Das soll wohl Ihre Geschichte sein?
"Daß wir hier mehr einen Komplex abzustecken als präzise Angaben zu machen inmstande sind, hat einen recht handfesten Grund, der gerade einem nachdenklichen Leser unserer Weltgeschichte nicht verschwiegen werden darf. Im Hinblick auf die Fülle des griechischen Lebens in allen seinen Ausprägungen ist seine auf uns gekommene Hinterlassenschaft dem Umfang nach von erstaunlicher Dürftigkeit. Das meiste ist, so darf man unbedenklich sagen, einfach verloren, und die Aussicht, daß sich durch neue Funde an diesem Tatbestand etwas wesentlich ändert, ist so gut wie hinfällig. Nicht nur ist bloß ein geringfügiger Bruchteil der ungeheuren griechischen Literatur, der poetischen, philosophischen und wissenschaftlichen, erhalten, sondern - und dies fällt gerade für die historische Analyse ins Gewicht - es feheln auch so gut wie alle Angaben über die Verzahnung der individuellen Existenz der Intellektuellen mit der sozialen Ordnung. Kaum eine erschöpfende Biographie eines Philosophen oder Dichters gibt uns über seine Stellung in der Gesellschaft und über seine wirtschaftliche Basis Auskunft. Auch von daher ist es nicht verwunderlich, daß unser Klassizismus die Griechen fast gänzlich entkörperlichte und in einer reinen Sphäre schweben ließ. Selbstverständlich ist dieses Fehlurteil von der Wissenschaft prinzipiell längst revidiert worden, aber eine plastische Gegenzeichnung zu geben, war sie einfach mangels notwendiger Erkenntnisquellen nicht imstande, sosehr sich auch die realistische und bewußt sich historisch gebende Altertumswissenschaft des 19. Jahrhunderts darum bemühte. Die Mißlichkeit unserer Quellenlage macht sich besonders auf dem Gebiet der Wirtschafts-, Sozial- und Verwaltungsgeschichte bemerkbar.
(...)
Aus bestimmten hier nicht zu erörternden Gründen reicht die Erforschung der griechischen Geschichte kaum über das 18. Jahrhundert zurück..."
Heuß, Alfred: Einleitung, in: Propyläen Weltgeschichte, Dritter Band - Griechenland. Die hellenistische Welt, Frankfurt am Main 1991 (Berlin 1962), S. 19
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