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Rubrik Gegen Geschichte

Geh zurück in dein Buch

Juden als schlechter Traum der Antisemiten - so sieht es aus, wenn Buchstabengläubige anderen unterstellen, in einem Buch zu leben bzw. aus ihm zu kommen:

>>... Und jetzt fängt alles wieder an. Aber eigentlich war dies von Anfang an absehbar, wie eines der bizarrsten Interviews, die damals [beim letzten Libanon-Krieg, VR] übertragen wurden, deutlich zeigte: Ein israelischer Reporter unterhielt sich über den Grenzstreifen mit einem Hizbullah-Kämpfer. «Ihr seid aus der Geschichte», erklärte der dem Reporter: «ihr seid aus diesem Buch - wie heisst es doch gleich noch mal, ach ja, die Bibel. Geht dahin zurück.» Der israelische Reporter versuchte dem Hizbullah-Kämpfer zu erklären, dass es ausser der geschichtslosen Geschichte auch ein Hier und Jetzt gebe: «Aber nun können wir in Frieden leben, ihr in Libanon und wir in Israel.» Worauf der Hizbullah-Mann nur lächelte: «Israel existiert nur in eueren Köpfen, das gesamte Land gehört uns.» Dieses Gespräch wurde im freundlichsten Ton geführt...<<

(via Volker Radke)
18.7.06 21:52


The Da Vinci Code / Sakrileg (Film)

Nachdem ich die massenhafte begeisterte Rezeption der Verschwörungsliteratur des US-Autors Dan Brown bereits in meine Überlegungen zur Entschwörungstheorie eingebaut hatte, um an ihnen die für Verschwörungstheorien charakteristische Konstruktion eines Eigentlichen gegen ein Abstraktes - im Falle von "Sakrileg" also der wirklichen königlichen Blutlinie statt der metaphorischen Herrschaft Christi - aufzuzeigen, hielt ich es für angebracht, mir auch den dazugehörigen aktuellen Blockbuster anzuschauen.

Das wenige Gute vorweg: die reichlich zwei Stunden gehen schnell vorüber, Audrey Tatou hat trotz ihrer überladenen Rolle als letzter Nachfahrin von Jesus die eine oder andere Pointe,

Abgesehen davon ist der Film nicht nur unbeschreiblich platt und vorhersehbar, sondern erscheint mir auch kreuzgefährlich (sic!). Denn die Frontstellung des Eigentlichen gegen das Abstrakte ist viel offener antisemitisch konnotiert, als ich angenommen hatte. Sehr klar stehen sich Natürlichkeit und Künstlichkeit schon dadurch gegenüber, daß die Selbstgeißelung des tötenden Opus-Dei-Adepten, der hier auch noch völlig blödsinnig als Mönch bezeichnet wird, als reine Perversion funktioniert. Er ist als Albino völlig überzeichnet und vereinigt als einziger offen Nichtgesunder und als williges Werkzeug der Verschwörung klassische Stereotypen in sich.

Zur Tötungsabsicht heißt es denn auch: "Sie wollen ihn töten, wie sie Jesus getötet haben." Überhaupt wird in den geschichtlichen Rückblicken einiges an Relativierung ausgepackt: "Der Hexenhammer war das blutrünsigste Traktat in der Geschichte der Menschheit." 50000 getötete vermeintliche Hexen werden genannt, mit dem bezeichnenden Nachsatz: "... manche reden von Millionen."

Der von Tom Hanks zur reinen Karikatur reduzierte Symbologe, der mit Audrey Tatou auf der Suche nach dem Gral, also dem Beweis der königlichen Abstammungslinie, herumhetzt, kann für einen Mann seines Fachs auf ein Symbol angesprochen verblüffend schnell sagen: "Das hat keine Bedeutung." Was jedoch für ihn Bedeutungen sind, führt er eingangs in einem Power Point-Vortrag aus. Er präsentiert seinem Publikum Bildausschnitte, die ein bestimmtes Symbol erkennen lassen, um dann beim Herauszoomen ein Gesamtbild mit einer anderen Bedeutung zu zeigen. Die ersten beiden Beispiele sind die Teufelsforke, die sich als Poseidons Dreizack entpuppt, und eine vermeintliche Jesus- und Maria-Szene, die eigentlich Isis und Osiris zeigt. In beiden Fällen gibt es eine "ursprüngliche" Bedeutung des Symbols, die für den Symbologen hier auch explizit die wahre Bedeutung ist, während die verfälschte durch den jüdisch-christlichen Kontext entsteht.

Das dritte Beispiel, das nicht mehr direkt kommentiert wird, sondern nur groß im Hintergrund zu sehen ist, bildet das Hakenkreuz in der Verwendung durch die Nazis, dann in seiner "ursprünglichen" Bedeutung als indisches Swastika. In dieser vorgeführten Reihe wurden wir also irregeführt, es als Nazi-Symbol zu sehen, was es ja "eigentlich" nicht ist. Hier handelt es sich um einen wohlbekannten Taschenspielertrick von Antisemiten, die dafür werben wollen, das Symbol wieder überall zeigen zu dürfen, typisch etwa (Achtung, Naziseite) so.



Die "Entschlüsselungen" im weiteren Verlauf des Films sind ähnlich unterkomplex, Anagramme gelten bereits als Codes und immer müssen die Buchstaben zurück ins Glied, um wieder den "ursprünglichen" Sinn zu ergeben. Ein Teppich auf einer Klappe ist der Schutz für die zweitausend Jahre alte Bibliothek der "Gralsdokumente", die dort in einem feuchten englischen Keller gelagert werden.

"Historiker-Porno" nannte scrupeda diese Filmsequenz: in Regalen mit Aufschriften wie "8-54 AD" geordnet, aber nicht von Archivaren weggeschlossen, liegt dort die Aufzeichnung der einzig relevanten Königsfamilie griffbereit herum. So hätten sie es gern. Gralsforscher Teabing darf denn auch lange vorher schon ausrufen: "Die Geschichte war hinter Glas - jetzt leben wir die Geschichte!" (In punkto Implikationen auch nicht schlecht: "Niemand haßt die Geschichte, man haßt nur seine eigene Geschichte.")

Unterdessen wird die potentielle Königin, die letzte Vertreterin der Jesus-Dynastie, jedoch immer farbloser. Anfänglich wird ihr für eine Frau verwirrend viel Intelligenz zugeschrieben, der Symbologe sagt: "Ich habe noch nie eine Frau getroffen, die so viel von Verschlüsselung versteht." Dafür bekommt er weder eine gefeuert noch einen Kommentar. Doch nachdem der Spuk aufgeklärt ist und klar wird, daß sie nur wegen der Anleitung ihres Großvaters soviel darüber weiß, um später die Schlüssel richtig anwenden zu können, wird sie fast vollständig wieder zum dummen Muttchen, daß hin und wieder eine kindlich-launige Bemerkung machen darf. Zum Frauenbild fällt auch auf, daß alle befreite Weiblichkeit die Bruderschaft von Sion dennoch Wert darauf legen läßt, daß Maria Magdalena königlichen Blutes war und keinesfalls eine Prostituierte - als solche ist sie nur von den Katholiken verunglimpft worden, "das arme Ding." Vielsagend, daß die abstrakte Gottheit, der Menschengott Jesus, Maria Magdalena auch als Hure akzeptierte.

Pierre Plantard entwarf die zugrundliegende Verschwörungslegende in den Sechzigern als Mittel zur Reinigung der katholischen Kirche vom jüdisch-antichristlichen Einfluß, der nicht nur von ihm im Zweiten Vatikanischen Konzil als manifest angesehen wurde.



In gewisser Weise ist Plantards Theorie eine antisemitische Rettung durch die Kassierung einer anderen katholischen antisemitischen Verschwörungstheorie, die von ihm als Irreführung angesehen wurde, nämlich der von den "jüdischen" Templern. Diese hatten in der Auffassung unzähliger katholischer Laien nämlich die Kreuzzüge mißbraucht (in manchen Fassungen sogar angezettelt), um sich in Palästina zu bereichern und ihre Templerbank zu begründen.

Die Staatsaktion gegen den Templerorden 1307 wurde nach dieser Logik als gerechtfertigtes Pogrom angesehen. Plantard widerspricht dieser Geschichte, indem er die Templer und Prieuré de Sion zu Wächtern eines in Palästina geretteten Reliktes macht, was ihre Verfolger in ein völlig anderes Licht rückt.

"The Pope as Antichrist riding the Beast of the Apocalypse." Artist unknown. From Fierie Tryall of God's Saints (1611). The Folger Shakespeare Library.

Gleichzeitig zielt Plantards Revision jedoch ins "jüdische" Herz der christlichen Kirche, nämlich auf die Verehrung einer Abstraktion, eines übermenschlichen Göttlichen und einer metaphorischen Herrschaft. Dagegen setzt er - wie auch Buch und Film von Dan Brown - eine ganz im lutheranischen Sinn "menschlichere", "sinnlichere" Religion, einen Lebenskult gegen den vermeintlichen Todeskult, ein gesundes neuheidnisches Konkretes, um die jüdisch-christliche Selbstkontrolle und Abstraktion wieder loszuwerden. Von der katholischen Marienverehrung ist vielleicht auch deshalb nichts zu sehen und zu hören, denn sie würde die Ähnlichkeit zwischen der als frei bezeichneten Ursprünglichkeit des empfangenden Weiblichen als "Kelch" und dem katholischen Mutter-Ideal augenfällig machen. Befleckt oder unbefleckt, zentral bleibt die Empfängnis.



Daß ein derart fundamentaler Angriff auf die Vermittlung mit derart plumpen Mitteln funktionieren kann, weist darauf hin, wie groß die Gefahr massenhafter Verbreitung von Verschwörungstheorien derzeit ist. Daß vieles in Buch und Film keinen rechten Sinn ergibt, daß die Rätsel alle sehr ähnliche Lösungen haben, daß Opus Dei als Reaktion auf die einsetzende Flut von Drohungen und Verdächtigungen maximale Transparenz praktiziert - all das wirkt dank verschwörungstheoretischer Aufbereitung eher noch unterstützend.

Dem wahnhaften Quatsch ist, wie der 'Spiegel' uns gerade sehr schön an Ahmadinedschad vorgeführt hat, mit Argumenten nur mäßig beizukommen. Ihm muß der Boden entzogen werden, indem für Vermittlung, Abstraktionsfähigkeit und Selbstdistanz geworben wird, indem immer wieder darauf hingewiesen wird, wohin die negative Aufhebung der gegenwärtigen Zumutungen führt. Der AFBL faßt das ganz treffend: "Capitalism is not a conspiracy of a few - it works cause we work."
3.6.06 17:05


Troika

In meinem Bestreben, möglichst viele Versionen der Ereignisse in Rußland 1917/18 zu sammeln, um an ihnen die produktive Kollision von Cut-up und Geschichtskritik zu exemplifizieren, konnte ich bisher zumeist davon ausgehen, eine oder zwei Revolutionen als die "wirklichen" bzw. "eigentlichen" oder "wesentlichen" präsentiert zu bekommen. Die Begriffsklärungsseite der englischen Wikipedia führt jedoch die anarchistisch-sozialrevolutionäre Bewegung gegen die Bolschewiki als dritte Revolution an.
4.5.06 21:30


Ich erkenne Geschichte, wenn ich sie sehe

Weiter bin ich damit beschäftigt, die verschiedenen Versionen der russischen Revolution von 1917 zu sichten, um sie zu einem oder mehreren Cut-ups zu verbasteln. Der bisher schönste Satz - der zweite im folgenden Zitat - stammt aus der Einleitung zu Trotzkis "Geschichte der russischen Revolution" und klingt, als wäre ein deutscher Historist mitten dabeigewesen und hätte sich dann zurechtdrehen müssen, was er gesehen hat:

"Die Entwicklung einer historisch verspäteten Nation führt notgedrungen zu eigenartiger Verquickung verschiedener Stadien des historischen Prozesses. In seiner Gesamtheit bekommt der Kreislauf einen nicht planmäßigen, verwickelten, kombinierten Charakter."

Naja, solange es ein Kreislauf ist, kann er so viele Ecken und Kanten haben, wie er will. Those who repeat history are doomed to write it.
16.4.06 19:22


Fernsehen: Buchstaben töten

Islamist Reda Sayem sitzt in einem Berliner Restaurant und sagt: "1000 Jahre beherrschten Muslime die Welt, bis das Kalifat fiel." Und dann schlicht: "Osama bin Laden sagt nicht, man soll diesen oder jenen töten, der Koran sagt das."
17.3.06 13:24


Fernsehen: Ägypten als Zeitangabe

In einer dctp-Sendung über das "historische" Alexandria verbreitet sich Prof. Dr. Manfred Clauss von der Frankfurter Goethe-Uni sichtlich ergriffen über "antike Touristen", die den Leuchtturm von Pharos besichtigen, obwohl er schon kurz darauf zugeben muß, daß noch nichts von ihm gefunden wurde. Das Gemälde ist richtig, die Gegend ist falsch. Das Zusammenspiel zwischen dem Interviewer und dem "Experten" ist schon fast obszön, es werden dumme Fragen gestellt, auf die mit größtmöglicher Gewißheit geantwortet werden muß. Muster: Das und das hat es doch aber gegeben, ja, das hat es natürlich gegeben, wenn wir auch nichts davon haben/wissen/kennen. Im Tonfall der gesicherten Erkenntnis kann Clauss also genauso sagen: "Das Christentum entsteht nach dem Tod Jesu Christi", wie er darauf verweist, daß hauptsächlich wegen der christlichen Quellenselektion 90% des überlieferten antiken Materials aus der Spätantike stammt. Er kann einen antiken Stadtrundgang schildern und eine Minute darauf sagen, daß Alexandria seit Mitte des 19. Jahrhunderts durch das Stadtwachstum nicht mehr rekonstruierbar ist.
17.3.06 13:22


Das soll wohl Ihre Geschichte sein?

"Daß wir hier mehr einen Komplex abzustecken als präzise Angaben zu machen inmstande sind, hat einen recht handfesten Grund, der gerade einem nachdenklichen Leser unserer Weltgeschichte nicht verschwiegen werden darf. Im Hinblick auf die Fülle des griechischen Lebens in allen seinen Ausprägungen ist seine auf uns gekommene Hinterlassenschaft dem Umfang nach von erstaunlicher Dürftigkeit. Das meiste ist, so darf man unbedenklich sagen, einfach verloren, und die Aussicht, daß sich durch neue Funde an diesem Tatbestand etwas wesentlich ändert, ist so gut wie hinfällig. Nicht nur ist bloß ein geringfügiger Bruchteil der ungeheuren griechischen Literatur, der poetischen, philosophischen und wissenschaftlichen, erhalten, sondern - und dies fällt gerade für die historische Analyse ins Gewicht - es feheln auch so gut wie alle Angaben über die Verzahnung der individuellen Existenz der Intellektuellen mit der sozialen Ordnung. Kaum eine erschöpfende Biographie eines Philosophen oder Dichters gibt uns über seine Stellung in der Gesellschaft und über seine wirtschaftliche Basis Auskunft. Auch von daher ist es nicht verwunderlich, daß unser Klassizismus die Griechen fast gänzlich entkörperlichte und in einer reinen Sphäre schweben ließ. Selbstverständlich ist dieses Fehlurteil von der Wissenschaft prinzipiell längst revidiert worden, aber eine plastische Gegenzeichnung zu geben, war sie einfach mangels notwendiger Erkenntnisquellen nicht imstande, sosehr sich auch die realistische und bewußt sich historisch gebende Altertumswissenschaft des 19. Jahrhunderts darum bemühte.
Die Mißlichkeit unserer Quellenlage macht sich besonders auf dem Gebiet der Wirtschafts-, Sozial- und Verwaltungsgeschichte bemerkbar.

(...)

Aus bestimmten hier nicht zu erörternden Gründen reicht die Erforschung der griechischen Geschichte kaum über das 18. Jahrhundert zurück..."


Heuß, Alfred: Einleitung, in: Propyläen Weltgeschichte, Dritter Band - Griechenland. Die hellenistische Welt, Frankfurt am Main 1991 (Berlin 1962), S. 19
15.3.06 02:20


Lauter dumme deutsche Fragen, aber viele gute Antworten

SPIEGEL: Sie deuten den Terror in beiden Systemen als "Ausdruck von Schwäche". Beide Diktatoren seien von "tiefreichenden Ängsten und Unsicherheiten" geprägt gewesen. Was meinen Sie damit?

Overy: Hitler wie Stalin waren Anhänger von Verschwörungstheorien. Der "Führer" glaubte wirklich, überall auf der Welt würden Juden daran arbeiten, Deutschland zu zerstören und war ja tatsächlich der Auffassung, wissenschaftliche Erkenntnisse würden seine Meinung stützen. Stalins Weltsicht hingegen basierte auf der Idee, dass die sozialistische Revolution immer durch bourgeoise Kräfte gefährdet sei und viele Leute, die sich als Kommunisten ausgeben, eigentlich bourgeoise Spione seien. Es war eine Phantasiewelt mit metaphorischen Feinden.

SPIEGEL: Ohne jeden Bezug zur Wirklichkeit?

Overy: Man deutet sich diese zurecht. Bei Stalin löste der Spanische Bürgerkrieg 1936 Einkreisungsängste aus, die ihn überall nach Agenten suchen ließen. Und Hitler erklärte Ende 1941 den USA den Krieg, weil er überzeugt war, die Juden würden Amerika in den Krieg ziehen. Viele Historiker datieren daher die Entscheidung zum Holocaust auf den Dezember 1941.

SPIEGEL: Und warum teilten viele Anhänger Hitlers und Stalins diese obskuren Verschwörungstheorien?

Overy: Sie entsprachen dem verbreiteten Bedürfnis nach einem Feindbild. Große Teile der Bevölkerung unterstützten ja eine als idealistisch empfundene Verwirklichung einer Utopie. Die Leute wollten sich als tugendhaft empfinden und brauchten einen Feind, von dem sie sich absetzen konnten.


SPON
26.2.06 16:36


Relativierung ist ja gar kein Ausdruck

Verbl?ffend, wie "Bombenkriegs"-Experte J?rg Friedrich mit den deutlichen Worten ?ber die deutschen Verbrechen, die ihm die Erlaubnis f?r seine restlichen Ausf?hrungen zu verleihen scheine, das Publikum aus rechten CDUlern und rechten B?rgerrechtlern in der Gedenkbibliothek am Nikolaikirchplatz zu schockieren vermochte.

In diesen Momenten wurde deutlich, wie weit sich der gegenw?rtige Geschichtsrevisionismus von seinen Vorformen unterscheidet und wie sehr er auch auf eine andere Zielgruppe hin formuliert ist als auf diese alte Garde, die ihn damit ansagt, da? er als Jahrgang '44 "physisch wenigstens dabei war" und aus ihm die Aussage bezieht, da? klargemacht werden mu?, "welche Opfer in solchen Kriegen anfallen, egal auf welcher Seite."

Denn Friedrich vermeidet klare Aussagen. Er stellt Fragen, deren implizit schon mitschwingende Antworten dann bei der blo?en Relativierung nicht stehenbleiben. Innerhalb desselben Satzes ist er in der Lage, den Schrecken der Einsatzgruppen hinter der Ostfront auszumalen und dennoch auf der Einzigartigkeit des "Untergangstraumas" der Deutschen (so die ?berschrift des Abends) zu bestehen.

Er pr?sentiert sich selbst als 68er, der ?lter geworden ist und gelernt hat. Er h?tte selbst noch in seinen Vierzigern gesagt, da? ihn die zerbombten St?dte mit Genugtuung erf?llt h?tten, da sie demonstrieren w?rden, da? die "Zivilisation es nicht duldet, wenn Menschen wie L?use behandelt werden" und da? eben diese "Zivilisation eine Antwort darauf" h?tte. Die Genugtuung, das Behagen sei ihm jedoch durch seine detaillierten Studien abhanden gekommen.

Der immer noch vorhandene Rechtfertigungsdruck zeigte sich jedoch darin, da? er je zwanzig Minuten damit verbrachte, die beiden Slogans zur?ckzuweisen, die er vergangenes und vorvergangenes Jahr in Dresden von der "Minderheit von Dresdner B?rgern" aufgeschnappt hatte, die "?ber die Massent?tung frohlocken" w?rden. Erstaunlicher Kommunikationsweg: ihm von einer Kundgebung etwas zurufen und dann auf seiner Veranstaltung seine Antwort h?ren, obwohl er nicht mal angenommen haben d?rfte, da? einer der "Gegner" anwesend war.

Zu "Do it again, Harris" referierte Friedrich die Optionen, die der Staatsanwalt nach Christel Gigi Romeisers Anzeige sah, dagegen vorzugehen, die er jedoch alle verwarf, da die Bedingungen weder das Andenken konkreter Verstorbener verunglimpft worden sei noch die Handhabe gegen die Bagatellisierung oder Leugnung von V?lkermord anwendbar gewesen sei, wie sie ja, so Friedrich, gegen den "unseligen David Irving" gerade Anwendung finde. Elegant sprang er sofort zum Terminus "Bombenholocaust", der "unterstellen w?rde, Deutschen und Juden w?re das gleiche zugesto?en."

Hier funktionierte die Interaktion mit dem Publikum, denn sofort nickten zehn ?ltere Menschen, die damit einer gar nicht explizit vertretenen These zustimmten.

Doch Friedrich war noch nicht fertig mit der "Minderheit Dresdner B?rger" und dem "Bombenholocaust". "Nuklearer Holocaust" sei doch ein stehender Begriff der Friedensbewegung gewesen und nichts anderes getan, als "ein ?u?erstes an Schrecken zu bezeichnen". Er f?gte wiederum ohne eine greifbare Aussage hinzu: "Die Verschrotteten von Dresden mit den Verschrotteten von Auschwitz zu vergleichen, stie? in Deutschland auf eine tief sitzende Empfindlichkeit."

Er sprach zwischen den Zeilen, auch als er sich dem zweiten Slogan der "Minderheit Dresdner B?rger" zuwandte, im Original "Deutsche T?ter_innen sind keine Opfer", bei ihm: "Das Argument der Gegner lautete, hier w?rden T?ter und Opfer verwechselt" - als w?rde es sich um eine optische T?uschung handeln.


So sah sie aus, die "Minderheit von Dresdner B?rgern"

Zwei kleine Halberst?dter M?dchen, von denen eines beim Bombenangriff 1945 ums Leben kam und das andere, gerade ein paar Zentimeter entfernt, am Leben blieb, dienten ihm einerseits als Gelegenheit, seinen Akademiker-Simulations-Sound ("Insofern denke ich...", alles ist "eigent?mlich", Guido-Knopp-Diktion) um die Facette der protestantischen Predigt (Timbre zur Erzeugung von Einvernehmen) zu erweitern, au?erdem als Vorlage f?r weitere Fragen: "Erlitt Ingrid die verdiente Strafe? Hat sich Hannelore als unschuldig erwiesen? Waren die 30 Millionen St?dter schuldig, die 50 Millionen Landbewohner unschuldig?"

Es w?rde einen nur so anschreien, da? "elementare Rechtsbegriffe" - er war immer noch bei T?tern und Opfern - "auf die Vorg?nge im Bombenkrieg nicht anwendbar seien". Es w?re unsinnig, die alliierte Luftwaffe als "fliegendes Strafgericht" anzusehen, da? "eine halbe Million Todesurteile" f?llte. Immerhin betonte er nun - begleitet vom Stirnkr?useln seiner Zuh?renden - den Unerschied zwischen den Juden, denen keine Wahl gestellt wurde, und den Deutschen, denen per Flugblatt mitgeteilt wurde, was sie zu tun h?tten, damit "es aufh?rt". Nat?rlich entwertete er diese Unterscheidung sofort dadurch, da? er erkl?rte, Kindern sei es nicht m?glich gewesen, Hitler zu st?rzen oder zu fliehen.

Nun war er mit den konkreten "Gegnern" fertig, doch nur, um gleich viel weiter auszugreifen: "Massenausrottungen in Deutschland fanden immer unter dem Beifall der Theologen, Moralisten und Intellektuellen statt." Gegen die "Verrechnungskultur" w?rden keine Argumente helfen. In Deutschland g?be es die "entwickeltste Mitleidskultur der Welt", eine "Welt von Opfern" finde hier "stets Mitleidende". Es d?rfe keine Vergeltung irgendwo stattfinden, nur die gegen Deutschland durfte. Das seien ja nur "die Wunden des eigenen Volkes".

Der gro?e Bogen der Superrelativierung wurde erst jetzt aufgespannt.

Friedrich rechnete vor, da? nur etwa 1,5% der Stadtbev?lkerung get?tet worden seien (das "nur" hatte die wohl beabsichtigte Wirkung auf die Zuh?renden), insgesamt vielleicht 10% pers?nlich betroffen gewesen w?ren, da? aber alle "Lebendiggebliebenen traumatisiert" worden seien: "Der Bombenkrieg ist ein Theater, eine Veranstaltung des Grauens mit einer klaren Moral: Du sollst Hitler st?rzen!"

W?hrend er nun immer deutlichere Bezeichnungen f?r die alliierten Luftsoldaten fand ("Terroristen", "Folterer", "Folterknechte"), hob er hervor, da? sie Deutschen sich aber nicht haben "unterwerfen" lassen, wie zuvor auch die Londoner nicht. Die Deutschen h?tten "lieber ihr kulturelles Erbe und ihre St?dte geopfert", "die Bombe spekulierte mit dem falschen Risiko".

Das "Echo" auf die deutschen Verbrechen h?tte also nur eine Minderheit getroffen, so da? "die am Leben Gebliebenen den Toten etwas schuldig" seien; der Zweite Weltkrieg sei au?erdem von Hitler _und_ Stalin entfesselt worden ("Damit jage ich meinen Zuh?rern immer Schauer des Entsetzens ?ber den R?cken" - den Eindruck hatte ich bei dieser Gelegenheit nicht); die "Massent?tung aus der Luft" sei nicht "an Deutschland gebunden" gewesen, sondern sollte den Pl?nen nach schon bald etwa die Sowjetunion nuklear treffen; die "antiimperialistische Solidarit?t der 68er" sei als Folge der Ausblendung des "Untergangstraumas" zu verstehen; Verdr?ngung sei im Gegensatz zur Aufarbeitung "normal", die Amerikaner w?rden "auch nicht ?ber Sklaverei und Indianerausrottung" reden.

Die Teilnehmer an den camouflierten Naziverbrechen in den Lagern und an der entfernten Front, rechnete er weiter vor, waren mit ein bis zwei Millionen ebenfalls eine Minderheit (das mu? man erstmal ?ber die Lippen bringen!), w?hrend jedoch - und jetzt war er bei der Pointe angelangt - die gegen die Deutschen gerichteten "Massenvergewaltigungen, Massent?tungen und Vertreibungen" eben "nicht versteckt, sondern offen" stattfanden, "in der Mitte deutscher St?dte".

Alles weitere war Nachspiel. Er fragte etwa: "Was ist das eigentlich Unertr?gliche, wenn wir die beiden Qualen der Zeit in Beziehung zu setzen versuchen?" Man m??te nur die jeweilige Besatzerpropaganda gegenlesen (Amerikaner ?ber die russischen Massenvergewaltigungen, Russen ?ber anglo-amerikanischen Bombenterror). Aus Scham jedoch d?rften wir unser Leid nicht f?r schlimmer erkl?ren als das der anderen. Reue w?rde gegen?ber der Klage als ethischer gelten.

Er selbst h?tte ja nur, nachdem er sich "sein ganzes Leben" mit den "toten Judenkindern abgegeben" h?tte, "ohne Urteil und Anklage in einem einzigen Buch einmal die andere Seite darstellen" wollen.

?berhaupt, so sein Abschlu?statement, seien die Deutschen mit dem "Verlust der nationalen Identit?t" genug gestraft.
25.2.06 00:23


Kleiner Geschichtssnack

<<The Trojan War took place around the alleged year 1225 BC. We know nothing of when Homer had really lived... At any case, we are told that Homer had lived in an epoch separated from that of the Trojan War by several centuries... Thus, he must have "written his poems" a few hundred years after the war.

He wrote two gigantic poems. They occupy 700 pages of the modern 1967 edition, no less, the font being rather small. The poet is supposed to have memorized both of them and started singing the poems to his audience. He must have been at it for many years, since the peoms had not been recorded anywhere in his lifetime. We are surprised to hear that both the Iliad and the Odyssey had first been writen down... in 560-527 BC.

Thus, both titanesque poems, adding up to 700 pages of a contemporary book, are supposed to have been recorded for the first time 670 years after the Trojan War.
>>

Anatoly Fomenko, History: Fiction or Science Vol.2, S. 115f.
20.2.06 15:08


Professionelle Geschichtsproduktion

<<Die Autobiographie von Mao Tse-tung bestand zu gro?en Teilen aus Interviews, die Mao im Sommer 1936 dem amerikanischen Journalisten Edgar Snow gegeben hatte. Es war der einzige ausf?hrliche Bericht ?ber sein Leben, den Mao jemals gab. Snow schrieb auch ein eigenes Buch, Roter Stern ?ber China, das sich in erster Linie auf Interviews mit Mao und anderen Kommunisten st?tzte und den Grundstein f?r die Rehabilitierung der Kommunisten legte - nicht zuletzt, indem es ?ber ihre blutgetr?nkte Vergangenheit hinwegsah.

Die Begegnung mit Snow hatte sich nicht zuf?llig ergeben. Im Fr?hjahr 1936 hatte Mao die Untergrundbewegung in Shanghai gebeten, einen ausl?ndischen Journalisten zu finden, der seine Geschichte aufzeichnen und ver?ffentlichen k?nnte... Nach sorgf?ltiger Pr?fung lud Mao Snow ein, der in seiner Person alle notwendigen Eigenschaften vereinigte: Er war Amerikaner, schrieb f?r zwei einflussreiche Bl?tter, die
Saturday Evening Post und die New York Herald Tribune, und sympathisierte mit der Person und der Sache, ?ber die er berichten sollte. Snow traf im Juli in dem von den Kommunisten beherrschten Gebiet ein...

Mao ?berlie? nichts dem Zufall und diktierte detaillierte Anweisungen, wie Snows Besuch zu gestalten sei: "Sicherheit, Geheimhaltung, W?rme und roter Teppich." Das Politb?ro koordinierte sorgf?ltig die Antworten auf einen Fragenkatalog, den Snow vorab hatte einreichen m?ssen. Mao lieferte Snow ein Gemisch aus wertvollen Informationen und gewaltigen F?lschungen, das ihm Snow ohne Einschr?nkung abnahm. Er bezeichnete Mao und die F?hrung der KPC als "direkt, offen, unkompliziert und aufrichtig". Mao schwieg ?ber die Jahre der Folter und des Mordens, zum Beispiel ?ber die AB-Korps-S?uberungen, und erfand Schlachten und Heldentaten wie die ?berquerung der Dadu-Br?cke im Verlauf des Zuges quer durch China, der jetzt raffinierterweise als "Der Lange Marsch" bezeichnet wurde. Er machte Snow weis, er habe, bis auf die Zeiten, in denen er krank war, "den gr??ten Teil der knapp 10000 Kilometer wie die einfachen Soldaten zu Fu? zur?ckgelegt". ?ber seine Verbindungen zu Moskau lie? Mao kein Wort verlauten und behauptete, er strebe freundschaftliche Beziehungen zu Amerika an...



Zu Maos Vorsichtsma?nahmen geh?rte auch, alles zu pr?fen, was Snow schrieb; er nahm Einf?gungen vor und schrieb manche Passagen um. Snow schrieb am 26. Juli 1937... an seine Frau Helen...: "Schick mir keine Notizen mehr ?ber Leute, die ihre Geschichten widerrufen, die sie mir erz?hlt haben... So wie die Dinge liegen, mit so vielen Streichungen, liest es sich allm?hlich wie
Childe Harold." Snow lie? im Roten Stern allerdings diese Vorg?nge unerw?hnt und behauptete stattdessen, Mao "legte mir niemals... irgendeine Zensur auf"...

Roter Stern ?ber China erschien im Winter 1937/38 in englischer Sprache und spielte eine bedeutende Rolle bei einem Stimmungsumschwung zugunsten Maos in den westlichen L?ndern...

Der
Rote Stern - und die beiden B?cher mit den bearbeiteten Ausz?gen - ?bten einen gro?en Einflu? auf radikale Jugendliche in China aus. Viele von ihnen schlossen sich... nach der Snow-Lekt?re den Kommunisten an. Es war der Anfang der Renaissance der KPC. Mao sollte sp?ter sagen, die Ver?ffentlichung des Buches habe "ebenso stark gewirkt wie der Gro?e Yu, der die Fluten eind?mmte".>>

Chang/Halliday: Mao, S. 252ff.

17.2.06 18:11


Welche Revolution?

Zum Zwecke der literarischen Kernspaltung und m?glicherweise auch zur wissenschaftlichen Weiterverwendung sammle ich derzeit plausible wie unplausible und auch gruselige Versionen der Russischen Revolution bzw. der Ereignisse in Ru?land um das Jahr 1917. Als Hinweis darauf, wie weit ich es (derzeit noch) fassen m?chte, hier eine unvollst?ndige Liste bereits vorhandener Versionen:

- George Orwell
- Geschichte Klasse 9 Lehrbuch POS (stellvertretend f?r die Sp?t-DDR, sehr ?hnlich wie die von Linksruck, blo? l?nger)
- Trotzki
- Propyl?en Weltgeschichte
- Wilhelm Reich "Massenpsychologie des Faschismus"
- Daniel Pipes "Verschw?rung"
- Nestor Machno (wiedergegeben in Abel Paz' Durutti-Biographie)
- Ernst Nolte "Der europ?ische B?rgerkrieg : 1917 - 1945"
- Ayn Rand "We The Living"
- Arthur Rosenberg "Geschichte des Bolschewismus"
- Dimitry Gawronsky "Die Bilanz des russischen Bolschewismus", (1919)
- Slavoj Zizek "Revolution at the Gates"
- "Schwarzbuch des Kommunismus" (und dessen konkret-Kritikband "Roter Holocaust?")

auch z.B. Woody Allen ("...when the serfs found out that the Czar and Tsar were actually the same person"), Verschw?rungsprosa wie "Das andere Gesicht des Karl Marx" von Richard Wurmbrand oder "Wer regiert die Welt?" von Des Griffin (nat?rlich feat. Jakob Schiff, Satan und sogar Ronald Reagan), Black Adder, Dr. Schiwago, die einschl?gigen Oktoberklub-Lieder und dieser im KF viel belachte US-Propaganda-Film ?ber "Kommunismus" aus den fr?hen F?nfzigern.

Wer weitere Versionen kennt, bitte melden, gerade an stalinistischen und auch au?ereurop?ischen Darstellungen besteht Mangel wie Interesse. Alle Quellen, die auch die Ereignisse in der ersten Jahresh?lfte 1917 ernstnehmen, sind von besonderem Interesse.





26.1.06 01:16


History in the making

Und ich dachte, ich m??te in der Nazibibel "Der Mythus des 20. Jahrhunderts" von Alfred Rosenberg im Stichwortverzeichnis nachsehen, um Hinweise auf seine Geschichtsbesessenheit zu bekommen! Dabei beginnt das Inhaltsverzeichnis so:



Und das erste Kapitel: "Es beginnt heute eine jener Epochen, in denen die Weltgeschichte neu geschrieben werden mu?." Von den folgenden 800 Seiten sind gesch?tzt die H?lfte dem Versuch gewidmet, eine neue Geschichte zu schreiben, bzw. in der Auffassung Rosenbergs die erste, die ?berhaupt wissenschaftlich genannt werden kann, denn: "Die Denkm?ler aller V?lker liegen jetzt ausgebreitet vor uns." In dankenswerter Offenheit spricht er vom "geschichtsbildenden Blick" und den wendet er denn auch an:

"Mag vieles auch sehr fraglich sein, mag erst eine kommende Forschung feststellen, ob die ?ltesten Kultzeichen, die ersten Felssteinzeichnungen der Steinzeit auch die Grundlage der vordynastischen ?gyptischen Linearschrift gewesen sind, ob auf diese 'atlantische' Symbolik auch andere Schriften der Erde als auf ihren Urgrund zur?ckgehen, das Ergebnis dieser Forschung vermag jedoch an der e i n e n gro?en Tatsache nichts zu ?ndern, da? der 'Sinn der Weltgeschichte' von Norden ausstrahlend ?ber die ganze Erde gegangen ist, getragen von einer blau?ugig-blonden Rasse, die in mehreren gro?en Wellen das geistige Gesicht der Welt bestimmte, auch dort noch bestimmte, wo sie untergehen mu?e. Diese Wanderperioden nennen wir: den in Sagen geh?llten Zug der Atlantier ?ber Nordafrika; den Zug der Arier nach Persien-Indien, gefolgt von Dorern, Mazedoniern, Latinern; den Zug der germanischen V?lkerwanderung; die Kolonisierung der Welt durch das germanisch bestimmte Abendland."

So schnell geht das.
20.1.06 22:42


Ich vereinnahme Adorno gegen die Weltgeschichte

"Vorher, vorher! Du lebst in der Vergangenheit, Marge!" (Homer Simpson)

Ich habe beim Denken indoors einen kurzen Atem, outdoors einen vielleicht zu langen, weshalb konzentrierte Lekt?re am besten an einem Tisch vor einem Caf? funktioniert. Bl?d nur, wenn die Musik aus dem Caf? noch h?rbar ist, und auf diese Weise als Soundtrack zu Adorno ausgerechnet "Bilder von Dir" von Laith Al-Deen l?uft, garniert von dem akustischen Ergebnis, das ein anderer Gast damit erzielt, aus gesch?tzten 100 M?glichkeiten seinen bevorzugten Handy-Klingelton auszuw?hlen.

Daher konnte ich die "Idee der Naturgeschichte" zun?chst nur zur H?lfte erschlie?en und so m?glicherweise ?bereilt Adorno als Verb?ndeten meiner Geschichtskritik betrachten.

Er beginnt mit Begriffsbestimmungen bzw. mit Disclaimern: da? er mit Naturgeschichte "nicht etwa... Geschichte der Natur? meint, da? er vielmehr beabsichtigte, ?die ?bliche Antithesis von Natur und Geschichte aufzuheben?, die ?Begriffe zu einem Punkt zu treiben, an dem sie in ihrem puren Auseinanderfallen aufgehoben sind?. Der verwendete Naturbegriff wiederum k?nne ?am ehesten mit dem Begriff des Mythischen ?bersetzt werden", dessen, das ?von je da ist?, ?als schicksalhaft gef?gtes, vorgegebenes Sein die menschliche Geschichte tr?gt?, ?in ihr erscheint?, das, ?was substantiell ist in ihr?.

(Laith Al-Deen: "Bilder von dir ?berdauern ? bis in alle Zeit, bis in alle Zeit, bis in alle Zeit...")

Davon unterschieden werde Geschichte verstanden als ?jene tradierte Verhaltensweise?, in der ?qualitativ Neues erscheint?, die ?eine Bewegung ist, die sich nicht abspielt in purer Identit?t, purer Reproduktion von solchem, was schon immer da war?. Geschichte gewinnt demnach ?ihren wahren Charakter durch das in ihr als Neues Erscheinende?.

Die folgende Verkn?pfung dieser Begriffe mit der philosophischen Diskussion im Zeichen der neu-ontologischen Schule Anfang der 30er Jahre beruht f?r Adorno auf folgender ?bereinstimmung: ?die Frage nach der Ontologie, wie sie heute gestellt wird, ist nichts anderes als das, was ich unter Natur gemeint habe.?

So steigt er in den I. Teil ein, der wie gesagt die H?lfte ist, die ich den Umst?nden zum Trotz wirklich aufnehmen konnte, und in dem Adorno haupts?chlich Umschw?nge in der philosophischen Diskussion beschreibt.

?Nur dort, wo die ratio die Wirklichkeit, die ihr gegen?ber liegt, als ein ihr Fremdes, ihr Verlorenes, Dinghaftes anerkennt, nur dort, wo sie nicht mehr unmittelbar zug?nglich ist und wo der ratio und Wirklichkeit der Sinn nicht gemeinsam ist, nur dort kann die Frage nach dem Sinn ?berhaupt gestellt werden.? (Laith Al-Deen: "Bilder von dir ?berdauern ? bis in die Ewigkeit, in die Ewigkeit, in die Ewigkeit." Ich denke: "Nur dort, wo dem Kerl die Frau gegen?berliegt...")

Scheler versuchte, einen ?Ideenhimmel zu konstruieren auf Grund einer rein rationalen Schau der geschichtslosen und ewigen Gehalte?. Es ergibt sich der erste Umschwung, der schematisch etwa so dargestellt werden k?nnte:

Plato: statische <-> qualitativ differente Ideen => Ph?nomenologie: ?Seiendes wird sich selbst zum Sinn?, ?Sein als Geschichtlichkeit?

Das hei?t konkret f?r die Auffassung von Geschichte:

Vermittlung zwischen Geschichte und Geschichtsbild (Historismus) => scheinbare Aufl?sung ?ber idealistische Identit?t zwischen beiden

So k?nne von einer Beseitigung der ?puren Antithesis von Geschichte und Sein? durch die Anschauung des Seins als Lebendigem gesprochen werden, damit zugleich der Beseitigung ?der falschen Statik? und des Formalismus. (Wohlgemerkt jedoch immer noch mit "der Geschichte" als Voraussetzung) Geschichte wurde "selber in ihrer ?u?eren Bewegtheit zur ontologischen Grundstruktur?, das geschichtliche Denken gleichzeitig reduziert ?auf eine philosophisch es tragende Struktur von Geschichtlichkeit...? Adorno fa?t die Frankfurter Diskussion zur Geschichtsphilosophie damit zusammen, da? ?alles radikal geschichtliche Denken? einen ?Entwurf des Seins? braucht und schlie?t damit seine Bestandsaufnahme vom Stand der Diskussion zum Zeitpunkt dieses Vortrages.

Nun setzt seine eigene Kritik ein. Adorno greift die Tendenz zur Tautologie im neu-ontologischen Denken an, die er damit in Verbindung bringt, da? es sich ?mit der Unerreichbarkeit des Empirischen? abfindet. Momente, die nicht in Denkbestimmungen eingehen, werden ihrerseits ontologisiert, z.B. Heideggers Sein zum Tode oder seine Geschichtlichkeit. Geschichte werde zu ihrer eigenen Ontologie verkl?rt, ?daher solch matte Antithesen wie Geschichte und Geschichtlichkeit?.

Weiter lokalisiert Adorno idealistische Bestimmungen ?im neu-ontologischen Denken?.

Zum einen die der Ganzheit und der unter sie befa?ten Einzelheiten (Verweis auf Fichtes "transzendentales Subjekt") : ?Aber indem man die ganze Wirklichkeit glaubt, wenn auch in einer Struktur, eindeutig zusammenschlie?en zu k?nnen, steckt in der M?glichkeit eines solchen Zusammenschlie?ens aller gegebenen Wirklichkeit unter einer Struktur der Anspruch, da? der, der alles Seiende unter dieser Struktur zusammenfa?t, das Recht und die Kraft hat, das Seiende an sich ad?quat zu erkennen und in die Form aufzunehmen. Im Augenblick, wo dieser Anspruch nicht erhoben, in diesem Augenblick ist die Rede von einer Strukturganzheit nicht mehr m?glich.?

Zum anderen die Priorit?t des Entwurfs gegen?ber der Faktizit?t; die ?Vorherrschaft des Reiches der M?glichkeiten? gegen?ber der Wirklichkeit, was Adorno in den "Rahmen der Kritik der reinen Vernunft" ?bersetzt mit dem Gegensatz von kategorialem subjektivem Gef?ge und empirischer Mannigfaltigkeit. Tautologie erw?chse so aus der Identit?t: ?Das unter der subjektiven Kategorie Geschichtlichkeit befa?te geschichtliche Sein soll mit Geschichte identisch sein. Es soll sich den Bestimmungen f?gen, die von Geschichtlichkeit ihm aufgepr?gt werden.?

Adorno folgert: ?Jede Aussonderung naturhafter Statik aus der historischen Dynamik f?hrt zu falschen Absolutierungen, jede Absonderung der historischen Dynamik von dem in ihr unaufhebbar gesetzten Naturalen f?hrt zu schlechtem Spiritualismus? und formuliert damit eine deutliche Absage an die bevorzugten einfachen und tr?gerischen Wege aus dem Problem. Vielmehr sei noch die ??u?erste geschichtliche Bestimmtheit? als Natur, noch tiefstes Verharren der Natur ?als geschichtliches Sein? zu begreifen. Was sich Adorno dann unter der angestrebten ?R?ckverwandlung der konkreten Geschichte in dialektische Natur? vorstellt, ist mir noch nicht ganz klar. Dazu sei noch einmal Laith Al-Deen zitiert: "Worte sind wie Pulver, wenn du den Himmel kennst, ich f?hl?s in meinem Kopf, f?hl?s ?berall hab?s lang vermisst, ich kann nicht sagen, will nicht vergessen, Oh nein, nein, nein, wie ich es f?hl, wie ich es f?hl."
17.1.06 14:21


Reise in die Vergangenheit 3

"Es m?ssen nur hundert Jahre vergehen und alle glauben, jedes Wort sei genial."

(Harvey Lipschultz in Boston Public)
12.1.06 00:06


Der will doch nur spielen

Bei Telepolis wiederum f?llt einem Autor ausgerechnet beim Betrachten von Civilization IV auf, wie problematisch die allgemein kaum getroffene Unterscheidung zwischen Geschichte und Geschichtsideologie ist:

"Gerade die Vermischung von Faktenh?ppchen mit der popul?ren und vereinfachenden Ideologie von Geschichte zeigt sich ja ohnedies seit jeher und auch heute noch im Gro?teil der sonstigen medialen und schulischen Behandlung des Themas. So f?gt sich Civilization IV mit seinem 'Modell' von Geschichte recht nahtlos in jenes undifferenzierte Geschichtsbild ein, das Geschichte auf die mehr oder weniger geradlinige Entwicklung vom Einfachen zum Komplexen, auf die 'Entscheidungsgeschichte' einiger weniger Herrscher oder Nationen reduziert - die Spielmechanik verlangt?s."

Gameplay ist jedoch ein erheblich besserer Grund f?r Reduktion als es die sonst ?blichen Gr?nde sind.
5.12.05 21:11


Konspirationismus 5

Skizze f?r den Einstieg in den 22C3-Vortrag:

Es soll um die Entautomatisierung des blo?en Wortes Verschw?rungstheorie gehen. In vielen Diskussionen dient es dazu, bestimmte Positionen zu adeln oder eben der Betrachtung zu entziehen.

Wenn beipsielsweise zuletzt in einem Gespr?ch dreier als mehr oder weniger antideutsch Geltender in der Jungle World J?rgen Els?sser davon sprach, da? der Mossad von den Anschl?gen an 9/11 wu?te, dann hat er damit einen realen Sachverhalt wiedergegeben. Der Mossad wu?te, wie die meisten besser informierten Geheimdienste der westlichen Welt, da? die Gefahr islamistischer Anschl?ge auf dem Gebiet der USA bestanden (immerhin hatte es schon einen aufs WTC gegeben) und auch, da? al-Qaida mit ganz konkreten Pl?nen diese Anschl?ge vorbereitete.

Die Tatsache, da? der Mossad das wu?te, was auch der CIA oder etwa der Verfassungsschutz wu?te, ist selbst nicht antisemitisch oder verschw?rungstheoretisch. Erst die Frage danach, was unter Hinzuziehung des Satzes "Die Juden sind unser Ungl?ck" aus dieser Tatsache wird, f?hrt in den Sumpf. Der immerw?hrende Schuldvorwurf verleiht der simplen und banalen Tatsache das Moment des Mitwissertums, der Verstrickung. So bleibt festzuhalten, da? der Mossad auch ohne dieses Wissen der Mitwirkung an den Anschl?gen bezichtigt worden w?re, weil er der Geheimdienst des Staates der Juden ist.

In diesem Fall ist die Lage also recht ?bersichtlich: Wir k?nnen Els?sser das Faktum lassen, da es in jeder Zeitung stand und eigentlich recht unspektakul?r bleibt.

Schwieriger wird es, wenn Fakten schlechter verifizierbar oder eben falsifizierbar sind; wenn Konspirationisten oder ihnen Denkverwandte aus Quellen sch?pfen, die alle anderen eben nicht zu Rate ziehen, weil dort zu 99% Wahn und Desinformation zu finden ist; wenn diese Quellen dann jedoch ?berraschendes pr?sentieren, das m?glicherweise wirklich Korrekturen an offiziellen Versionen nahelegt. In diesen Momenten wird deutlich, woher die Verschw?rungstheorien einen Teil ihrer Anziehungskraft auch auf kritische Intellektuelle beziehen: aus der Tradition der im Grunde sympathisch anti-positivistischen Quellendemokratie.

Die Frage mu? also lauten: Wie wird aus der diskordischen Informationsanarchie in Fefes Weblog der praktisch unverh?llte Antiamerikanismus (und Antizionismus) des Fnord-Jahresr?ckblicks? Was sind die Elemente der Verschw?rungstheorie, die sie produktiv machen, was macht sie andererseits zu so n?tzlichen und flexiblen Tools der Feinderkl?rung, welche sich in den letzten Jahrhunderten, besonders im letzten Jahrhundert gerade in ihrer beliebigen Form meist mit t?dlichen Folgen an die Juden richtete oder an als besonders "verjudet" geltende Staaten - die fr?he Sowjetunion, die USA, aber auch China, Japan, Frankreich oder Gro?britannien?
23.11.05 22:13


They want to believe

Die Sichtung der Protagonisten der modernen Historiographie, wie sie am Ende des 19. Jahrhundert besonders in Deutschland gepr?gt wurde, zeigt verbl?ffenderweise, da? sie durchaus ?ber den Erfindungscharakter ihrer Quellen im Bilde waren, in der Zusammenschau fast kein Detail unkritisiert lie?en und dennoch nicht einmal in Betracht zogen, das Grundger?st ? die Chronologie und die ?historische Wahrheit? ? anzutasten.

Klar ist ihnen, da? bei der Abfassung der Geschichte immer wieder dieselben Vorlagen benutzt wurden:

?Die ausf?hrliche Sage von Romulus w?re ohne die Erz?hlung Herodots ?ber Herkunft und Jugend des Cyrus schwerlich zustande gekommen? (Ranke: Weltgeschichte, Leipzig 1881-86, Bd. 11/1, S. 76)

?Der Mangel an Originalit?t und eigener produktiver Erfindungsgabe macht sich auch in der Geschichte von Marcus Furius Camillus deutlich bemerkbar. Der r?mische Bericht von der Eroberung der Etruskerstadt Veji ist offensichtlich der Ilias nachgebildet.? (Hertslet/Hofmann, Berlin 2000, S. 115)

Ebenfalls k?nnen sie riesige L?cken dingfest machen:

??die ?lteste Quelle, welche in der Tat sieben Berge Roms aufz?hlt, ist die Stadtbeschreibung aus der Zeit Konstantins des Gro?en. (?) Die uns gel?ufigen sieben Berge Palatin, Aventin, Caelius, Esquilin, Viminal, Quirinal, Capitol kennt kein alter Schriftsteller.? (Mommsen, R?mische Geschichte, Bd. I, Berlin 1933, S. 107f.)

Die antiken Quellen, die sie zitieren, m?ssten ihnen weiteren Grund zu fundamentalen Zweifeln liefern:

?Verf?lscht wurde die Geschichte meiner Meinung nach durch die Lobreden auf Verstorbene und durch die unrichtigen Unterschriften der Ahnenbilder, insofern sich jede Familie den Ruhm hoher Taten und ?mter durch Unwahrheiten zueignete, denen niemand nachsp?ren kann.? (Livius: Ab urbe condita, VIII, 40)

?Manchen ist das Dramatische und nach Erdichtung Klingende daran [an der r?mischen Fr?hgeschichte] verd?chtig. Man sollte aber nicht so mi?trauisch sein, wo man doch sieht, was f?r Gedichte das Schicksal Wirklichkeit werden l??t, und die Geschichte Roms ?berdenkt, da? es doch nicht zu der gegenw?rtigen Machtf?lle emporgestiegen w?re, wenn es nicht einen g?ttlichen, mit gro?en und wunderbaren Vorg?ngen verbundenen Ursprung gehabt h?tte.? (Plutarch: Romulus, VIII)

Doch sie behelfen sich entweder mit quasi-religi?sen Sinnspr?chen wie: ?Die Phantasie ist wie aller Poesie so auch der Historie Anfang.? (Mommsen) Oder sie gehen zur recht unverbl?mten Rechtfertigung ?ber, deren positivistische Essenz zumeist lautet: Auch wenn der jeweilige Fakt nicht stimmen mag und sogar widerlegt wurde, so ist er doch unser einziger Beleg f?r das Geschichtsbild, das wir gern sehen wollen. Darin un?bertroffen Ranke: Zum von ihm selbst erbrachten Nachweis, da? der so arme W?rdentr?ger Publius Severus doch gar nicht so arm gewesen sein kann, schreibt er:

?...das Wesentliche, der Kern der Tradition, ist doch durch und durch r?misch und unentbehrlich zum Verst?ndnis der r?mischen Geschichte, die wieder in der Weltgeschichte unter allen Nationalgeschichten die bedeutendste Stelle einnimmt.? (Weltgeschichte, II/2, S. 77f.)

Zur Geschichte von Lucius Quinctus Cincinnatus, der in sein Amt direkt vom Pflug berufen worden sein soll, f?hrt Ranke schlie?lich aus:

?Historisch bew?hrt ist sie wohl ?berhaupt nicht, aber aus der r?mischen Geschichte k?nnte man sie doch nicht etwa verweisen. Sie ist charakteristisch f?r den Unterschie der Lebenszust?nde, welche aus der Besch?ftigung mit dem einfachen Landbau, dem sich auch noch die Patrizier widmeten, und dem ?bergang aus demselben zu der h?chsten politischen W?rde entspringt.? (Weltgeschichte, II/1, S. 61)
13.11.05 15:03


Massenhistorie

Im "Spiegel" breitet sich ein Matthias Schulz auf einem reichlichen Dutzend Seiten ?ber den "Mythos Mittelalter" aus, wobei er sich zun?chst der verz?ckten heutigen Rezeption widmet:

"Sehnt sich der Jetztmensch nach einfachen Weltbildern, nach Urlaub vom Humanen? Flieht er die verkuschelte und ?berverwaltete Gegenwart?

Auch die Museen h?ngen sich an den Trend. Die gr??te Schau wird derzeit in Berlin vorbereitet. F?r die geplante 'nationale Geschichtsausstellung' im Zeughaus sammeln die Macher bereits Hellebarden, Morgensterne und 'Mord?xte'. In den kommenden Wochen trifft ein gotisches Stadttor mit dem Tieflader in der Hauptstadt ein."


Wenn dann im magazintypischen Stil die ohnehin superdramatisch komponierten Geschichten der Geschichte weiter komprimiert werden, bleiben immer deutlicher die M?nnerphantasien ?brig:

"Dabei erschlie?t sich die blutvolle B?hne der Vorfahren am besten ?ber ihre Hauptfiguren. Glanzvolle Tatmenschen traten dort auf, Prahlh?nse und traurige Tyrannen.
Beispiel: Friedrich Barbarossa (1122 bis 1190). Mindestens acht S?hne zeugte der Kaiser, der Mailand in Asche legte und im reifen Alter eine sch?ne Lolita heiratete."


Das ist nat?rlich alles bewiesen und wird entsprechend angepriesen:

"Begleitet von Ferkeln und Sauhirten, dazu Huren im Tross, den 'H?bschlerinnen' (die Meyer durch das Auffinden vom Armreifen aus Glas indirekt nachweisen konnte) - so sieht das Bild der edlen Streiter aus, die sich anschickten, das Grab des Erl?sers zu befreien."

Dabei ist der Zweifel im Grunde l?ngst pr?sent, wenn zum Beispiel gefragt wird:

"Wie war es m?glich, dass der Naturforscher und Arzt Paracelsus (1493 bis 1541) die bet?ubende Wirkung des ?thers zwar erkannte, sie aber nie am Menschen anwendete?"

Denken Sie mal dr?ber nach.
4.11.05 15:54


Russische Geschichtspolitik

"Die Polen bem?ngeln, dass noch immer eine offizielle Entschuldigung Moskaus f?r das Massaker von Katyn fehlt - dort hatte 1940 der sowjetische Geheimdienst ?ber 21000 polnische Offiziere und Intellektuelle erschossen, darunter Verwandte Kaczynskis.

Auch dass Moskau dieses Jahr erstmals den 4. November als Nationalfeiertag begeht, irritiert. Er gilt als der Jahrestag des Sieges ?ber polnische Interventen im Jahre 1612 - neuerdings ein 'Schl?sselereignis' der russischen Geschichte."


(Spiegel 44/05:125)
2.11.05 21:52


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