Über Romeros aktuellen Kinofilm ist viel geschrieben worden, wobei die meisten Deutungen sich sehr eng am Plot entlanghangeln. Nach meinen
Vorüberlegungen aus dem Frühjahr darüber, wie die Untoten als lebensunwertes Leben und ansteckende Kranke zum Target werden, fand ich die in "Land of the dead" vorgenommene Eskalation spannend. War gerade zuletzt versucht worden, noch lebende Menschen immer mehr wie Zombies darzustellen, um die Grenzen zu verwischen (etwa in "Shaun of the dead"), wirken nun umgekehrt die Zombies menschlicher, in den Momenten, in denen sie vom Feuerwerk abgelenkt in die Luft starren, erscheinen sie gar friedlich und kindlich. Zudem entwickelt sich unter ihnen Intelligenz, wie in so vielen Scifi-Szenarien muß es jedoch ein einzelner Anführer sein, der allen anderen mit seinen frisch erworbenen Fähigkeiten den Weg in die Schlacht weist.
Auf Seiten der Lebenden wird bereits von sensibleren Figuren die Unterscheidung zwischen einer Schlacht gegen die Zombies und einem Massaker an ihnen getroffen. Ein Zombie, der im Elektrozaun verbrennt, erweckt offenbar Mitgefühl. Der positive Held Riley weiß den ganzen Film völlig bescheid und handelt so, wie mir in der Schule vorbildliche Kommunisten präsentiert wurden. Ganz Vernunft, ist er frei von Lastern und denkt nur an den Nutzen für die menschliche Gemeinschaft, der er entfliehen möchte, um eine klassenlose Modellsiedlung aufzubauen. Ob seine angedeuteten Gedanken, daß das nur ohne Menschen geht ("Da ist doch niemand" - "Deshalb will ich dorthin"), sich dahin weiterentwickeln sollen, daß er es den Zombies zutrauen würde, bleibt Spekulation.
In jedem Fall steht seine Einsicht am Schluß des Films, daß auch die Untoten nur irgendwohin wollen - er gesteht ihnen also ein Existenzrecht zu. Damit ist gerade nach der Verlustrate an Lebenden während der Filmhandlung davon auszugehen, daß er riskieren würde, daß alle Menschen zu Untoten werden. In den dargestellten lebenden Toten spiegelt sich eine Menschheit der Ausgeschlossenen und Überflüssigen, welche die wenigen Nutznießer auslöschen wird und den Zustand der gegenseitigen Verletzung verewigt. (Was die Frage aufwirft, wovon sie dann leben. Ob sie ihre neugewonnene Intelligenz dazu einsetzen, sich ein paar Menschen zu halten? Ob wir in einer Forsetzung Riley als einen Zombie-Stalin erleben werden, der Menschenfarmen anlegt?)
Die noch größtenteils als instinktiv inszenierte Auflehnung der Untoten führt ihren Anführer, den "Brain-Zombie", zielsicher zum vermeintlichen Urheber der Probleme, dem reichen Drahtzieher, der wie die Hure Babylon gleich doppelt getötet wird. Diese Szene ist der klarste Verweis darauf, daß Romero eine wirre Gegenwartsdeutung anbieten möchte - irgendwas mit brennendem Benzin und herumfliegendem Geld -, die in ihrer Undeutlichkeit leider unsterstellt, daß der Riot schon die Richtigen erwischt, daß die Riot- und Firestarter sich gerade damit, daß sie alle auf ihr Level hinabzwingen, ein Lebensrecht erwirkt haben.
This might be our fucking future, und andere werden darin besser zurechtkommen als ich.