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Gute Woche: Turbo-Trampen, triftige Talks, Torsun trinkt

Angesichts der Temperaturen aktivierte ich letzten Sonntag auf dem Weg aus dem Potsdamer Hauptbahnhof zur B2 den Turbo an meinem Daumen, so daß noch während ein älterer Mann mich freundlich darüber belehrte, daß es an dieser Stelle "nichts bringt", das Auto zum Michendorfer Rasthof (die Anschlußstelle wird immer noch umgebaut) anhielt, wo wiederum der erste Vorbeifahrende an der Ausfahrt die Beifahrertür öffnete. Ehemaliger Dresdner auf dem Weg nach Nürnberg, womit ich schon fast in Jena angekommen war. Er lernte das von mir so verehrte az conni erst ab 2000 kennen und hatte jetzt einige nicht so erfreuliche Dinge über Identitäts-Antideutsche in Dresden zu berichten. Ich nahm das Vorhaben mit, einen Sampler mit "Conni Classics" zusammenzustellen (demnächst beim Esel?) und im Februar in Dresden genauer hinzuhören.

Die Kurzstrecke nach Jena ging dann sehr flott, so daß ich insgesamt vier Stunden von Haustür zu Haustür gebraucht hatte und von den -15°C kaum etwas bemerkt hatte.

Die beiden Tage in Jena bescherten einen neuen Hit - "Kabelfreaks" von Bodenständig 2000 -, längere Gespräche über den Nutzen der Raumfahrt für die Umwelt, sowie eine neue (Beta-)Version von "Mass History" - Verherrlichung von Babylon, gebastelt von Timbou, gesungen von mir.

Wieder nur 5 Stunden brauchte ich am Mittwoch von Jena nach Karlsruhe (Auffahrt Lobeda - Eichelborn - Wetterau - Gräfenhausen - Bruchsal - Ausfahrt Durlach), wo mich ein langer Disput über das Selbst und kybernetische Beschreibung von Gesellschaft erwartete, am nächsten Tag gefolgt von einem Besuch bei Radio Querfunk, wo Neingeist mit mir eine Sendung über Entschwörungstheorie (90 MB mp3) aufnahm. Später überschüttete uns mit Manuel mit neuem Breakcore und anderen Electronica.

Am Freitag wurde ich in 7 Stunden von Karlsruhe nach Hamburg gebeamt (Auffahrt Durlach - Hardtwald - Wetterau - Seesen - Hamburg) und traf zwischendurch auf einen Bewohner von Thales Nachbardorf Timmenrode, der einst von unserem Hausnachbarn in Mathe unterrichtet wurde. Dieser Polier dürfte der erste Ostler sein, der jemals mit mir ein Gespräch über Israel angefangen hat und dabei zugunsten Israels argumentierte. Belesen wie es DDR-Arbeiter zuweilen sind, war er über linken Antisemitismus verblüffend gut unterrichtet und diskutierte mit mir ausgiebig über meine vergleichende Betrachtung von Oktoberrevolutions-Geschichten. Nice.

Hamburg wurde zum Urlaub im Urlaub - scrupeda war von Berlin aus immerhin eine Stunde vor mir eingetroffen, wir quartierten uns fürs Wochenende beim wundervollen Peter Lau (brand eins) ein, wo wir in Comics, Musik und Wohlbefinden badeten.

Samstag abend erreichten wir zu spät die Schilleroper, wo drinnen Torsun seine lang angekündigte Trink-Lesung abhielt, aber bereits Einlaßstopp verhängt war. Wir überlegten, daß Torsun eigentlich daran gedacht haben müßte, sein Handy auszumachen, als er auf die Bühne ging. Dann dachten wir uns, hey, es ist Torsun und ich rief ihn an.

So bekamen wir zumindest die letzten Minuten noch zu sehen und es war eigentlich wie immer: Torsun trank (Korn aus dem Auschenbecher), redete lustiges Zeug und kippte irgendwann um. Zum Schluß bedankte er sich beim Publikum, zu so einem "ekligen Event" gekommen zu sein und meinte: "Ich wär nicht hingegangen."

Gestern (Sonntag) ging es zurück von Hamburg nach Berlin, mit dem Umweg über Potsdam, wo sich Uwe Topper im Geschichtssalon brilliant am Kalenderstein von Ravenna abarbeitete. Vorher hatten wir jedoch erschreckt feststellen müssen, daß der legendäre Horner Kreisel, eine der komfortabelsten und zuverlässigsten Trampstellen überhaupt, durch Baumaßnahmen tramperfeindlich begradigt worden ist (wie zuvor in den Neunzigern schon etwa Dreilinden auf der Avus). Wir mußten zwar trotzdem nur etwa 20 Minuten auf einen Lift warten, der Reiz am Horner Kreisel bestand aber bisher durchaus darin, daß auch Autofahrer, die keine Auffahrunfälle provozieren wollten, entspannt anhalten konnten. Vielleicht sollte dem Problem nicht mit einer Petition, sondern eher der Fahrbahnmarkierung mit einem Eimer weißer Farbe begegnet werden. Ebenso wie die DDR-Tramperversicherung wohl nicht mit Antichambrieren bei nostalgischen Linksparteilern zurückgebracht werden wird, sondern eher von den Versicherungen direkt verlangt werden muß. Wobei das mit der Farbe wohl wesentlich realistischer sein dürfte.

30.1.06 12:30
 



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