Entschwörungstheorie - situation normal all cut-upspackenbanner

Sammelsurium Kommunismus 1 2 3 4



vorrundenaus 06
  Startseite
    Rubrik Vermittlung?
    Rubrik Cut-up & Remichsen
    Rubrik Antifa
    Rubrik Trampen
    Rubrik Gegen Geschichte
  Über...
  Archiv
  BESCHALLUNG
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Links
   Entschwörungstheorie
   Kulla Gesammelte Werke
   Kulla in der Jungle World
   scrupeda
   play in progress
   Ungis Metablog
   zovjet
   gegen das was ist
   bauhaustapete
   nada
   germanophobia
   kristi
   robotporn
   NS-Tätern auf der Spur
   lfo demon
   jochmet
   Chefduzen
   subwave
   Die Paranoiden beobachten uns!
   Teilnehmende Beobachtung in der Antifa
   Cut-up Germany
   Neingeist
   /usr/portage
   Morgenthau Blog
   Pfützis Sammelsurium
   Bier wird es immer
   Basics zum Trampen
   Berlintermin
   Praxis bestimmte Negation
   egotronic-Blog
   Volker Radkes Weblog
   cutuphistory
   meine antideutsche Baustelle
   Honestly Concerned
   Zoomquilt
   Bahamas
   Werner Pieper & The Grüne Kraft
   Der Stein der Weisen
   Pongmechanik

kostenloser Counter















































https://myblog.de/classless

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
The Decline und so

Lange hatte ich nicht mehr das Bed?rfnis, etwas anderes als schlimme Forumsdiskussionen von Telepolis zu verlinken. Dieser - wo auch immer wieder abgeschriebene - Artikel ?ber die Abnahme der technischen Innovationsrate darf jedoch.
1.7.05 20:28


Ergebnisse des Freitagabends

1. Die ?berwindung des Kapitalismus setzt m?glicherweise die Entwicklung von Replikatoren voraus, erg?nzt nat?rlich um Deplikatoren - BSR 3000. (1:00 Uhr)

2. ?ber Gruppen zu sprechen, die sich selbst durchg?ngige Eigenschaften zuschreiben, verf?hrt immer wieder dazu, die Zuschreibungen zumindest sprachlich zu affirmieren. Selbst wenn ich beispielsweise nur von Teilen der deutschen Gesellschaft oder einer Mehrheit der Deutschen spreche, habe ich das nationale Kollektiv dem Anschein nach anerkannt. (1:30)

3. F?r Anti-Eso-Kampagnen k?nnte der Schriftzug "Zehn kleine Yogi-Meister" n?tzlich sein. (2:30)

4. "Wo sind denn mein Arithmetik- und mein Logik-Device eigentlich hingekommen?" (Ingo, 5:30)
2.7.05 20:04


Pfülme und Freiluft

Mal wieder gesehen: "Galaxy Quest" - weiterhin der vermutlich denkbar komischste und f?lligste Metaplot auf Fernseh-SF; eine Dimension, die mir beim letzten Run vor zwei Jahren noch nicht aufgefallen war: die "historischen Dokumente" taugen als Defaultmetapher f?r Geschichte sehr gut. Wenn von nachgewiesenen Funden die Rede ist, wird man mich nun sagen h?ren: "Gwen, zeig ihnen die historischen Dokumente".

Zum zweiten Mal gesehen (gerade beim Filmdienst Britz): der japanische Rock'n'Roll-Zombie-Film "Wild Zero", der eigentlich an Orten mit Moshpit gezeigt werden m??te. Sch?nstes Zitat: "Liebe kennt weder Geschlecht, noch Rasse, noch Nationalit?t."

Zum x-ten Mal, aber auch nach l?ngerer Pause: "23" - bisher von mir unbemerkt die Frage, wor?ber sich der von Palituchtr?gern umringte Sohn des autorit?ten Verlegers einer "rechten" Hannoveraner Tageszeitung mit diesem wohl 1985 au?er ?ber Atomkraft und Wettr?sten noch in der Wolle gehabt haben wird. Verbindendes Motiv zwischen KGB, Hackern und den Kriminellen, in den Worten eines der Letzteren: "Wir haben was gegen die Amis". Ach ja, damals.

Heute aber auch: Ausgerechnet vorm Brandenburger Tor trafen sich eine Handvoll von Matt Lehitka zusammengetrommelten Anti-Bush-Aktivisten von vote44 ("A New President for America"), der wie Kritische ?kologen in der NSDAP wirkenden Bamberger CSU-Dropout-Partei "Perspektive" (Sprecher fragt das Publikum ernsthaft: "Wer von euch will belogen werden?" - keiner au?er mir meldet sich...) und einigen Nachwuchsk?nstlern wie den U-18-Rappern von Tollwut ("Milliarden Menschen werden von nur einem regiert", "Nein zu Merkel hei?t Nein zu Bush", "Wir sind zwei Berliner Kindl"). Dazwischen offenbar auch wegen der d?rftigen Beteiligung phasenweise Open Mic. Eine Frau deklamiert: "Jeder irakische Mann, jede irakische Frau, jedes irakische Kind hat ein Recht zu leben", und freut sich, "da? auch mehr und mehr Amerikaner merken, da? dieser Krieg nicht gerecht ist." Was wir von Lenin alles immer noch im Diskurs herumliegen haben...

Der Distinktionsgewinn eines eiligst beschafften Starbucks-Bechers half nicht gegen best?ndige Ankumpelei von junge-Welt-Verteilern und "Perspektive"-Rekrutierern, so da? ich mich hinter die B?hne verzog, wo zwei junge Amerikaner mit einer USA-Fahne sa?en, die sich hier mit jemandem treffen wollten, um dann ein Barbecue zu veranstalten. Nebenan diskutierten v?lkerkundlich geschulte Menschen vor den Plakaten der Friedensmahnwache ?ber den Begriff "Semit".
5.7.05 00:26


Hidden Vagenda

Hin- und hergerissen bin ich von der gegenw?rtigen Platte von Kimya Dawson. Ich heulte mit offenstehendem Mund bei "I will never forget" und sch?ttele den Kopf bei "Fire". Es ist nacheinander so sch?n und so traurig und so verkehrt und so richtig und so unn?tig und so herzzerrei?end.
5.7.05 00:29


Über die 'Fusion'...

..., auf der ich nicht war, schreibt scrupeda.
5.7.05 00:33


Umzug nach Friedrichshain - wer will mit

Ich scheine wohl ab 1.8. hierhin zu ziehen:

.

In der Wohnung sind noch mehr Zimmer frei. Wer dort wohnen mag, kann sich entweder hierhin wenden oder mich wegen einer Telefonnummer anpingen.

Tihi.
5.7.05 17:03


Einige Veröffentlichung

Heute erscheint in der Jungle World ein Artikel von mir ?ber Biometrie, zum gleichen Thema ein Interview mit Gisela Piltz von der FDP. Zu dem Artikel mu? ich anmerken, da? die Endredaktion noch mal ordentlich darin herumgestrichen hat, so da? die viel heftigere Diskussion au?erhalb Deutschlands, gerade in Irland und den USA, nicht mehr vorkommt.

Gestern interviewte mich das "Mittagsgespr?ch" des Bayerischen Rundfunks ?n einer Sendung ?ber Datensicherheit. Anla? war der Proze? gegen den 19j?hrigen Programmierer des Sasser-Wurms. In die Sendung rief offenbar aus dem Auto ein Kleinunternehmer an, der "jetzt gern mal" wissen wollte, "was denn eigentlich die Motivation" dieser Leute sei, die ihm solche Sicherheitskosten verursachen.

Ich sollte wohl etwas bringen wie "gute Hacker - b?se Hacker", erkl?rte die spektakul?ren Viren und Cracks aber zu Bewerbungsschreiben an die jeweiligen m?glichen Arbeitgeber. Stattdessen m??te mehr daf?r getan werden, die Nutzer aufzukl?ren. Das gab die Moderatorin der Sendung an den Anrufer weiter: "Da m?ssen Sie sich wohl doch etwas kundig machen." Worauf er entgegnete, das sei nicht sein Kerngesch?ft und von Telefonen k?nne er ja auch erwarten, da? sie einfach funktionieren. Die Moderatorin nutzte das, um auf Handy-W?rmer hinzuweisen (doesn't that still sound very disgusting?) und fragte mich wiederum danach, wie es dazu kommt. Ich blieb bei meiner Darstellung, da? es nat?rlich auch Jobs bei der Handyindustrie gibt und hatte danach sogar noch Gelegenheit, ein paar S?tze dar?ber zu sagen, da? gerade die organisierten Hacker einen Gro?teil der Aufkl?rung bez?glich Datenschutz und Privatsph?re leisten.

Oona, die das Gespr?ch mit angeh?rt hatte, meinte hintherher, im BR sei wohl noch nie in f?nf Minuten so oft das Wort "Verwertung" gefallen.

Ebenfalls gestern schrieb ich einen dort leider wenig kommentierten, aber von erfreulichen Mails gefolgten Kommentar zu Br?ckers' Versuch, einen der zahlreichen Hackermythen mit mehreren Drogenmythen zusamenzul?ten.
6.7.05 11:48


Die ultimative Ware

gefunden bei The Pinocchio Theory:

In Alex Shakar?s The Savage Girl, the ideal commodity is indeed an absence: a product that promises everything, precisely because it is nothing. This product is called diet water or Litewater. It?s ?an artificial form of water? that passes through the body completely unabsorbed. It?s completely inert, completely harmless,? and has no effect on the body whatsoever. It doesn?t actually quench thirst; but as a result, it also doesn?t add to the drinker?s weight, and doesn?t make her feel bloated. If you still feel thirsty after a drink of Litewater ? and you will ? all you have to do is ?buy more.? Consumers needn?t worry about the consequences of imbibing; they ?can drink all they want, guilt-free.? Litewater is the ideal commodity, then, precisely because it ?is, in its very essence, the opposite of consumption. Consuming [it] is like consuming nothing at all.? This means that it is a figure of pure desire, scrupulously detached from any use or need. All it does is make sure that circulation continues: the circulation of money through the economy, and of fluids in and out of the body. Litewater is the perfect product for a world beyond scarcity, beyond irony, and beyond guilt. No matter how abundant it becomes, the demand for it is never satiated.

(...)

The thing to remember is that, even when we strive to resist the commodity?s allure, and the ubiquitous domination of the marketplace, it is only in the terms set forth by the commodity itself that we can do so. We must say of the commodity what Derrida says of metaphysics: ?We have no language ? no syntax and no lexicon ? which is foreign to this history; we can pronounce not a single destructive proposition which has not already had to slip into the form, the logic, and the implicit postulations of precisely what it seeks to contest.? The Situationist strategy of radical negativity and absolute refusal is a self-congratulatory self-deception, or at best a show of empty bravado. Like it or not, the situation that we face today is the opposite of the one described by Audre Lord: for it is only with the master?s tools that we can possibly hope to dismantle the master?s house.
6.7.05 22:58


Realitätsabgleich

Jetzt kann ich mir wieder besser vorstellen, warum meine ersten Reflexe nach 9/11 nicht unbedingt der realen Bedrohung galten, sondern eher dem Bed?rfnis, die alsbald Beschimpften zu verteidigen. Der deutscheste aller Kollegen in der Fotoabteilung, der st?ndig Kunden in genervt-herrischem Ton belehrt und der sie st?ndig bezichtigt, ihn so zu behandeln, wie er sie behandelt, was sie keineswegs tun - er nun lie? sich heute nach Bekanntwerden der Terror-Anschl?ge in London mit folgenden ?u?erungen vernehmen: "Ich bin ja wirklich nicht radikal, aber da kann ich's werden", "Alles, was so aussieht - weg, weg, weg!", "50 R?umfahrzeuge in einer Linie nebeneinander und losfahren...", "Mit dem ganz eisernen Besen..." und als best?ndiges Mantra im MG-Sound: "Es geht nicht mehr, es geht nicht mehr".

Auf dem Klo in der Berliner Stadtbibliothek steht neben vier Hakenkreuzen zu lesen: "Schlagt die Moslemschei?e tot."
7.7.05 20:25


Abgleichsabgleich

Nach Besichtigung der Telepolis-Diskussion und dem Mitanh?ren von Freudensbekundungen von den italienischen und britischen NoGlobals, die um den Nachbarrechner herumsa?en und sich die Bilder vom Anschlag ansahen ("They lose, they lose!"), ist das Dauerdilemma aber wieder komplett.
7.7.05 20:46


Die Arbeiterklasse weiß bescheid

Wenig Kunden in der Fotoabteilung - zu viel Zeit f?r Empirie. Der Kollege, der heute lieber mit dem Auto als mit der U-Bahn gekommen ist, beabsichtigt Republikaner zu w?hlen. Der gestern schon von mir zitierte Kollege legte noch mal nach: "Das CIA ist allm?chtig", sagte er und wiederholte es mehrmals. Au?erdem: "Das kann man nicht leugnen, da? die Juden im Amerika das Sagen haben." Zur Taktik der CIA konnte er feststellen, da? auch das "was ihnen nicht n?tzt, ihnen n?tzt" und da?, "wenn die Spuren nach Deutschland f?hren", wovon er ?berzeugt ist, "das nur den Verdacht vom CIA ablenken soll."

Als ich die nette ?ltere Kollegin - geboren ausgerechnet in Aschersleben - darauf ansprach, da? ihr Kollege ja ganz sch?n auf Verschw?rungstheorie abzugehen scheint, kl?rte auch sie mich zu meinem Entsetzen ?ber den wahren Zustand der Welt auf: "In Amerika gibt es die Maurer. Die regieren die Welt. Das sind 12 oder 15 Leute, das wei? ich nicht mehr so genau. Aber die regieren die Welt. Ich war in Griechenland, und da haben sie das gesagt. Und die Griechen haben recht. Diese 12 oder 15 Leute regieren die Welt."

"Und wie machen die das?" wollte ich wissen.

"Es gibt doch Telefone", antwortete sie.

"Haben nicht alle anderen auch Telefone?"

"Es gibt doch geheime Sachen. Der Bush ist doch nur 'ne Marionette. Der Schr?der ist auch nur 'ne Marionette. Der macht nur, was die sagen. Da glaube ich fest dran."
8.7.05 20:30


Smash G8?

Obwohl in der Presse hin und wieder aus dem Internet-"Bekennerschreiben" zitiert wurde, in dem es hie?, da? der Anschlag gegen die "zionistische britische Regierung" gerichtet gewesen sei, tauchte diese antisemitische und verschw?rungstheoretische Begr?ndung schon in den Paraphrasen, aber auch in den Kommentaren nicht auf. Das Tatmotiv wurde als "Ha?" (Tagesspiegel) bestimmt, auf jeden Fall aber als eine zwar unangemessene, aber doch logische Folge der "Besatzung" gedeutet.

Die junge Welt wies in ihrem einzigen, auf der Titelseite abgedruckten Artikel zum Thema darauf hin, da? sich die Anschlagsziele in der Londoner City befanden, wo die B?rse und die internationalen Banken sitzen.

Keiner merkte an, da? Allmachtsphantasien bez?glich der G8 weite Teile des Diskurses der letzten Wochen bestimmten - sowohl, was die v?llig ?bersteigerten Erwartungen, als auch, was die Verdammungen betrifft.

What we learned today: Es mu? einen Grund geben, die Verblendung mu? auf menschliche Schw?chen reduzierbar sein, "ihre" Motivation mu? von "unserer" grundverschieden sein.
8.7.05 20:44


The Good News

IGNPC: Sweet Civilization. You realize I have to quit my job once this game comes out, right?

Barry Caudill: Yes we do, that's why it's good we work here at Firaxis...or we'd all be on the dole J Oh...was that rhetorical?

Preview on Civilization IV

Sid Meier's Fanclub Party
8.7.05 21:22


Hitler geschlagen

Ich habe Hitler geschlagen! Ein kleiner j?discher Kommunist hat Hitler geschlagen!
Henry H?bchens erste Worte als Gewinner des deutschen Filmpreises.

(via Ungi)

Spiegel: "Alles auf Zucker" schl?gt Hitler-Drama
9.7.05 20:26


Potsdam B2 am Hauptbahnhof -> Amsterdam

Zur Autobahn bringt mich ein Fernmeldeaufkl?rer der Bundeswehr, stationiert in Gatow, der aber nicht mehr ?ber seinen Job sagen darf, als, da? Fremdsprachenkenntnisse daf?r sehr n?tzlich sind. Er l?dt bei einem Kleinh?ndler auf dessen DDR-Grundst?ck Bio-Tierfutter ein und mich zur Abwechslung am Michendorfer Rasthof aus.

Dort gibt es keine Bel?stigung durch herumstreunende Polizeieinheiten, sondern einen schnellen Lift Richtung Westen. Der aus dieser Richtung stammende Fahrer, der seit einer Weile in Neuseddin wohnt ("46 Jahre Westen waren genug") und von seiner polnischen Frau schw?rmt, ist ein gro?er Amerika-Fan. Er hat die Ostk?ste mehrmals recht gr?ndlich bereist und sagt, die Toleranz der Leute h?tte ihn begeistert. Sobald sein ?lterer, noch aus erster Ehe stammender Sohn "alt genug" ist, was wohl in ein oder zwei Jahren der Fall zu sein scheint, will er mit Frau und Kind nach Amerika gehen. Ihn ?rgert die Engstirnigkeit hierzulande, auch der Umgang mit der Geschichte: "Egal, wen ich gefragt habe, damals will keiner dabei gewesen sein. Aber irgendwer wird es doch gemacht haben."

Er setzt mich am Rasthof Garbsen ab, weil er in Minden abfahren will. Ich trinke einen Mr Brown's und beschlie?e - da ich bisher noch kein Reiseziel hatte - nach Amsterdam zu fahren, um dort im American Book Center ein Geschenk f?r Oona zu kaufen. Ich schaffe es, drei Songs an der Ausfahrt zu singen, bevor mich ein LKW-Fahrer auf deutsch anspricht, wo ich hinwill. "I'm going to Amsterdam", sage ich und er sagt: "Exactly, just give me two minutes". Ich bin ohne zu ?berlegen in meiner guten alten Amerikaner-Zweitidentit?t f?r alle F?lle - was sich nach dem vorangegangenen Auto aber auch ein bi?chen aufgedr?ngt hat. Als er vom Klo zur?ck ist, fahren wir mit meiner Electrelane-CD in seinem kleinen tragbaren DVD-Player in den Sonnenuntergang. (Beim Schreiben dieses Satzes befielen den Autor Zweifel wegen der un?bersehbaren Klischeehaftigkeit.)

Die Amerikaner-Position ist lohnenswert, da der Fahrer aus Holland stammt und sich sehr gern und ausgiebig ?ber Deutsche wundert. Er hat vier Jahre in England gelebt (in einem Vorort von Brighton) und drei in Kanada. In Parallele zum anderen Auto vorher hat auch er eine polnische Frau und will in sechs Wochen f?r immer nach Kanada gehen: "I've been on German roads for more than 20 years. I gotta get outta here!" Er beklagt sich ?ber die Weltfremdheit und Willk?r der deutschen Polizei, speziell der BAG und des BGS. Er erz?hlt zahlreiche Anekdoten dar?ber, wie Deutsche im Ausland erwarten, da? alle anderen auch deutsch seien, wie z.B. in einem abgelegenen schottischen Dorf eine vierk?pfige Familie mit einem eher dicken Auto vorgefahren kam und die Bedienung "right away" auf deutsch zutexteten; wie er sich ?ber die internationalen Restaurants in Deutschland wunderte, da Deutsche nach seinem Eindruck im Ausland auf ihrer K?che sehr best?nden; wie ?berhaupt Geld f?r Deutsche weiterhin etwas Magisches sei, etwas L?stiges, f?r das andere zust?ndig seien. Er erz?hlte einen polnischen Witz, den ihm seine Frau erz?hlt hatte: "Some people speak three languages - they are trilingual. Some speak two languages - they are bilingual. And some speak only one language - that's the Germans."

Ich mu?te mir eine DVD der Metal-Dinosaurier bzw. -Drachen Rush ansehen, die nicht ganz so schlimm war, wie ich erst bef?rchtet hatte. Auf dem letzten Streckenabschnitt, als er sich nach ?berschreitung der Grenze zu den Niederlanden sichtbar zu entspannen begann ("I still owe these police bastards 130 euro, and I don't wanna have to pay them before I'm up and away"), machte er den Film Red Dragon an, den ich noch nicht gesehen hatte, und ?ber den ich jetzt nicht ausf?hrlicher schreiben mag - Edward Norton kl?rt mit der Hilfe von Hannibal Lecter Verst?mmelungsverbrechen auf.

Beim Aussteigen am Bahnhof/Flughafen Schiphol verga? ich ein Buch in seinem LKW - ein deutschsprachiges aus der Amerika-Gedenkbibo. Wenn er es findet, k?nnte er sich wundern
16.7.05 20:02


Melinda und Melinda

Bevor ich den j?ngsten Woody-Allen-Film lobe, mu? ich auch hier etwas n?rgeln. Zum einen mi?hagte mir, wie inmitten der vern?nftigen wei?en Charaktere zuerst der schwarze Pianist und dann ein ebenfalls auf dem Klavier bewanderter Latino als die intuitiveren und instinkthafteren Menschen benutzt werden, die den weiblichen Figuren in die Seele schauen k?nnen, bevor diese ihnen rettungslos verfallen. Das ist ganz sch?n rassistische Schei?e. Daneben fiel mir auf, da? Allens "Auschwitze" im direkten Kontext wie bei Anything Else sehr gut funktionieren, als Gew?rz in Alltagsszenen aber deplaziert und unangemessen wirken. Das Casting war nach dem Verheizen von Christina Ricci zuletzt diesmal wieder beeindruckend. Was ist aus Susan E. Morse geworden?

Die Frage, die von der Konstruktion des Filmes als parallel laufende Trag?die und Kom?die mit nur einer identischen Figur - eben Melinda - gestellt wurde, tr?gt ?ber die gesamte L?nge und verfremdet die Stilmittel aufs Erleuchtendste. Die Wahrnehmung einer ?hnlichen Geschichte durch eine andere Brille, wie sie am Anfang des Films die beiden Erz?hlweisen anst??t, wandelt sich im Verlauf in die Zuschauer-Wahrnehmung der eingesetzten Mittel. Denn ?berhaupt nicht sind die beiden Erz?hlf?den klar getrennt, also zu 100% tragsich und zu 100% komisch. Viel komplexer korrespondiert die Handlung nicht nur in bestimmten Ereignissen oder bestimmten Wendungen sondern auch in Stimmungen, gar in einzelnen Witzen. Letztere sind - bis auf die oben erw?hnten Sonderf?lle - weiterhin schon allein ein Grund, den Film zu sehen. Der Charakter, der Woody Allen am ?hnlichsten ist, b?ndelt als erkl?rter Liberaler mit einer Republikanerin an, die ihn dann fragt, ob er denn auch im Bett liberal sei. Er: "Im Bett bin ich linksliberal." Sie: "Ich werde im Bett eine Radikale."
16.7.05 20:15


Adbusters, vielleicht zum letzten Mal

Den uns?glichen Adbusters-Rundbrief anl??lich der Anschl?ge in London kommentiert scrupeda.
17.7.05 01:26


Amsterdam doesn't really rock ('cept for

Mu?te ich damit rechnen, beim Eintreffen in der Innenstadt nachts um zwei wirklich schon der Zusp?tkommer zu sein? Nur noch alle f?nf, sechs Stra?en waren Cl???bs auf mit Wichtigm?nnern davor und Bier ab 5 Euro aufw?rts. Auch keine kleinen L?den oder dergleichen, wo es etwas anderes als S??igkeiten gab. Auch diese waren ab 3 s?mtlich sloten.

Ich lief stundenlang zwischen den glattgewienerten Fressen von Klassenfahrtteilnehmern herum, bis ich mich irgendwann am Nationaldenkmal gegen?ber vom Dam Schlafen legte.

Da der amerikanische Buchladen erst um 10 aufmachte, ging ich eine Stunde fr?her zu Waterstone's, die mich mit folgenden Titeln auf dem "Headline Politics"-Tisch erwarteten:

Ben Mezrich "Ugly Americans" (Hedgefond-Bashing, Follow-up zu einem Buch ?ber geldverschleudernde College-Studenten), Niall Ferguson "The Colossus - Rise and Fall of the American Empire", Paul Robert "The End of Oil", William Blum "Killing Hope - US Military and CIA Interventions since World War II", Michael Moore "Will they ever trust us again?", Eliot Weinberger "What I heard about Iraq", Reza Aslan "No God but God" (Islamversteher-Buch, das damit beworben wird, das moslemische Verh?ltnis den Juden gegen?ber zu thematisieren, das aber doch nur den Dhimmi-Status zu einer humanistischen Leistung verkl?rt), Phil Rees "Dining with Terrorists" (eigentlich gute Idee: jemand besucht Terroristen in verschiedenen L?ndern, leider folgt aus seiner Aufbereitung der Gespr?che ein recht deutliches "Wer bombt, hat recht" - die Terroristen handeln aus sozialer Emp?rung usw.) - und nat?rlich die John-Kerry-Verherrlichung "Tour of Duty" von Douglas Brinkley ("...showing Kerry's way from war to peace")

Auch die nicht so offen schlimmen Titel pa?ten in ihrer Pr?sentation gut ins Bild: Mit der "Real Story of the Bush family", "Blair's Wars", "Bush's Brain" und dem einen oder anderen Said-Buch nahm das weltanschauliche Programm fast den gesamten Tisch ein, ohne auch nur einen wirklichen Dischord aufzuweisen.

Ich kann nicht wirklich behaupten, das American Book Center w?re der Gegenentwurf dazu gewesen, dennoch fanden sich hier viele der vermi?ten Abweichungen: mehr Wissenschaft, mehr Marxismus, mehr Soziologie und sogar das eine oder andere Neocon-Buch. Ich verwarf die zu teuren Ausgew?hlten Werke von EP Thompson und entschied mich schlie?lich f?r Lyndall Gordons Buch ?ber die famose Mary Wollstonecraft sowie eine Sammlung revolution?rer Pamphlete vom 18. Jahrhundert bis heute.



Dann beging ich einen Fehler. Da zu erwarten war, da? der Fu?weg zur Autobahn etwas dauern w?rde, kaufte ich mir f?r 2,50 in einem Coffee Shop eine T?te und setzte mich damit an einen der drau?en aufgestellten Tische. Ich begann, das Buch "M?ll, Natur und Zeit" von Gerd Gr?bler zu lesen, so da? ich erst nach einer Weile bemerkte, da? es nicht an den wirklich hirnverknotenden Gedankeng?ngen des Textes lag, da? ich mich wunderlich f?hlte. Ich war nach gerade drei knappen Z?gen v?llig mottendichte breit.

Ich h?rte auf zu rauchen und wartete, da? sich die Lage wieder normalisierte. Die Lage verleierte weiter. Nach zwei oder drei Jahren beschlo? ich, den kaum angerauchten Spliff den Leuten am Nachbartisch zu vermachen und lieber weiterzulaufen, bevor ich es ?berhaupt nicht schaffen w?rde.

Eine Weile funktionierte das gut, weil ich in meiner Vernebelung einfach vor mich hinlief - so wie urspr?nglich geplant. Irgendwann jedoch kamen Schmerzen auf und wurden schlimmer - die v?llig durchdrehende Durchblutung hatte meine H?morrhoiden so weit schwellen lassen, da? jeder Schritt das Gef?hl vermittelte, eine Rasierklinge steckte in meinem Hintern. Also setzte ich mich mal hierhin und mal dorthin, mu?te teilweise groteske Positionen einnehmen; bei den in gewissen Abst?nden unternommenen Gehversuchen m?chte ich mir gern zugesehen haben.

Nach unglaublichen Mengen dahingeronnener Zeit war es dennoch erst nachmittags um drei und ich hielt einen jungen Mann an, der... Oh, das ist schon der n?chste Eintrag. Schaffe ich heute aber nicht mehr, weil immer noch zu belatschert. Nu ja.
17.7.05 16:30


Das Ende der Geschichte

Die Mauern fielen, der Rausch war unbeschreiblich, alles pa?te zusammen und war eins - bis auf den pain in the ass , der von den geschwollenen H?morroiden herr?hrte, die wiederum Resultat der cannabis-gest?tzten Durchblutungsf?rderung waren (classless berichtete), der ich nunmehr mit dem Tetra-Pak Vitamin-C-haltigen Safts entgegenwirken wollte, der mir von dem freundlichen jungen Sonnenbrillentr?ger angeboten worden war, in dessen von Dopenebel erf?llten Auto ich gerade sa? und der schlechtes Reden ?ber die Deutschen bei aller Plausibilit?t mit dem Hinweis von sich schob, da? er zumeist in Deutschland sein Geld verdient. Ich mu?te nur den Amerikaner spielen, der auf dem Weg nach Berlin war, und schon redete er ?ber die Bewohner des leider immer noch existierenden Staates.

Auch der n?chste Mitnehmer, ein etwas ?lterer B?rohemdmann, meinte, er sei auf die Deutschen neidisch wegen ihrer hohen Effizienz. Ich sagte, den gr??ten Schrecken h?tten die Deutschen mittels ihres gr?ndlichen Zuendemachens verbreitet und "inefficiency is a value", worauf er vermutlich irgendwie reagiert hat, was ich aber wegen der immer noch unbeschreiblichen Bekifftheit nicht mehr mitbekam/noch wei?.

An der letzten Tankstelle vor der Grenze schlief ich zwei Stunden in der Fr?habendsonne und holte mir einen ansehnlichen Sonnenbrand an den Schultern - dann fuhr ein Pole nach Hause und ich schlief, bis ich in der Michendorf-Mitropa vor einem Teller Nudeln mit Pudeln sa?. (Gerade eben erst stelle ich fest, da? auf dem Bon wirklich Mitropa steht, das war eigentlich nur als Ambientevergleich gedacht, in Remineszenz an Wegeleben damals...)

Ich rollte den Schlafsack aus, tr?umte vermutlich aufregendes Zeug, was ich der Bekifftheit wegen aber schon beim Aufwachen nicht mehr wu?te - am Morgen fuhr mich ein Schichti zum Potsdamer Bahnhof, back to square one.

Und dann bekomme ich eine Mail, in der ich gefragt werde, ob ich immer gleich soviel Theorie und Verallgemeinerung am Start habe und nie einfach mal pl?tzlich stehen bleibe und denke: 'Boah, was f?r'n Baum!' Und ich stehe auf der Br?cke und denke: 'Boah, was f?r ein rotierendes Geglitzer die Sonne auf den Wellen des Kanals verursacht!' Schon einen Moment sp?ter denke ich: 'Boah, wie antisemitisch in der U-Bahn diskutiert wird!' Und bevor einer der beiden Gedanken zu irgendwas weiterem werden kann, denke ich: 'Boah, aus dem Geldautomaten kommt ja gar nichts mehr raus!' (letzte Woche noch consecutive 5 Euro) Und: 'In den S??igkeitenautomaten mu? aber unbedingt was rein!'
19.7.05 01:46


Mal ein Beispiel...

...f?r die im Zusammenhang mit Amsterdam erw?hnten Qualit?ten des Buches "M?ll, Natur und Zeit" von Gerd Gr?bler:

"Bestimmte Moden hat es in der Geschichte schon immer gegeben. Und auch die asketische Kritik der konsumistischen Einstellung hat die Kultur von jeher begleitet; denken wir etwa an Sokrates oder Diogenes, den wunschlos gl?cklichen Bewohner einer Einweggetr?nkeverpackung."

Weitere Beispiele werden ohne Zweifel folgen, denn etwa seine Ableitung des ?kologischen Diskurses aus dem Hygienediskurs und seine beharrliche Unterscheidung der Begriffe Bewegung und Ver?nderung passen mit dem aktuellen Thema der Informationsvermeidung sehr gut zusammen, welches Gegenstand meines n?chsten Jungle-World-Dossiers ist. Das Expos? sah so aus:

Die knappe Ressource der Informationswirtschaft ist nicht Information sondern Zeit.
W?hrend Informationen mit digitaler Technik beliebig h?ufig kopiert werden k?nnen, steigt auf der anderen Seite der Aufwand f?r die Auswertung enorm.
Auch wenn die Aufnahmef?higkeit der Rezipienten immer weiter steigt, besteht die notwendige Aufgabe angesichts der Datenflut dennoch in der Auswertung, nicht zuletzt im Verwerfen von Unmengen redundanter und ?berfl?ssiger Daten.
Diese wertende T?tigkeit ist das spezifisch Menschliche, das von den Maschinen nicht geleistet wird und in absehbarer Zukunft nicht geleistet werden kann.
Eine Strategie zur Aufwertung der - angesichts ihrer Bedeutung f?r die Gegenwart paradox marginalisierten - geistigen Produktion best?nde demnach nicht so sehr im allseits beschrittenen Weg der Anpassung an Technik und Verwertbarkeit, sondern im Beharren auf dem menschlichen-qualitativen M?glichkeiten von starker Empirie und tiefer Analyse einerseits und dem politischen Vertreten der eigenen Anspr?che andererseits.

"Was du nicht wei?t, macht dich nicht hei?. Es bringt dich um." (Woody Allen)

19.7.05 15:11


 [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung