung der individuellen Existenz der Intellektuellen mit der sozialen Ordnung. Kaum eine erschöpfende Biographie eines Philosophen oder Dichters gibt uns über seine Stellung in der Gesellschaft und über seine wirtschaftliche Basis Auskunft. Auch von daher ist es nicht verwunderlich, daß unser Klassizismus die Griechen fast gänzlich entkörperlichte und in einer reinen Sphäre schweben ließ. Selbstverständlich ist dieses Fehlurteil von der Wissenschaft prinzipiell längst revidiert worden, aber eine plastische Gegenzeichnung zu geben, war sie einfach mangels notwendiger Erkenntnisquellen nicht imstande, sosehr sich auch die realistische und bewußt sich historisch gebende Altertumswissenschaft des 19. Jahrhunderts darum bemühte.
Die Mißlichkeit unserer Quellenlage macht sich besonders auf dem Gebiet der Wirtschafts-, Sozial- und Verwaltungsgeschichte bemerkbar.

(...)

Aus bestimmten hier nicht zu erörternden Gründen reicht die Erforschung der griechischen Geschichte kaum über das 18. Jahrhundert zurück..."


Heuß, Alfred: Einleitung, in: Propyläen Weltgeschichte, Dritter Band - Griechenland. Die hellenistische Welt, Frankfurt am Main 1991 (Berlin 1962), S. 19
15.3.06 02:20


Aus dem Leben des Brian

>>Einige gefilmte Drehbuchteile wurden schließlich nicht in die Filmfassung geschnitten; insbesondere die mehrfachen Szenen mit Eric Idle als militanten Untergrundkämpfer mit kleinem Oberlippenbart, der auf die Ankunft eines Führers wartet. Reste der Aufnahmen befinden sich im Film als Auftritt des Suizid-Kommandos in Samurai-Rüstungen, die nach Erledigung ihres „Jobs“ während „Always look...“ im Bild liegend mit den Füßen wippen.<<

Wikipedia
15.3.06 02:43


Der Club der dichten Toten

>>Schön wäre es, mit der Sprache zu spielen und den offenen Horizont immer noch zu erweitern. Das nannte ich einst "Weichkern-Aufschnitt" oder "Softcore-Cut-up", also nette Umgehungsstrategie mit dem Ziel der Versöhnung. Doch es spielt gar keine Rolle, wie hart oder weich der Kern ist; und die Umgehung, der Hack, der Witz mögen wohl mir selbst etwas Bewegungsfreiheit verschaffen, aber sie kratzen nicht am Kern, an den Glaubensgewißheiten, am verinnerlichten Wert, an den
Selbstverständlichkeiten, die zuverlässig verhindern, daß das Spiel funktioniert. Es scheint nötig zu sein, den Kern zu spalten, ihn in den Nußknacker einzuspannen, in der Zentrifuge rotieren zu lassen, bis er seine Energie freisetzt.
<<


(Enthält Samples aus den Büchern „Warum Auschwitz?“ von Gunnar Heinsohn, „Die schreckliche deutsche Sprache“ von Mark Twain, „Erlebte Geschichte. Von Zeitgenossen gesehen und geschildert. Von den Türkenkriegen bis zur Französischen Revolution“ von Günter und Barbara Albrecht (Hg.), "Principia Discordia" von Malaclypse dem Jüngeren, „Krieg und Frieden“ von Leo Tolstoi, „Geschichte des Bolschewismus“ von Arthur Rosenberg, „Hirn“ von Rainald Goetz und „Materialismus und Empiriokritizismus“ von W. I. Lenin, aus dem Song „Roots“ von Sepultura, aus der „Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“ von Karl Marx und dem „Jugendlexikon Wissenschaftlicher Kommunismus“ von Jonny Gottschalg und Gerhard Wolter (Hg.), aus trotzkistischen und sozialistischen Internetseiten, aus einer Absage der Literarischen Agentur Herbach & Haase, sowie ein Zitat von Hegel nach Kesting: "Geschichtsphilosophie und
Weltbürgerkrieg" und einen Demonstrations-Sprechchor der Autonomen Antifa.)
16.3.06 23:22


Fernsehen: Felicitas Woll ist Dresden (Deutschland)

Der zum "Fernsehereignis des Jahres" ausgerufene Zweiteiler "Dresden" fängt praktischerweise erst am Ende des Krieges an, so daß es bei schemenhaften Verweisen auf die deutschen Taten bleibt: der "Führer" plärrt alle halbe Stunde eine Radioansprache, ein paar klar erkennbare Schergen heben sich von den guten Dresdner Deutschen ab, die verblüffenderweise fast alle hochdeutsch reden, Felicitas Woll gar mit ihrem starken Berliner Akzent. Kai Wiesinger, der den Quoten-Juden spielt, wird als am Anfang bei der Auflistung der Besetzung sinnigerweise als "Gast" deklariert; seine Figur wünscht sich die Bombardierung, als sie stattfindet irrt er aber wie die anderen nur herum, von seiner Flucht, die ich als Knoppsches Zugeständnis an die Geschichte erwartet hatte, ist nicht die Rede. Stattdessen endet der Film wirklich mit der Einweihung der wiederaufgebauten Frauenkirche, damit, daß die Deutschen endlich zur Versöhnung bereit sind und Sätzen wie "Wer das Weinen verlernt hatte, lernte es bei der Bombardierung von Dresden wieder." Wer bis dahin noch nicht geweint hatte...
17.3.06 13:20


Fernsehen: Ägypten als Zeitangabe

In einer dctp-Sendung über das "historische" Alexandria verbreitet sich Prof. Dr. Manfred Clauss von der Frankfurter Goethe-Uni sichtlich ergriffen über "antike Touristen", die den Leuchtturm von Pharos besichtigen, obwohl er schon kurz darauf zugeben muß, daß noch nichts von ihm gefunden wurde. Das Gemälde ist richtig, die Gegend ist falsch. Das Zusammenspiel zwischen dem Interviewer und dem "Experten" ist schon fast obszön, es werden dumme Fragen gestellt, auf die mit größtmöglicher Gewißheit geantwortet werden muß. Muster: Das und das hat es doch aber gegeben, ja, das hat es natürlich gegeben, wenn wir auch nichts davon haben/wissen/kennen. Im Tonfall der gesicherten Erkenntnis kann Clauss also genauso sagen: "Das Christentum entsteht nach dem Tod Jesu Christi", wie er darauf verweist, daß hauptsächlich wegen der christlichen Quellenselektion 90% des überlieferten antiken Materials aus der Spätantike stammt. Er kann einen antiken Stadtrundgang schildern und eine Minute darauf sagen, daß Alexandria seit Mitte des 19. Jahrhunderts durch das Stadtwachstum nicht mehr rekonstruierbar ist.
17.3.06 13:22


Fernsehen: Buchstaben töten

Islamist Reda Sayem sitzt in einem Berliner Restaurant und sagt: "1000 Jahre beherrschten Muslime die Welt, bis das Kalifat fiel." Und dann schlicht: "Osama bin Laden sagt nicht, man soll diesen oder jenen töten, der Koran sagt das."
17.3.06 13:24


Fernsehen: Porno-Spezial

Gar nichts gelernt von den Moralisten diverser Provenienz hat erfreulicherweise Charlotte Roche, die eine "Tracks"-Sendung zu Porno macht und darin unter anderem ihren eigenen Preßlederfetisch vorführt. Sie fragt, warum die beim SM-Ausüben immer so langweilige Musik hören müssen und definiert das Jahr 1966 als insgesamt unscharf. Die Beiträge der Sendung schwanken etwas unentschlossen zwischen sexualdemokratischem Maximalverständnis (Masochistin Anna: "Ich bin auf den Kern reduziert, ich bin nackt, ich bin ausgeliefert.") und den üblich pathologisierenden Erklärern (Psychotherapeut beschreibt Fetisch als "Ersatzobjekt, das mit Phantasien aufgeladen wird"). Dazwischen immer wieder schöne Bemerkungen über den "Popstarkörper als Ganzkörperfetisch" oder auch: "Der Kontext geht mit ins Bett."
17.3.06 13:25


Fernsehen: Zurichtung zum Konsumenten

In der Hornbach-Werbung wird ein Kunde geschlagen, der der Werbung nicht glaubt.
17.3.06 13:26


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