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Rubrik Trampen

Trampen in Theorie und Praxis

Die kürzeren Touren der letzten Woche habe ich nicht im einzelnen gebloggt, aber hier noch mal der Schnelldurchlauf. Nach der GiG-Veranstaltung in Leipzig fuhr ich am nächsten Tag mit der Straßenbahn nach Grünau und trampte dann durch die Sonne nach Auerstedt, dem Austragungsort des Auerworld-Festivals. Bemerkenswert war ein älterer Mann mit Hund, der mich an der A9-Ausfahrt Naumburg auflas und, als ich mein Reiseziel angegeben hatte, sofort und übergangslos die geschichtliche Bedeutung der Schlacht von Auerstedt umriß. In schneller Folge sprach er dann von seiner frühzeitigen Ausreise aus der DDR, seinem Engagement an Unis im Westen und in den USA, seine Zeit auf einem israelischen Luftwaffenstützpunkt und seine flüchtige Bekanntschaft mit Protagonisten der Frankfurter Schule. Der Haken war, daß er zuviel auf einmal erzählen wollte und sich dabei verhedderte. Ich fragte hier und da nach, was ihn jedoch nur noch auf mehr Nebenschauplätze trieb.

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Auerworld: The New Telepathics, "Ihre Hypochondrie ist nur eingebildet, sie sind wirklich krank", "Was willstn am Feuer, ist doch nur heiße Luft"

Auf der Rücktour am Sonntag nach Berlin machte ich mir Gedanken zur Tramptheorie und fand Gefallen an meiner Wortschöpfung "ruptomobil". Das Problem am Trampen lokalisierte ich in der Überwindung der Ruptophobie der Autofahrer, die zwischen Start und Ziel der Reise (bei Paul Virillo zwischen Subjekt und Objekt) den Trajekt verdrängen würden, den es aber eben noch gibt, bis wir beamen können. Tramper stören also eine mühsam erlernte Routine.

Besonders Ruptophile können jedoch zur Falle für Tramper werden, da sie ständig rausfahren und Pause machen (wie zuletzt unser Lift von der Kanalfähre nach Bayern).

Nach Berlin fuhr dann ein Feuerkünstler aus Kreuzberg, der bei internationalen Festivals auftritt und eine lustige Mischung aus Hausbesetzer-Punk und kosmopolitischer Technophilie präsentierte. Er stellte sich zum Beispiel die Frage, wie er wohl damit umgehen wird, wenn sein Sohn demnächst anfangen sollte, Ketamin zu nehmen. Er empfahl uns das "Pyroporno" von Kain Karawan und dessen "Spiele mit Feuer" als alternativem Ansatz zum Brandschutz.

Dieses Wochenende nun fuhr ich abermals in dieselbe Richtung, machte auf dem Hinweg den Anfängerfehler, bei jemandem weiter mitzufahren, der abseits der Autobahn "nur noch schnell was abholen" wollte, was dann zwei Stunden dauerte, kam aber dennoch zur Prime Time zum Sommerfest in der Alten Feuerwache in Kromsdorf bei Weimar.

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Selbstgemachter Holunderschnaps mit Himbeerlimo, again and again, dazu das eine oder andere andere, Beschallung von Schleck & Stecker, später Gras im Gras und - ach nee, da wuchsen ja gar keine Pilze.

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Noch mal am Sonntag zurück nach Berlin: eine Sprachlehrerin, die Sprachreisen in den USA betreut und mir als Kontrast zu den unvermeidlichen Antiamerikanismen der Nacht eine große Freude war, brachte mich zum Hermsdorfer Kreuz, das bisher nicht zu meinen Lieblings-Trampstellen gehörte. Der Rasthof ist jedoch von einer schwedischen Kette übernommen worden, so daß sich die Preise fürs Essen fast halbiert haben und es allerlei Exotisches im Angebot gibt. Das scheint durchaus für mehr Betrieb zu sorgen, und die eigentliche Stelle zum Anhalten sah ja schon immer recht einladend aus:

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Manko bleibt, daß zuviele Fahrzeuge auf die A4 fahren und dennoch ein Schild nicht unbedingt helfen würde, da ja der bloße Sprung zum nächsten Rasthof in Osterfeld ausreichen würde. Schlußendlich wurde ich von einer Bulimikerin eingeladen, die von ihrem Vater gerade mit einem VW-Bus in die Schweiz gefahren worden war, und sich nun auf der Rückreise nach Berlin befand. Sie schwankte während der Fahrt zwischen klaren und bewegenden Aussagen über ihre Krankheit oder "Macke", wie sie das nannte, und Phasen, in denen sie sich entglitt und ihren Vater beschimpfte. Sie schien sich danach zu sehnen, aus Deutschland rauszukommen, weil sie der Meinung war, daß sie hier keine Chance bekommen würde, daß es zum Beispiel kaum Frauenfußball gäbe und erst recht keinen für Frauen wie sie. Sie beneidet die Christen, die "richtig denken" und statt der beständigen Zufuhr eines Suchtmittels sich mit ihrem Glauben genügen. In ihrer Darstellung wurde die Bulimie erst richtig schlimm, als sie ihren Glauben verloren hatte, als sie den Eindruck gewonnen hatte, daß ihre Gebete nicht erhört werden und sie schon als leichter Fall irreversibel aus der Gesellschaft ausgeschlossen blieb. "Mit Christen haben die Deutschen leichtes Spiel", sagte sie, "weil die Christen blöderweise vergeben."
25.7.06 12:35


Potsdam -> Leipzig

Wie zumeist geht es von Potsdam zügig los, der Mittzwanziger, der mich mitnimmt, nimmt jeden mit, denn Tramper sind gute Menschen, sagt er. Er hat ein Buch gelesen, in dem Amerika von einem Tramper kritisiert wird und seitdem hat er Hochachtung vor ihnen.

Am längsten fahre ich an diesem Tag mit einem Mann mit, der mich von der Auffahrt in Michendorf bis an die Abfahrt Großkugel auf die B6 liftet, von dem ich jedoch nur in Erinnerung behalten habe, daß er nach Bamberg weiterfahren wollte.

Wiederum ist es die letzte Kurzstrecke, die im Gedächtnis bleibt, eine Hallenserin, die nur den Stau auf der A9 umgehen will und mich gleich nach Leipzig rein fährt. Sie sagt, sie wäre auch gern vor der WM geflohen und führt allerlei Beispiele dafür an, wie sehr ihr das Schauspiel als lediglich vorgemachte Normalität erschien. Ich erzähle, weshalb ich in Leipzig bin, nämlich letztlich wegen meines reggaekritischen Textes. Sie sagt, daß ihr auch schon mal der Gedanke gekommen sei, daß sich Reggae sehr nach Christentum anhören würde. Sie hat einen Sohn, der Hip Hop hört und sie meint tatsächlich, daß es besser sei, wenn die Künstler offen sagen, daß sie kriminell sind oder sein wollen als wenn sie von religiösem Quatsch singen.
17.7.06 10:58


Deutschland - Italien

Das Vorfinalaus für Deutschland, uns bekanntgegeben von Heerscharen hupender Vespas am Notting Hill Gate, kam zeitgleich mit dem Versiegen der kostenlosen Übernachtungsmöglichkeiten in London. Wir fuhren also zum Abschluß mit Dockland-Bahn durch die aus der Nähe sehr spacige Geschäftsstadt im Hafen nach Lewisham, wo die A20 Richtung Dover beginnt.

Die Idee war grundsätzlich nicht verkehrt, da schon zahlreiche potentielle Kanalüberquerer, vor allem polnische Reisebusse zu sehen waren. Die Straße ist jedoch an diesem Punkt noch recht schmal und mit Baustellen und Bus Stops übersät. Wir mußten ein Stück laufen, bis wir eine Tankstelle fanden, an der wir dennoch als exotische Attraktion inmitten des Fußgängerstroms standen.

hitchhiking way out of london


Trotz der nicht abreißenden Versicherungen der Vorbeilaufenden, daß wir dort niemals wegkommen würden, dauerte es gerade mal eine Viertelstunde, bis eine auch für Londoner Verhältnisse ausgesucht freundliche Frau anhielt, die mit ihrer Tochter auf dem Weg über die M2 Richtung Canterbury fuhr.

Sie versicherte uns, daß nicht nur die M20 nach Dover führt und wir an beiden Autobahnen besser stehen würden als dort in der Stadt. Obwohl wir gar nicht lange mit ihr fuhren, nutzte sie die Zeit, um lauter Sachen zu sagen, die wir auf die Reise mitnehmen könnten. Das machte sie nicht mit diesem Vorsatz, aber ihre Ausführungen über die britische Sonderstellung qua Insellage, die Wichtigkeit der Debatte und den deutschen Untertanengeist begleiteten uns noch eine Weile.

Auch der nächste Fahrer, ein Italobrite im Lieferwagen, war sehr freundlich, wenngleich es ihn beim Thema "arbeiten müssen fürs Geld" etwas raustrug. Er brachte uns zurück an die M2, an eine Kreisverkehr-Auffahrt mit Raststätte, noch etwa 40 Meilen vor Dover.

06072006538


Hier wurde es etwas knifflig, da die Ausfahrt aus dem Kreisverkehr sehr zügig befahren wurde, worauf wir von der Autobahnpolizei auch hingewiesen wurden. Unüblicherweise gab uns der Polizist jedoch eine Viertelstunde, um dort wegzukommen, erst danach wollte er darauf bestehen, daß wir uns zur Raststätte begeben.

Das taten wir dann von ganz allein, da die für uns interessanten Autos ohnehin fast ausschließlich von dort kamen. Wir schafften es nicht jemanden zu finden, der uns mit über den Kanal nehmen konnte oder wollte, nur ein Belgier ließ uns ins Auto, wußte aber nicht, daß er durch den Tunnel niemanden mitnehmen darf.

Also reduzierten wir unsere Ambitionen auf einen Lift nach Dover und ein Fußgängetticket für die Fähre. Als dann doch ein zum Wohnmobil umgebauter VW-Transporter mit Siegener Kennzeichen vorbeifuhr und auf meinen Ausruf "Siegen" hin anhielt, waren wir kurz euphorisch.

Es stellte sich jedoch heraus, daß das Pärchen nur bis Calais fahren wollte und noch etwas später, als nach über einer Woche Sonne und Hitze dichter Nebel aufzog, daß es sich bei den beiden um deutsche Würstchen handelte, die uns erst auf dem Parkplatz neben ihrer Reiseagentur noch vor Dover offenbarten, daß sie ein auf sie beide festgelegtes Ticket für nach 23 Uhr hätten.

Leicht frustriert liefen in Richtung Fährhafen los, stellten uns aber noch einmal an eine Bushaltestelle direkt neben die überwiegend aus LKWs bestehende Blechlawine. Aus der zweiten Ampelphase hielt ein PKW mit einem eloquenten Kosmopoliten, der aus Belgien stammend nun in Frankreich wohnte, lange Zeit in London und in Köln gewohnt hatte und auf dem Weg zur Speed Ferry nach Boulogne war.

Er erzählte uns, wie er als Entschädigung für den freiwilligen Verzicht auf einen Platz in einem überbuchten Flugzeug in den Besitz eines weltweiten Jahrestickets von US Airways gelangt war und bewies seine Überredungskünste gleich noch mal praktisch, als er mittels eines Gesprächs über den Nebel uns beide kostenlos an der Ticketkontrolle vorbei auf die Fähre schleuste.

In der Warteschlange hatte die ganze Zeit schon ein Golf mit LDS-Kennzeichen gestanden, allerdings waren wir unsicher, ob wir wirklich mit einem Deutschen bis nach Hause fahren wollten. Auf der Fähre sprachen wir ihn dennoch an, er fuhr nach Sonneberg in Thüringen und verstaute uns - nach einer sicherlich verdächtig wirkenden Umbauaktion im Dunkel an einem Kreisverkehr außerhalb von Boulogne nachts um eins - in seinem Auto zwischen größeren Teilen seines Umzugs von Chichester nach Rosenheim.

Er arbeitete im Rahmen seiner Ausbildung bei Rolls Royce und war auf dem Weg zu den Eltern eines Studienkollegen, die in Sonneberg eine Holzfirma betreiben, um dort den Schlüssel für seine Wohnung in Rosenheim abzuholen.

Die Fahrt wurde trotz der netten Beschallung und der überwiegend entspannten Gespräche immer länger, da der noch sehr junge Fahrer etwas unterschätzt hatte, wieviel Schlaf er auf der Strecke brauchen würde. Die ersten beiden Päuschen waren noch nicht länger als eine halbe Stunde, dann fuhr er aber fast an jeder Tankstelle ran und schlief schließlich auf einem Parkplatz irgendwo zwischen Köln und Frankfurt bis zehn Uhr morgens.

So kam es, daß wir erst nach Mittag in Sonneberg eintrafen. Wir waren noch zusätzlich vom einsetzenden Wolkenbruch, Fahrschulenautos und Baustellenampeln aufgehalten worden, bekamen nun aber zur Belohnung von der im tiefsten Dialekt sprechenden Mutter des Studienkollegen pro Nase zwei Sonneberger Bratwürste vorgesetzt.

Wir erfuhren einiges übers Kleingewerbe früher und heute, dann wurden wir endlich zur geliebten A9 gebracht und standen gegen vier Uhr nachmittags in Pegnitz.



Mit einem Magdeburger kamen wir nach einiger Wartezeit bis nach Osterfeld (ich schlief endlich auch mal etwas). Dort waren untypisch wenige Berliner am Start, erst nach fast einer Stunde fanden wir einen Libanesen auf dem Weg nach Neukölln. Er hatte recht türkische und arabische Musik mit recht schmissigen Beats dabei und erzählte, daß er daheim auf dem Dach mit Blick aufs Mittelmeer schlafen könnte, obgleich die Mücken auch ihm den Spaß zuweilen verderben.
9.7.06 15:18


Deutschland - Argentinien

Nach meiner schnipsgummiartigen Flucht aus Spanien legte ich zum Ausgleich einen denkwürdig miesen Tramptag hin. Zunächst lag das einfach daran, daß ich es nicht mehr besonders eilig hatte und den Rasthof, an dem ich abgesetzt worden war, ausgiebig zum Essen und Herumlungern nutzte. Außerdem war ich wohl doch noch etwas zu weit vom Kanal entfernt, um mit meinem 'London'-Schild etwas reißen zu können.

Jedenfalls war es schon nachmittag, als ich von einem schon etwas älteren Australier und seinem Teenie-Sohn in ihrem langsamen Wohnwagen zumindest bis zur letzten Mautstelle vor Calais mitgenommen wurde. Sie waren zur WM in Deutschland gewesen und befanden sich nach dem unglücklichen Ausscheiden des australischen Teams gegen Italien auf der Rückreise via England. Allerdings wollten sie erst am nächsten Tag mit der Schnellfähre von Boulogne fahren und bis dahin noch die WM im Fernsehen verfolgen.

Der Vater erzählte, daß er noch als kleiner Junge in England in seiner jüdischen Familie aufgewachsen sei, die jedoch während des 'Blitz' nach Australien auswanderte. Erzeigte sich besorgt über das, was er in Deutschland an Nationalismus und Geschichtsverdrehung mitbekommen hatte. Offenbar hatte er die Diskussion nicht gescheut und damit auch das ganze Programm mitbekommen: es müsse ja mal Schluß sein, die Juden würden immer noch das große Geld machen und die Medien kontrollieren, die Deutschen würden sich endlich nichts mehr sagen lassen und durch die WM ja nun auch wieder populär genug sein dafür.

Er schilderte seine Ambivalenz bei der Reiseplanung in Deutschland, da er einerseits eine KZ-Gedenkstätte besuchen wollte, sich andererseits aber vor der Konfrontation fürchtete. Er warf die Frage auf, ob die beständige Erinnerung an den Holocaust nicht wirklich zu heftig sein könnte. Ich sagte, daß ich verstehen könnte, wenn er nicht mehr daran erinnert werden mag, daß das aber offenbar auch auf anderen Wegen geschieht. Die Antisemiten sollten jedoch nicht in dem Glauben gelassen werden, ihre Taten seien vergessen. Nicht umsonst streiten sie genau dafür. Das Gespräch endete vorzeitig, als ich an der peage abgesetzt wurde.

Optimale Stelle - ich nahm mir vor, bei niemandem einzusteigen, der nicht bis nach London fahren würde. Nach kurzer Zeit hielt ein litauischer LKW an, ich fragte, ob es nach London ginge, der Fahrer sagte ja und fuhr mich tatsächlich zur Einfahrt des Chunnels, wo er mich mit der Begründung rausließ, daß er aber niemanden mit hindurchnehmen dürfe.

Was ja auch sonst niemand darf, weshalb ich sehr sauer wurde und auf dem gesamten mehrstündigen Fußweg zur Autofähre wild vor mich hinfluchte.

Als ich am Fährhafen ankam, unternahm ich noch ein paar halbherzige Versuche, einen Lift zu bekommen, kaufte mir aber schließlich ein Foot passenger's ticket für 25€ und wurde beim Verlassen der Verkaufsstelle von zwei jungen Walisern gefragt, ob ich einen Lift bräuchte.

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Damage done, aber sie nahmen mich nach einer entspannten Überfahrt mit englischen Zeitungen und gutem Kaffee mit zur M25 (dem Londoner 'Donut'). Sie kamen von einer Europa-Rundreise und ließen The Lockup auf BBC Radio One laufen, wo allerlei Neues (z.B. Sonic Boom 6) und Älteres (wie etwa Snapcase) zu hören war.

Ich fühlte mich wieder wie zu Hause - keine Mücken, stattdessen Menschen, die mich verstehen und anständige Musik.
30.6.06 19:06


Brasilien - Ghana

Die Aufgabe: trotz der bekannten Inkompatibilität von Spanien und Trampen von Valencia nach London zu kommen. Vermutete Reisedauer: wenigstens zwei Tage in Spanien, danach ein bis zwei Tage für den Rest der Strecke.

Ich knobelte also einen möglichst guenstigen Startpunkt aus - die Raststätte Sagunt auf der A7 nördlich von Valencia - und nutzte die Kombination aus billigem Vorortzug und Google Map auf dem Handy, um dorthin zu gelangen, zum Schluß eine Stunde zu Fuß durch eine Orangenplantage.

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Die Hoffnung, mich mit diesem Rasthof bereits ans nichtspanische Publikum richten zu können, erwies sich als falsch. Zwar fuhren hin und wieder italienische, deutsche oder französische Autos vorbei, sie waren jedoch gering an Zahl und ausnahmslos vollgepackt. In vier Stunden hielten zwei Spanier, die beide nur wenige Kilometer weiter fuhren, und auch dann wurde es weird.

PKW mit Tarragona-Kennzeichen hält, Scheibe geht runter. Der Fahrer in moslemischem Gewand bemerkt an meinem wiederholten "Barcelona", daß ich wohl kein Spanisch spreche und fragt mich: "What is your problem?"

Ich antworte: "No problem, autostop." Irgendwie scheint ihm das Ganze nicht geheuer zu sein und auch überhaupt nicht vertraut, doch er nimmt mich mit. An der nächsten Abfahrt fährt er auf die Nationalstraße, die ich aus Gründen der Zeitersparnis hatte vermeiden wollen, und bringt mich innerhalb von vier langen Stunden bis kurz vor Tarragona. Er ist sehr lustig, aber auch etwas merkwürdig. Ständig macht er Geräusche beim Fahren und singt. Als ich ihn zu fragen versuche, ob sein Zielort vor oder nach Tarragona liegt, wiederholt er beide Ortsnamen über sicher eine Viertelstunde hinweg abwechselnd in Singsang.

Trotzdem schaffen wir es, uns zu unterhalten. Er stammt aus Pakistan, fährt seit fünf Jahren in Spanien Linien-LKW und hat einen Neffen in England (seine Suche nach dem genauen Ortsnamen ist wiederum eine Viertelstunde Singsang), der dort seit 15 Jahren als Computertechniker arbeitet. Jetzt ist er auf dem Weg zu seinem Bruder, mit dem er für drei Monate nach Pakistan fahren will. Deshalb tritt er immer, wenn mal gerade kein Stau ist, ordentlich drauf und singt bei den gewagtesten Ueberholmanövern besonders inbrünstig. Ich muß an die Nonne in den Filmen mit Louis de Funes denken.

Der Abwurf an einem Riesen-Vierspur-Betonkreuz, das nichtmals direkt auf die Autobahn führt, läßt jede Hoffnung auf schnelles Verlassen von Spanien schwinden. Ich laufe inmitten von hoppelnden Hasen durch eine Baustellen-Kraterlandschaft zur Zahlstelle an der Auffahrt, wo mich überraschenderweise (dieses Wort müßte in der Trampersprache, wenn es eine gäbe, Dutzende von Synonymen haben) augenblicklich ein älterer Herr aus Barcelona vor der Nacht im Nichts rettet und sogar in Aussicht stellt, mich noch zu einer zumindest grenzwertigen Uhrzeit an der Umgehungsautobahn um Barcelona abzusetzen.

Er kann Englisch, weil er es auffrischen mußte, um seine Tochter an der Business School in Leeds unterzubringen, wo sie gerade ihren Ph.D. gemacht hat. Eigentlich sein Leben lang Chemiker (unter anderem fuer Henkel in Deutschland), hatte er in den Sechzigern für sein Philosophiestudium eine Tramp-Feldforschung angestellt. Tagelang war er dieselbe Autobahnstrecke getrampt und hatte die Fahrer mit Fragen bezüglich ihres Glaubens konfrontiert, da ihn interessiert hatte, wie der Faschismus auf die Glaubensvorstellungen wirkte. Leider waren die Leute nicht sehr offen, was mich zu der nun natürlich viel zu spaeten Bemerkung veranlaßt, daß innerhalb von vierzig Kilometern selten solch ein Gespräch zustandekommt, nach zwei- oder dreihundert aber unabhängig vom Regierungssystem von ganz allein.

26062006438


Ich stand also noch vor Mitternacht an einem großen Rasthof bei Barcelona und entspannte mich. Gern wollte ich noch ein paar Minuten versuchen, ob ich vielleicht doch noch aus Spanien herauskommen wuerde. Ich trank einen Kaffee im Hotelrestaurant, dass anstelle einer Raststätte geoeffnet hatte, und stellte fest, daß die spanischen Kartoffelchips wirklich so gut sind, daß sie in einem Etablissement wie diesem problemlos angeboten werden können.

Es war schon dunkel, als ich auf der Suche nach einer günstigen Stelle an den parkenden LKWs vorbeilief. Obgleich auf der Autobahn noch viel los war, war der Rasthof relativ ausgestorben. Ich dachte darüber nach, mich direkt an die Fahrbahn zu stellen und verbrachte sicher eine Stunde mit dem von vorbeifahrender Polizei unterbrochenen Versuch, durch all die Zubringer und Verteilerspuren dorthin zu gelangen.

Irgendwann gab ich auf und ging zurück zum Rasthof, um an einer unbemerkten Stelle meinen Schlafsack auszurollen - was ich bisher auf dieser Tour noch nirgendwo getan habe.

Wirklich und echt das letzte Auto, das ich vorm Hinlegen noch anhalten wollte, das ich außerdem an einer dunklen Stelle des Rasthofs anzuhalten versuchte, hielt an. Der Fahrer versteht mich, als ich sage "Je vais a la France", und sagt: "I go to Holland."

Ich kann mein Glück überhaupt nicht fassen und wir lachen die erste Stunde der Fahrt die ganze Zeit. Er stammt aus Rumänien, lebt in Barcelona, will jetzt einen Freund aus Den Haag abholen. Er hat nicht vor zu schlafen und deutet an, daß er Koks oder Speed genommen hat. Also kloppt er die Nacht durch, schon bald erreichen wir den Ortsausgang von Antitrampistan.

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Er will mich zwar nicht schlafen lassen und fährt, wann immer ich einnicke sofort ran und kauft mir allerlei Koffein- und Zuckerhaltiges, als ich irgendwann gegen fünf bei Lyon einschlafe, läßt er mich aber. Als ich zwei Stunden später wieder aufwache, darf ich sogar die Navigation übernehmen und damit meine Ausgangsposition für den Sprung über den Kanal noch weiter optimieren. Schließlich läßt er mich gegen zehn Uhr nach Debatten über europäische Sprachen, Drogen, Sex in verschiedenen Ländern, Angeln und Geschichte - er streitet erbittert mit mir, daß Troia in Griechenland liegt - an einem malerischen französischen Tramperparadies 150 Kilometer vor Calais raus.

27062006442


Ich habe das Gefühl, nach dieser Teleportierung unter Jetlag zu leiden - allein der Temperatursturz von 30 Grad nachts in Barcelona auf 15 mittags in Nordfrankreich - und denke: Oh, mein Gott, ich brauche 3-Wetter-Taft!
28.6.06 18:32


Spanien - Saudi-Arabien

Die gleiche Stelle, von der aus ich auf der Hintour auch morgens im Berufsverkehr von Setubal in Richtung Algarve gut losgekommen war, erwies ich nun auf dem Weg nach Spanien als schlechter Startpunkt, da offenbar später am Tag beständig Autos dort parken, wo ich mich hinstellen wollte.

23062006371


Also nahm ich doch gleich die Ausfallstraße zur Autobahn, die schon in der Stadt sechsspurig von einer vielbefahrenen Kreuzung abgeht. Es dauerte also etwas, bis ich mitgenommen wurde, dann waren es jedoch zwei politisch engagierte junge Kerle aus Elvas, von denen der eine mein Melt-Banana-T-Shirt goutierte und der andere eben in Elvas einen Gerichtstermin hatte, zu dem er unbedingt total bekifft erscheinen mußte; danach jedoch wollten sie noch über die Grenze nach Badajoz fahren.

Wir hatten ein relativ konstruktives Gespräch über Israel. Es stellte sich heraus, daß ihnen selbst allerlei Zweifel an der traditionslinken Position zum Thema gekommen waren und sie deshalb auch auf anderslautende Argumente neugierig waren. Während des Gerichtstermins trank ich in einer Bar einen galao und ertappte mich dabei, wie ich für das gerade gegen Saudi-Arabien spielende spanische Fußballteam war, weil ich hoffte, daß nach günstigem Ausgang die Mitnahmebereitschaft vielleicht wenigstens etwas günstiger sein würde als bisher.

Der Fahrer berichtete mir - ich gab mich mal wieder als Brite aus - von seinen Erlebnissen mit Nazis in potsdam, die ihn dazu bewogen hatten, in Zukunft lieber einen Bogen um Deutschland zu machen. Die beiden setzten mich gegen 20 Uhr an einer ausgesucht guten und von ihnen bereits wiederholt erfolgreich benutzten Stelle ab, an der die Nationalstraße und die Autobahn von Badajoz nach Madrid zusammenlaufen. Ich war bekifft und stellte mir vor, wie Melt Banana "I gotta pee" und "See her pee" von Nofx covern und dazu ein pornographisches Video drehen.

Nach gerade einer halben Stunde hielt ein Spanier an - für mich mittlerweile ein Ereignis. Er erwies sich denn auch als recht untypisch, da er bereits viele Jahre im Ausland verbracht hatte, besonders in Holland, und viele Freunde von ihm in London arbeiten. Selbst arbeitete er beim Fernsehen und berichtete im Sommer von Rockfestivals in ganz Europa. Sein Autoradio spielte Temple Of The Dog, wovon besonders "I'm growin' hungry" meine breite Stimmung traf. Die Temperatur stieg trotz der späten Abendstunde noch mal von 35 auf 37 Grad.

23062006372


Nach langer Suche setzte er mich mehr als 70 Kilometer nach seiner Zielausfahrt an der ersten autobahnnahen Tankstelle südlich von Trujillo ab, auf dem Bild ist er wegfahrend zu sehen. Trotz der guten Intention war der Platz aber blöd - kaum Verkehr, dafür Polizei, die mich gleich darüber aufklären mußte, daß ich nicht auf der Autobahn herumlaufen sollte, dazu furchtbar eklige Insekten, die zwischen fünf und zehn Zentimeter groß waren und wie ungewöhnlich dicke Heuschrecken in Eiter- und Kotzfarben aussahen. Sie sprangen in Gruppen zu mehr als zehn wild in der Gegend herum.

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In Verbindung mit meinem Geisteszustand wuchsen sie sich zu einer erheblichen Einschränkung meines Wohlbefindens aus, so daß ich entgegen der nicht nett vorgetragenen wiederholten Aufforderung der Guardia Civil, nicht auf die Autobahn zu laufen, auf die Autobahn lief. Ich hatte sie fast erreicht, als zwischen mir und der ersten von der Fahrbahn gut einsehbaren Stelle ein Cluster von etwa zwanzig der ekligen Insekten um zwei überfahrene Exemplare herumsprang. Ich brachte es nicht fertig, mit meinen Sandalen durch dieses Gewusel zu laufen und brach in Zuckungen aus.

In diesem Moment jedoch hielt Pablo, der mich einfach von der Autobahn aus an der Ausfahrt hatte stehen sehen, auf dem Standstreifen an und hupte. Ich faßte mir ein Herz und rannte durch die Bugs hindurch. Belohnt wurde ich mit einem Ride bis 100 Kilometer vor Madrid - auch das trug aber nur mäßig zur tramptechnischen Rehabilitierung Spaniens bei, da Pablo die letzten sechs Monate in Portugal bei der dortigen Hälfte seiner Familie verbracht hatte. Wir hörten Musik von meinem Stecker und aus seinem mp3-Player (Def Con Dos, Cultura pro-base).

Er wollte mich wiederum günstig absetzen, nämlich gegen 23 Uhr an der Auffahrt von Talvera auf die Madrider Autobahn, jedoch kamen in dem Moment, in dem er dort anhielt, vier von der Grünen Polizei angelaufen und begannen, sein gesamtes Auto und auch meinen Rucksack nach Drogen zu durchsuchen. Sie hielten sogar meine Ohrstöpsel zunächst für Drogen. Danach wollten sie unbedingt, daß er mich an einer schlechteren Stelle absetzt, woraufhin er vorschlug, mich lieber mit zu sich nach Hause zu nehmen.

Also fuhren wir nach El Real de San Vincente, einen Ort von höchstens 5000 Einwohnern, in dem wir dennoch bis vier Uhr morgens von Kneipe zu Kneipe gehen konnten, in denen auch ordentlich der "Schokolade" zugesprochen wurde und zum Beispiel Los Delincuentos gespielt wurden, die in einem Lied eine Autodurchsuchung durch die Grüne Polizei behandeln. Der Refrain geht dann etwa: Da ist nichts, da ist nichts, wir haben nichts, das haben wir alles schon aufgeraucht.

24062006376


Auf dem Bild noch mal der Ort am Morgen, als ich wieder zur Autobahn an die schöne Stelle zurückgebracht wurde. Dort kam ich auch nach zwei Stunden mit einem sympathischen Ex-Knacki nach Madrid weg, nicht jedoch, ohne zuvor noch mal eine gründliche Rucksack-Inspektion von der Policia besorgt zu bekommen. Das ist ja wie zu Hause, verdammt.

24062006377
26.6.06 01:46


Togo - Schweiz

Kaum Spanien entkommen, trampte ich trotz Berufsverkehr (Setubal) und bloeden Stellen (erster Schatten ausserhalb von Alcacer do Sal, Weg zum nicht auftauchenden Schatten vor Grandola, direkt an der Schnellstrassenpiste hinter Grandola) entspannt in vier Stunden durchs portugiesische Gekroese. Nette Menschen sprachen Englisch und fuhren mich zum Schluss auch an gute Trampstellen, der Hobby-Archaeologe, dessen Auto auf dem Bild zu sehen ist, an die Auffahrt zur N-125 von Ferreiras nach Lagoa, der Marketing-Student aus dem internationalen Wohnheim in Lagoa dann sogar bis nach Carvoeiro vor die Tuer.

19062006350
22.6.06 13:24


Hitchhiker's Guide to Spain

Just don't do it. Really. You're only gonna end up shouting at seemingly deaf drivers and cursing every single Spanish person as probably all of them will have passed you by once you've made it through the country. Which is probably only gonna happen with lots of patience or with the help of public transport and foreign drivers.

And don't start complaining unless you know their language for they know only Spanish. Anyway, debates will soon have to touch the question for the general mindset and most likely they will do the rest of the excluding job by that.

Let it be. Skip it, press fast foward, and enjoy the neighbouring countries which by comparison look even more amazing. After a number of days of Spanish deprivation, hitchhiking in Portugal or France will turn you on again: people who talk to you, drivers who stop to take you to a good spot or who stop at all.
20.6.06 12:55


USA - Tschechien

Es war einfacher, als ich dachte, aus Lyon herauszukommen. Ich lief einfach von der Wohnung im Universitätsviertel auf die andere Flußseite, stellte mich an die erstbeste Auffahrt in Richtung Marseille und wurde von einem Sushibarkellner, der von seinen 12-Stunden-Tagen mal einen Tag freihatte, an einen Rasthof weit südlich der Stadt gebracht. Im nächsten Auto saß ein belgischer Programmierer, der ziellos in der Provence rumfuhr und mich am Rasthof Montélimar absetzte. Ein viel telefonierender Gewerbetreibender brachte mich bis nach Beziers-Montblanc, wo mich eine der vielleicht besten Trampstellen überhaupt erwartete.

12062006206

Eine großzügig geschwungene, entspannt befahrbare Ausfahrt, die schon am Nachmittag fast völlig im Schatten lag - gern wäre ich länger geblieben, aber der Lift direkt nach Barcelona war mir doch zu verlockend. Ein weiterer junger Programmierer war das, der eigentlich aus der Normandie stammt und in Frankreich gemeldet ist, aber lieber in Barcelona wohnt, was er mir denn auch unbedingt zeigen wollte. Damit rückte er aber erst raus, als ich - es war mittlerweile Abend - mich bereits in Valencia angekündigt und ein Red Bull getrunken hatte.

Ich ließ mir die Stadt zeigen, wurde bei einem Freund des Programmierers bekocht, betrunken und bekifft und spielte endlich mal etwas von meiner blöderweise nur auf USB-Stecker mitgebrachten Musik vor.

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Am frühen Nachmittag des nächsten Tages brachte mich mein Gastgeber ein Stück außerhalb Barcelonas, allerdings mußte er dafür zwei Zahlstellen durchqueren.

13062006220

Weiter ging's mit einem zynischen Marokkaner und einem bulgarischen Trucker, ich verschlief die Fahrt und machte nur ein paar Fotos von einigen der unzähligen Bauernhöfe, die immer noch genau wie römische aussehen und die Frage nach den angeblich verstrichenen 2000 Jahren aufkommen lassen. Von einer Wagenladung aufgedrehter Anzugträger wurde ich ins Stadtzentrum von Valencia, wo ich die Zielpeilung mit Handykamera bewerkstelligte: Foto vom Stadtplan, dann nach dem Foto gelaufen.

Der fünfte Tag auswärts, der wieder in Bett, Sattheit, Breitnis, Angetrunkensein und fast allseitigem Wohlbefinden endet.

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14.6.06 02:34


Mexiko - Iran

Nach dem Lift von der GPN zur Tankstelle Schauinsland bei Freiburg brauchte ich nur noch ein ganzes Auto voller Jungkommunisten, die mich mit Samplern wie "Class Pride Worldwide" oder auch einer vorzüglichen Benefiz-CD für den Schwarzen Kanal unterhielten und ueber die Nationalstrassen fuhren, um in Lyoner Zentrum bei ihnen nach einem guten Mahl und einer Tüte die Nacht zu verbringen.

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13.6.06 12:54


England - Paraguay

09062006178

GPN im Schnelldurchlauf: Katholiken beten, wenn das Essen dampfend auf dem Tisch steht; Konfuzius ist nicht nur autoritär, geschichtsrevisionistisch und antikommunistisch, sondern auch tramperfeindlich ("Es spielt keine Rolle, ob du dich langsam bewegst, solange du nicht anhältst"); die Geschlechterfrage in der Hackerszene ließe sich vielleicht unter dem Motto "Wo ist der De-Macker?" angehen; lustig, was die Befragten auf dem Radiocamp 2006 auf die Fragen "Was sind Hacker?" und "Was sind Haecksen?" antworteten.

11062006187
11.6.06 15:26


Deutschland - Costa Rica

Den deutschlandfahnenschwenkenden Kiddies in der Regionalbahn entronnen, nahm mich ein WM-kritisches und antinationales Pärchen in einem Transporter von der B2-Auffahrt am Potsdamer Hauptbahnhof bis an die Michendorfer Autobahnauffahrt mit. Auf ihre erste Frage, wo ich denn hinwolle, antwortete ich: Raus hier, und sie lachten. So wurde ich gleich ein paar meiner gestern noch bei der Naturfreundjugend eingesammelten Vorrundenaus-Aufkleber los.

Ein Nordhausener Bauunternehmer fuhr mich zum Rasthof Köckern, dort las mich in der schönsten Sonne, in der stehend ich jedoch von armen unter eben der Sonne leidenden Grünanlagenpflegern beäugt worden war, ein bekenntnisgetriebener Neokonservativer mit, der mir unbedingt klarmachen mußte, daß die 68er Revolution tot sei, sein Opa kein Verbrecher war und es eine Rückbesinnung auf preußische Tugenden geben müsse.

Der Eisenacher Bauunternehmer, der mich dann mitnahm, war weitaus weniger konservativ und fragte mich begierig über das Leben in Berlin aus, da er für eine Weile dort zu arbeiten haben wird. Ihn erfreute besonders die Aussicht auf internationale Szenarien in der Stadtmitte.

Bis nach Reinhardshain gab sich ein freikirchlicher Ex-Junkie alle Mühe, mich nicht zu bekehren, obwohlich ihn beständig löcherte, warum er mit seinem unleugbaren persönlichen Erweckungserlebnis auch die ganze Geschichte mitkaufen mußte.

Dann wurde es zur Abwechslung sehr lustig, da eine polnische Verkostungspromotorin über ihren Job, die Agenturen und die "Fußballidioten" Witze machte.

Von Wetterau gab es einen überraschenden Direktlift bis nach Karlsruhe, allerdings in einem Smart, mit dem der fahrende Abiturient erstaunlicherweise schon die ganze Strecke von Bremen zurückgelegt hatte. Er hörte schlechte Musik und mußte mich über kriminelle Ausländer informieren.

Kurz mußte noch mal mitten durch den Deutschlandfahnen-Mob, als ich in Karlsruhe zum Austragungsort der GPN lief. Dort war jedoch schnell klar, daß ich in einer fußballfreien Zone angekommen war. Für morgen wurde gar ein "Capture the flag" ausgerufen, dessen Inhalt man sich ja vorstellen kann.
10.6.06 03:06


Thale -> Quedlinburg

Wegen Erkältung und Regen hatte ich gar nicht vor zu trampen, dann war ich aber zu früh am Thalenser Musestieg-Bahnhof und lief eben doch zur ersten Stelle hinter dem zentralen Kreisverkehr an der 'Forelle'. Nach fünf Minuten dachte ich, gleich wird's eh wieder regnen und in der Bahn ist der Wind sicher auch nicht so heftig. Nach zehn Minuten hielt ein Auto mit Magdeburger Kennzeichen, was aber irreführend war: es gehörte der Schwester des Fahrers, er selbst wollte eigentlich nicht mal über die Stadtgrenze hinaus, fuhr mich dennoch nach Quedlinburg.

Der punkige Sound aus dem Autoradio stellte sich als Nicht-Nazi-Musik heraus, die Kurzhaarfrisur des Fahrers war einst ein Iro gewesen; nach seinen eingestreuten Schilderungen über von Nazis verkloppte Kumpel von ihm scheint der Schritt zur Rasur vor allem aus Angst erfolgt zu sein.

Er bestätigt meinen Eindruck, daß es mit den Nazis in der Gegend zwar bei weitem nicht so schlimm sei wie bis Mitte der Neunziger, es zuletzt jedoch wieder bedrohlich zugenommen habe. Die Antifa mag er aber nicht so: "Was die so für Vorstellungen haben..."

Er setzt mich am Bahnhof raus, ich sehe einen sich schwärzenden Himmel, aber auch eine 32 Minuten in der Zukunft liegende Abfahrtszeit, also laufe ich bis dahin, wo sonst der recht langgestreckte und entsprechend günstige Ortsausgang von Quedlinburg anfängt. Allerdings wird dort gebaut und es stehen lange Autoschlangen in alle Richtungen. Neben einem Halteverbotsschild schaffe ich es zwar, wenigstens zwei Ascherslebener anzuhalten, dann laß ich's aber mit der Aussicht auf die bald bevorstehende Tramptour nach Portugal doch sein und kapituliere feige vor der Bahn.
2.6.06 17:52


Wattenscheid -> Berlin-Grünau

Ich habe es wirklich geschafft, mit drei schnellen Autos auf dem Rückweg aus dem tiefen Westen länger unterwegs zu sein als mit sieben eher langsamen bei der Anfahrt. Wo die Zeit geblieben ist, weiß ich auch nicht so genau. Ich bin mit der Regionalbahn an eine hoffnungslos aussehende Tanke an der Inner-Ruhr-Autobahn A40 herangefahren, durch den Regen hingelaufen und wurde dort nach zwei Eingeborenen, die mir zu die Aussichtslosigkeit meines Vorhabens verstehen gaben, von einem jungen Russen mitgenommen, der mich mit erfreulich nicht-ethnisiertem russischsprachigen Pop unterhielt.

Zunächst wollte er direkt über die A1 nach Hamburg fahren, hätte mich also noch nichtmal ganz aus dem Pott rausgeschafft, dann rief er jedoch rechtzeitig einen Kumpel in Hannover an, fragte ihn, wie es ihm geht und erklärte, daß er mich nach Hannover bringen würde. Also gab es bei zügigem Tempo vor allem die Produktionen des Labels BH Records (auszusprechen erst englisch, dann russisch) zu belauschen, unterbrochen von gelegentlichen Telefonaten des Fahrers mit seiner Freundin (er sagte minutenlang nur "Was?" oder "Warum?" im Wechsel).


Der Raststättenplan am Rasthof Garbsen

Vom Rasthof Garbsen wurde ich von einem Bernburger mitgenommen, der mir sagte, daß er mich eigentlich gar nicht mitnehmen wollte, weil er ja nicht wisse so mit Anhaltern und so. Dann sagte er nichts mehr und ich schlief bis zum Rasthof Börde vor Magdeburg.


Die 'konkret' im Zeitschriftenregal am Rasthof Börde

Zu guter letzt wurde ich von einem auf 70er-Rockdinosaurier abfahrenden etwas älteren Ehepaar extrem schnell nach Berlin gefahren ("Und Sie rauchen eher ma ne Tüte?"), dennoch war es schon spät geworden, weil irgendwo Zeit aus meiner Tasche gefallen ist oder jemand die Raumzeit verbogen hat.
27.5.06 22:07


Essen-Süd -> Köln

Was für ein Unterschied zu gestern: ich latsche einfach ein Stück aus der Stadt und stelle mich an eine halbtaugliche Stelle an einer vierspurigen Straße mit Halteverbot; es dauert keine zehn Minuten und ein jordanischer Fahrer fürs Malteser Hilfswerk hält mit seinem Transporter an und fährt nach Köln. Er hält Berlin und Madrid für die besten Städte überhaupt, fand aber Berlin kurz nach 1990 netter, hatte damals auch eine Frau aus Buch geheiratet. Dann fiel ihm aber auf, daß die Leute im Osten zu viel planen.

In der kleinen Prise Stau am Leverkusener Kreuz schildert er die nervigen Sicherheitsprozeduren an den deutschen Flughäfen und erklärt die Polizei zum eigentlichen Sicherheitsproblem.

Wir rollten nach Köln hinein, er telefonierte mit einem Landsmann und Geschäftspartner, lachte mindestens zwei Minuten über einen Witz, den ich in seiner Nacherzählung nicht verstand. Irgendwann beschloß ich, in Ermangelung genauerer Ortskenntnis an der nächsten Bahnhaltestelle auszusteigen. Als nichts in Sicht kam und der Fahrer meinte, er wäre jetzt völlig orientierungslos, stand plötzlich Vogelsanger Straße auf einem Straßenschild - die Straße, in der der CCC Köln logiert.
25.5.06 02:59


Potsdam Hauptbahnhof -> Dortmund

Mehr als zwei Monate nicht zu trampen, scheint sich sogleich auf die Performance auszuwirken. Für die verhältnismäßig kurze Strecke benötigte ich mit dem Sofortlift nach Michendorf, einem sich ungefragt positiv über Polen äußernden Thüringer ADAC-Trucker, einem altlinken Lehrer, einem flammenden Verteidiger der Mitfahrzentrale, einem türkenhassenden ostpreußischen Pferdehalter, einem über die Religion der Ware redenden Mitarbeiter bei einem Server-Supportdienst namens surfirgendwas und einer türkischstämmigen Lehrerin insgesamt sieben Autos und ebensoviele Stunden.

An der Ausfahrt des Rasthofes Buckautal an der A2 entdeckte ich diesen freundlichen Hinweis:

24.5.06 12:43


Rasthof Michendorf -> Magdeburg

Im Verlaufe einer Stunde hielt ich acht Autos an, die Richtung Leipzig fuhren und sogar zwei(!) auf dem Weg nach Hamburg, erst dann machte ein Endzwanziger Musik-Skin eine sinnlose Panikbremsung, blieb mitten auf der Straße stehen, um mich an seinem (vermutlich über die Mitfahrzentrale besogten) Beifahrer vorbei ins Innere seines kleinen Autos zu lassen, in dem der CD-Player dabei versagte, alten Ska zu spielen. Trotz mehrerer Anläufe gelang es mir nicht, ein Gespräch auszulösen, weshalb ich nicht mehr erfuhr, als daß der Fahrer in Magdeburg "eine Freundin besuchen" und sein Mitfahrer "arbeiten" würde.

Das war alles so aufregend, daß ich mich lieber in den Zug nach Thale setzte und darin ein wenig auf meinem Notebook herumklimperte.
3.3.06 17:39


Dresden-Neustadt -> Berlin-Grünau

Wenn an der Regionalbus- und Scheinersatzverkehr-Haltestelle am Bahnhof Neustadt doch mal gr??ere Mengen LKWs an mir vorbeifahren und es au?erdem ausnahmsweise mal l?nger als zehn Minuten dauert, bis ich dort mitgenommen werde, ist es in der Abgaswolke, die nach Raps mit Curry riecht, kaum auszuhalten. Gegen die ins Gesicht scheinende Sonne, die in Dresden auch eher selten ist, half hingegen mein ?berdimensionales 'Berlin'-Schild.

Ich wurde von einem Juristen in einem Peugeot-Zweisitzer nach Berlin gefahren, der mich in ein recht sprunghaftes Gespr?ch ?ber verschiedene Aspekte von Geschichte und Politik verwickelte, in dem er als "Vierteljude" Partei f?r die Pal?stinenser ergriff, andererseits ?ber den arabischen Antisemitismus schimpfte. Dazu wurden weitere Unmengen von Themen abgehandelt, oft im Minutentakt.

Zum Beispiel sprach er sich gegen Religionen allgemein aus, um mir dann seine zu pr?sentieren. Er habe n?mlich seinen eigenen Gott, der nicht so ?belgelaunt und neurotisch sei wie die anderen. Er leite diesen Gott aus den Berichten von Nahtoderfahrungen ab, in denen gar kein Gericht auftauchen w?rde, sondern nur eine Art Me?ger?t, das die angeh?ufte Menge an Liebe und Wissen erfassen w?rde. Leider sagte er nicht, was auf der Grundlage dieser Messung dann geschehen w?rde, weil er schon wieder bei "Fundamentalisten aller Religionen", bei der katholischen Kirche im besonderen und kurz darauf bei den positiven Aspekten des Buddhismus, der ja keine Religion sei, angekommen war.

Meine Versuche, dieses Content Dropping zu bremsen oder anzuhalten, indem ich etwa darauf hinwies, da? auch die Buddhisten ohne Gottesbegriff eine feudale Priesterherrschaft etabliert haben, waren relativ fruchtlos. So dozierte er weiter im Galopp, bis er auf der Zielgeraden vorm S-Bahnhof Gr?nau noch den bevorstehenden Krieg gegen den Iran verurteilte, da man Demokratie nicht erzwingen k?nne.
15.2.06 12:34


Berlin-Schöneweide -> Dresden-Wilder Mann

Mal wieder eine kleine T?tlichkeit. Ein Fahrer eines Lieferwagens war der Ansicht, da? ich dort, wo ich stand, "auf der Stra?e" stehen w?rde, was er mir jedoch erst mitteilte, nachdem er mich beim Ausfahren aus der Tankstelle mit seinem Fahrzeug angerempelt hatte, ich, um nicht umzufallen, kurz sein eben dieses sein Fahrzeug anfa?te, dabei einen Plonk-Laut verursachte und er sichtbar aufgebracht aus diesem seinem Fahrzeug ausgestiegen war, um mir eben jenes mitzuteilen, n?mlich seine durchaus kontroverse Auffassung dar?ber, wo die "Stra?e" beginnt und aufh?rt, erg?nzt um die waghalsige Prognose, da? ich sein "Fahrzeug nicht noch mal anfassen" w?rde. Als er nun aber daran ging, mich anzufassen und ich ihn v?llig richtig darauf hinwies, da? er gern vor sch?tzungsweise f?nf Zeugen der versuchten K?rperverletzung noch eine richtige hinzuf?gen k?nnte, nahm die ganze Sache eine Wendung ins Repetitive. Ich h?tte "auf der Stra?e" gestanden und doch eben kein "Recht", sein "Fahrzeug" anzufassen. Konkret wies er dann mit seinem linken Handschuh auf eine Stelle, an der der Fu?weg in ein Beet ?berging, und dekretierte: "Dort hast du zu stehen." Aber irgendwie schien ihn das nicht mehr gl?cklich zu machen, denn ich stand ja nicht dort und sagte einfach nur: "Nein."

Die Pirnaerin (oder Pirnenserin?) mit ihren zwei schlafenden Kleinkindern, eins auf dem Beifahrersitz, eins auf der R?ckbank neben mir, die mich alsbald nach Dresden fuhr, bemerkte zum Fahrzeugmann, da? "so jemand wohl nicht gl?cklich sein wird", und wir plauderten ?ber die A17 und ihr F?r (sie ist zu Hause, bevor die Kinder schreien) und Wider (der Zschonergrund). Sie bem?ngelte, wie noch immer konservativer Dresden und Umgebung werden w?rden, lokalpatriotisch und "bayerisch"; sie beschrieb die Neustadt als Insel; sie machte sich dar?ber lustig, da? in Dresden alle mit Outdoor-Klamotten, Outdoor-Rucks?cken und Outdoor-Schuhen herumlaufen w?rden: "Die sind alle nur noch am Surviven." Sonst wurde ich unaufdringlich ein bi?chen ausgefragt ?ber Demonstrationsrecht, meinen Weggang aus Dresden und die verschiedenen Konzentrationen von "Stadtneurotikern" in den verschiedenen Berliner Stadtbezirken. So gelangte ich gutgelaunt am Dresdner World Trade Center an und setzte mich ins Bibliotheks-Caf?.
11.2.06 01:04


Gute Woche: Turbo-Trampen, triftige Talks, Torsun trinkt

Angesichts der Temperaturen aktivierte ich letzten Sonntag auf dem Weg aus dem Potsdamer Hauptbahnhof zur B2 den Turbo an meinem Daumen, so da? noch w?hrend ein ?lterer Mann mich freundlich dar?ber belehrte, da? es an dieser Stelle "nichts bringt", das Auto zum Michendorfer Rasthof (die Anschlu?stelle wird immer noch umgebaut) anhielt, wo wiederum der erste Vorbeifahrende an der Ausfahrt die Beifahrert?r ?ffnete. Ehemaliger Dresdner auf dem Weg nach N?rnberg, womit ich schon fast in Jena angekommen war. Er lernte das von mir so verehrte az conni erst ab 2000 kennen und hatte jetzt einige nicht so erfreuliche Dinge ?ber Identit?ts-Antideutsche in Dresden zu berichten. Ich nahm das Vorhaben mit, einen Sampler mit "Conni Classics" zusammenzustellen (demn?chst beim Esel?) und im Februar in Dresden genauer hinzuh?ren.

Die Kurzstrecke nach Jena ging dann sehr flott, so da? ich insgesamt vier Stunden von Haust?r zu Haust?r gebraucht hatte und von den -15?C kaum etwas bemerkt hatte.

Die beiden Tage in Jena bescherten einen neuen Hit - "Kabelfreaks" von Bodenst?ndig 2000 -, l?ngere Gespr?che ?ber den Nutzen der Raumfahrt f?r die Umwelt, sowie eine neue (Beta-)Version von "Mass History" - Verherrlichung von Babylon, gebastelt von Timbou, gesungen von mir.

Wieder nur 5 Stunden brauchte ich am Mittwoch von Jena nach Karlsruhe (Auffahrt Lobeda - Eichelborn - Wetterau - Gr?fenhausen - Bruchsal - Ausfahrt Durlach), wo mich ein langer Disput ?ber das Selbst und kybernetische Beschreibung von Gesellschaft erwartete, am n?chsten Tag gefolgt von einem Besuch bei Radio Querfunk, wo Neingeist mit mir eine Sendung ?ber Entschw?rungstheorie (90 MB mp3) aufnahm. Sp?ter ?bersch?ttete uns mit Manuel mit neuem Breakcore und anderen Electronica.

Am Freitag wurde ich in 7 Stunden von Karlsruhe nach Hamburg gebeamt (Auffahrt Durlach - Hardtwald - Wetterau - Seesen - Hamburg) und traf zwischendurch auf einen Bewohner von Thales Nachbardorf Timmenrode, der einst von unserem Hausnachbarn in Mathe unterrichtet wurde. Dieser Polier d?rfte der erste Ostler sein, der jemals mit mir ein Gespr?ch ?ber Israel angefangen hat und dabei zugunsten Israels argumentierte. Belesen wie es DDR-Arbeiter zuweilen sind, war er ?ber linken Antisemitismus verbl?ffend gut unterrichtet und diskutierte mit mir ausgiebig ?ber meine vergleichende Betrachtung von Oktoberrevolutions-Geschichten. Nice.

Hamburg wurde zum Urlaub im Urlaub - scrupeda war von Berlin aus immerhin eine Stunde vor mir eingetroffen, wir quartierten uns f?rs Wochenende beim wundervollen Peter Lau (brand eins) ein, wo wir in Comics, Musik und Wohlbefinden badeten.

Samstag abend erreichten wir zu sp?t die Schilleroper, wo drinnen Torsun seine lang angek?ndigte Trink-Lesung abhielt, aber bereits Einla?stopp verh?ngt war. Wir ?berlegten, da? Torsun eigentlich daran gedacht haben m??te, sein Handy auszumachen, als er auf die B?hne ging. Dann dachten wir uns, hey, es ist Torsun und ich rief ihn an.

So bekamen wir zumindest die letzten Minuten noch zu sehen und es war eigentlich wie immer: Torsun trank (Korn aus dem Auschenbecher), redete lustiges Zeug und kippte irgendwann um. Zum Schlu? bedankte er sich beim Publikum, zu so einem "ekligen Event" gekommen zu sein und meinte: "Ich w?r nicht hingegangen."

Gestern (Sonntag) ging es zur?ck von Hamburg nach Berlin, mit dem Umweg ?ber Potsdam, wo sich Uwe Topper im Geschichtssalon brilliant am Kalenderstein von Ravenna abarbeitete. Vorher hatten wir jedoch erschreckt feststellen m?ssen, da? der legend?re Horner Kreisel, eine der komfortabelsten und zuverl?ssigsten Trampstellen ?berhaupt, durch Bauma?nahmen tramperfeindlich begradigt worden ist (wie zuvor in den Neunzigern schon etwa Dreilinden auf der Avus). Wir mu?ten zwar trotzdem nur etwa 20 Minuten auf einen Lift warten, der Reiz am Horner Kreisel bestand aber bisher durchaus darin, da? auch Autofahrer, die keine Auffahrunf?lle provozieren wollten, entspannt anhalten konnten. Vielleicht sollte dem Problem nicht mit einer Petition, sondern eher der Fahrbahnmarkierung mit einem Eimer wei?er Farbe begegnet werden. Ebenso wie die DDR-Tramperversicherung wohl nicht mit Antichambrieren bei nostalgischen Linksparteilern zur?ckgebracht werden wird, sondern eher von den Versicherungen direkt verlangt werden mu?. Wobei das mit der Farbe wohl wesentlich realistischer sein d?rfte.

30.1.06 12:30


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