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Germany might trick me once.
Zur Dialektik von Dope und Mate.
Von Daniel Kulla.
(Vortrag GPN4 - Entropia, CCC Karlsruhe, Samstag, 19.30 Uhr, Intercal)

(Samples aus den B?chern "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams und "Die Entstehung der englischen Arbeiterklasse" von Edward Thompson, aus den Songs "Danke nein" von Koljah & Taiphun feat. H aka N)

"We get high on all types of drugs when all you really need is love to get by, just to get by", rappt Talib Kweli. Ist die Fremdsteuerung des K?rpers einmal etabliert, erm?glichen Drogen doppelseitige chemische Kompensation - zum einen f?r den realen Verlust an Lebendigkeit durch Arbeit und Konsum; zum andern daf?r, den Idealen der Verwertbarkeit nicht zu entsprechen, ihnen letztlich nicht entsprechen zu k?nnen.
England 1830: "Die Zunahme des Teetrinkens war zum Teil ein Ersatz f?r Bier, vielleicht auch f?r Milch. Die Zeitgenossen - allen voran Cobbett - sahen darin einen erneuten Beweis f?r die Verschlechterung ihrer Lage. Tee wurde als ?rmlicher Ersatz und - zusammen mit dem zunehmenden Spirituosenkonsum - als Hinweis auf ein Bed?rfnis nach Aufputschmitteln betrachtet, verursacht durch ?berlange Arbeitszeit und ungen?gende Ern?hrung."
Der aktuelle Zustand der un?bersichtlichen Drogengesetzgebung wird f?r das selbst?ndige Individuum noch durch die Abwesenheit eines gesicherten Erkenntnisstands ?ber Set und Setting, Wirkungsweise und Rahmenbedingungen erg?nzt. Das Risiko liegt beim Konsumenten, obwohl er es nicht kontrollieren kann. Die Informationspflicht liegt gleicherma?en bei ihm, obwohl Forschung und ihre Darstellung zur H?lfte illegal, zur H?lfte im Sinne der Hersteller verfremdet vorliegen.

Mit dem Rauch waren die ?berraschungen gekommen, im sich verdichtenden Nebel der Hackerrunde verschwanden sie wieder. Die eiligst - also in weniger als einer halben Stunde aus dem mehrere Meter entfernten Automaten - herbeigeholte Flasche Mate brachte sie dann nur teilweise zur?ck: die ?berraschungen. Was f?r ?berraschungen eigentlich? - Ach ja. Kong hatte von einem Buch herumgeschw?rmt, von dem wiederum seine politischen Kumpels ihm vorgeschw?rmt hatten, das aber niemand bisher wirklich gelesen hatte, weil es kein pdf davon gab. Jetzt wollte Bob, der mit der Mate in der Hand vor seinem Notebook wieder Platz nahm, danach suchen.
"Wie hie? das Teil noch mal?" fragte er.
"The Protracted Game", antwortete Kong. "Untertitel: A Wei Chi Interpretation of Maoist Revolutionary Strategy. Ist von einem Scott Boorman. Ist auch schon etwas ?lter irgendwie, aus den Sechzigern oder so."
"Schei?e, ich hab kein Netz", sagte Bob tonlos. Und rief laut in die Runde: "Hat sich der Server wieder verabschiedet?"
Aus dem Nachbarraum kam prompt die Auskunft: "Ich bin schon dran! Kann aber noch ein bi?chen dauern."
"Na gut, dann mu? uns Kong erz?hlen, was genau in dem Buch steht."
"Oh je, Offline-Debatte", witzelte Panda und verdrehte die Augen.
"Mu? ich? Naja", sagte er verlegen, w?hrend er in die Seitentasche seines Kapuzenpullis griff, "erstmal einen bauen."
Synchron zu Kongs Bewegungen packten auch die anderen so abrupt Entnetzten am Tisch flache, runde D?schen, Plastet?tchen und Feuerzeuge aus. Ohne Eile wurde gefaltet und geleckt. Nur Bob suchte nach einer Funkverbindung - was noch nie geklappt hatte. Er war im Grunde froh, durch seinen kurzen Ausflug zum Klo und zum Getr?nkespender wieder etwas n?chterner geworden zu sein und sagte: "Ich will ja nicht spie?ig klingen, aber wenn ich in breitem Zustand auch noch so viele Hintert?rchen und Umgehungen entdecke, durchgegangen bin ich eigentlich immer erst, wenn ich kurzzeitig mal klargesehen habe."
Die ausbleibende Reaktion, das anhaltende Rascheln und Knipsen ?berspielte er mit: "Wir hatten es aber gerade von dem Maoisten-Schinken. Was ist nun der Punkt?"
Kong st?tzte seine H?nde auf die Oberschenkel und blickte aus dem Fenster in den dunklen Hinterhof. "Irgendwie", fing er an, "geht es darum, da? Maos Volksbefreiungsarmee irgendwie mehr Go gespielt hat und die Kuomintang mehr Schach. Also, da? irgendwie die Strategie, die sie irgendwie gefahren sind, also", er leckte an seiner Bastelarbeit, "da? es bei der Kuomintang eher westlich abging, da? sie nur eins zu eins gek?mpft haben irgendwie und ein definiertes Gebiet besetzen wollten und kontrollieren irgendwie, da? aber Mao ganz anders an die Sache heranging. Also, Go hei?t auf chinesisch Wei Chi, und da gibt es sowas wie Hinterhalt und Umkreisungen, und das ist irgendwie nicht so statisch als Konzept."
"Das hei?t sozusagen, da? Guerillakrieg dem westlichen Denken widerspricht?" wollte Bob wissen.
"Naja", Kong angelte sich einen Ascher von der Mitte des Tisches, "f?r Mao waren die einzelnen Steine irgendwie nicht so festgelegt. Bei Go sehen die Steine ja alle irgendwie gleich aus und haben ihre Bedeutung nur nach der Stelle, an der sie liegen. Irgendwie."
Vom Ende des Tisches mischte sich Tascha ein: "Aber es geht doch schon um reale Leute, oder? Die sind doch eher nicht identisch?" Sie runzelte die Stirn.
"F?r Mao vielleicht schon", sagte Bob und lachte kurz.
"Oh Mann, ja", machte Kong, "aber darum geht?s doch gar nicht. Die Volksbefreiungsarmee hat irgendwie viel netzwerkm??iger gek?mpft, die einzelnen Teile wurden gleichberechtigt betrachtet und nur irgendwie nach ihrer aktuellen Funktion eingesetzt. Irgendwie."
Panda atmete seinen ersten Beitrag zur Nebelverdichtung aus und dachte laut nach: "Vielleicht war deshalb f?r Mao der Imperialismus ein Papiertiger, weil er nur nach klassischer Strategie so m?chtig wirkte, aber letztlich doch ausgetrickst werden konnte, wenn man einer anderen Logik folgte."
"Genau", setzte Kong triumphierend fort, "das ist eben wie heute im Nahen Osten irgendwie, wo sie auch eine andere Logik anwenden."
Bob versuchte, ihm mit einem Blick den Mund zuzun?hen. "Jetzt geht das wieder los", st?hnte er auf. "Was f?r eine Logik denn?"
"Na, sie f?hren die Amis an der Nase herum, indem sie ihnen zeigen, da? es nichts bringt irgendwie, das Land besetzt zu haben, wenn immer noch ?berall Bomben hochgehen."
"Das mu? man aber erst mal f?r eine gute Sache halten", wandte Tascha ein, die ihren kleinen Tribut an die marokkanische Landwirtschaft noch nicht zu gerollt hatte.
"Wenn sie?s anders nicht kapieren", erwiderte Kong patzig.
Bob schwieg. Er schien zu hoffen, da? sich das Thema von allein wieder erledigen w?rde, da? es sich wie meistens einfach in Luft bzw. Rauch aufl?sen w?rde. Seinen Spitznamen hatte er zwar urspr?nglich wegen seiner Begeisterung f?r eine psychoaktiven Gabber-Track erhalten, in dem es st?ndig "I got a Bob in here, I got a bob-bob-bob-bob" ging. Vor ein paar Monaten jedoch hatte er das K?rzel selbst auf den Song "B.O.B." von Outkast bezogen - "Bombs over Bagdad" - und das war kein Statement gegen den Krieg, weil er seine Mails gelegentlich auch mit "Bombs on Berlin" unterschrieb. Auch wenn er es ha?te, von den Antiimperialisten in die Schublade mit dem Aufkleber ?antideutsch? gesteckt zu werden, geh?rte er dort noch am ehesten hinein. Das Problem bestand darin, da? er als Insasse dieser Schublade im Grunde f?r fast alle anderen Menschen als verr?ckt galt, da? er aus dieser Schublade heraus nicht wirklich diskutieren konnte, weil seine ?u?erungen gar nicht beurteilt, sondern nur als unterschiedlich absurd eingestuft wurden. Sein Verweis auf die Zeitschrift Bahamas, die er noch am wenigsten irre fand, wurde wahlweise mit dem Dooffinden ihrer ?berschriften oder dem Statement "Das ist alles zu schlau" beantwortet.

Das Thema verschwand leider nicht so einfach, vielleicht, weil Tascha in der Zwischenzeit das Fenster ge?ffnet hatte. Kong beharrte: "Das zeigt doch, da? der Imperialismus irgendwie gar nicht so auf dem letzten Stand der Technik ist, wie er behauptet. Ich finde auf jeden Fall, da? die Guerilla-Taktik viel moderner irgendwie ist, auch viel eher eben hackerstyle, als die Amis mit ihrer hochgez?chteten Technik irgendwie, die dann doch nicht funktioniert." Er klang jetzt etwas maulig, weil er das Gef?hl hatte, da? ihn keiner richtig ernstnahm. Seinen Spitznamen hatte er sich zum ersten Mal in einem Spieleforum gegeben, in dem st?ndig seine selbstgebastelten Szenarien ?ber die Oktoberrevolution, den Spanischen B?rgerkrieg und eben den Vietnamkrieg als ideologisch bekrittelt worden waren - von den gleichen Leuten, die v?llig ideologiefrei deutsche Panzer ?ber die virtuell nachgestalten Schlachtfelder des Zweiten Weltkrieges steuerten. Auch wenn er es ha?te, von den Antideutschen in die Schublade mit dem Aufkleber ?antiimp? gesteckt zu werden, vor allem weil er sich selbst eher ins ?kologische oder vielleicht auch so globalisierungskritische Spektrum rechnete, sah er doch nicht ein, was daran schlimm sein sollte, den konkreten heutigen Imperialismus anzugreifen. Das Problem bestand darin, da? in dieser Schublade lauter Leute herumsa?en, mit denen er ums Verrecken nichts zu tun haben wollte. So oft er die Unterschiede zu den ?rechten? Antiimperialisten auch betonte, verwendeten die Antideutschen seine unfreiwilligen Kollegen dennoch gegen ihn. In den Texten, die er in Online-Diskussionen zitierte, fanden sie immer einen kleinen Haken, irgendwas Nebens?chliches, was sie f?r antisemitisch oder antiamerikanisch hielten - oder sie erkl?rten ganze Gedankeng?nge f?r "zu bl?d".

Jetzt hatte er aber den Eindruck, da? sich gerade Bob der Diskussion entzog - und zwar haupts?chlich, weil das besprochene Buch offensichtlich nicht in sein Bild pa?te. Kong wollte es ihm aber nicht so einfach machen und fragte ihn direkt: "Sehen f?r dich die Amis nicht irgendwie aus wie Dinosaurier? Ist das dezentrale Vernetzen von Volkswiderstand nicht viel moderner, als irgendwie old school ungebeten mit der Army irgendwo einzumarschieren?"

Bob drehte den Deckel seiner Mateflasche hin und her, gr?belnd, ob und wie er antworten sollte. Obwohl n?chterner als noch vor einer halben Stunde, fiel es ihm schwer sich zu konzentrieren, weil er st?ndig von dem Gef?hl befallen wurde, da? die Flasche in seiner Hand vibrieren w?rde. Er war sich auch unsicher, ob er vielleicht unbewu?t mit der Flasche herumwackelte - und ob das jemand mitbekam und blo? nicht sagte. Ob Tascha es mitbekommen und deshalb das Fenster aufgemacht hatte? Ob sie ihn f?r einen manischen Wichser hielt? Ob er vielleicht aus Versehen einen Spritzer Mate auf die Hose bekommen hatte?
Er kontrollierte sich, indem er ruckartig den Kopf senkte und die Mate beiseite nahm, wobei der lockere Deckel von der Flasche rutschte - und auf der bis eben v?llig sauberen Hose nun ein Fleck prangte.
Das machte Bobs Position etwas unvorteilhafter. Dachte er, weil sie alle wegsahen, um ihn zu dem?tigen. Er versuchte, sich etwas Originelles einfallen zu lassen, um von dem Problemkreis Vibration und Sperma abzulenken und so die Souver?nit?t zur?ckzugewinnen. Er sagte: "Die US Army ist auch ungebeten in Deutschland eingedrungen und ?h" - oh je, oh je - "hat hier bis heute v?llig ungebeten Spuren hinterlassen." In das allgemein einsetzende Gegacker rief er: "Ja, sie haben den deutschen Volksk?rper befleckt - mit Swing und Kaugummi und sp?ter auch mit eurem geliebten Dope!"
"Na, na, na", intervenierte Kong, der gerade einen besonders tiefen Zug genommen hatte und jetzt husten mu?te, "dieses Zeug haben wir ganz bestimmt nicht von den Amis. Hast du Str?bele auf der letzten Hanfparade geh?rt? Er sagte, da? hier bei uns viele aus den alten M?rchen Hanfseile und Hanfkittel kennen, die USA es trotzdem hingekriegt haben, Hanf auch in Europa zu Teufelszeug zu erkl?ren."
"Naja", meinte Tascha, "hast du schon mal dr?ber nachgedacht, warum es hierzulande in Heidelberg mit dem Dope richtig losging? Das waren schon die GIs aus dem amerikanischen Hauptquartier?"
Bob grinste: "Gerade in diesem Augenblick sympathisiere ich vielleicht sogar mit Johann Calvin, der alle ausn?chtern wollte, damit sie aus ihrer gemeinschaftlichen Rauschseligkeit aufwachen und erstmal mitkriegen, was ?berhaupt los ist." Er versuchte in mehreren Anl?ufen, die Beine so zu verschr?nken, da? der Fleck verdeckt wurde, was ihm nicht wirklich gelang, und fuhr w?hrenddessen fort: "Ich meine, eigentlich kiffen in Deutschland doch alle so wie sie saufen. Hauptsache viel, Hauptsache, m?glichst breit sein, am besten so tun, als w?re gar nichts. ?Bist du etwa schon breit?! Ich noch gar nicht. La? uns eimern!? Da? das Zeug auch anregend sein kann, merkt doch gar keiner mehr."
"Oh", sagte Panda, "ich habe letztens einen Kanadier T?ten bauen sehen, die nur aus Gras bestanden, Mann - da waren auch alle Lichter aus?"
Kong hatte innegehalten und nachdenklich sein Rauchwerk in den Ascher geh?ngt. "Aber das ist doch auch eine Fluchtstrategie irgendwie. Kiffen ist beim heutigen Leistungsdruck einfach irgendwie eine M?glichkeit, sich zu verweigern. Auch wenn ich meine Pflicht erf?llen will und diesen Drang partout irgendwie nicht wegkriege - bekifft bin ich einfach nicht mehr verwertbar."
"Ist das wirklich so?" fragte Tascha, deren Baustelle weiterhin unvollendet vor ihr lag. "Bem?hen sich nicht gerade die Hanfparade-Leute immer um den Nachweis, da? Kiffer trotzdem n?tzliche Mitglieder der Gesellschaft sind?" Sie betrachtete ihre Zusammenstellung gr?n-brauner F?den und Kl?mpchen und h?rte sich sagen: "Will den vielleicht wer anders anmachen?" Panda sah sie verwundert an: "Irgendwie sind alle schon versorgt. Au?er unser Ober-Calvinist da dr?ben?"
Dilemma, dachte Bob, ich kann doch jetzt nicht so stur sein und Taschas T?te zur?ckweisen. Andererseits sind wir sonst zusammen n?chtern. Beziehungsweise nicht ganz so zugeknallt wie der Rest vom Fest. Oder eben anders zugeknallt, nur angeknallt. Noch mal langsam: Wenn sie jetzt nichts raucht, wird es ihr so gehen wie mir gerade. Dann ist es vielleicht gar nicht dumm, etwas von ihr in den Mund zu nehmen. Und es k?nnte auch nicht dumm sein, selbst wieder ein bi?chen bekiffter zu werden. Oder lieber noch n?chterner? F?hle ich mich beobachteter oder entspannter? Will ich mehr mitkriegen oder weniger? Und was?
"Ne-hetz!" rief Panda und unterbrach damit die amoklaufenden Gedanken. Sofort klapperten die Tastaturen und die Augen waren wieder fest auf die Bildschirme gerichtet. Auch Tascha wandte sich von ihrem halbfertigen Stick ab und suchte im Netz nach Beitr?gen f?r die laufende Diskussion. Ihr waren die beinahe rituell gewordenen Schlagabtausch-Szenarien zwischen Bob und Kong, manchmal auch zwischen anderen anderswo, meist viel zu abgehoben und widerspruchsfrei, weshalb sie am liebsten Material aufsp?rte, das quer zum Streitthema lag oder die wirren Behauptungen falsifizierte. Wobei sie einr?umen mu?te, da? es schon eher Bob war, der sich wenigstens die M?he machte, auf ihre Einw?nde einzugehen und der es nicht einfach wie die anderen vorzog, auf einen anderen Punkt auszuweichen. Aber auch Bob hatte nie ihren eigenen Nick verwendet - Ada, nach der genialen Ada Lovelace -, weil er ihn wohl mehr noch als alle anderen mit Pornostar Linda Lovelace verwechseln mu?te oder wollte. Auf Ada hingewiesen, wurde von den Jungs immer mit prompter Verachtung f?r die gleichnamigen Girls' Day-Projekte (Slogan: "Was ich will, das kann ich!") reagiert. Unbek?mmert verwendeten sie also die Kurzform ihres Vornamens in Anlehnung an Tasha Yar aus der Next Generation bei Star Trek, weil f?r sie eine schlaue Frau immer gleich die Kampflesbe sein mu?te, die den heiligen Picard zu rabiaterem Vorgehen anstachelt, um ihn dann als genialen Diplomaten erscheinen zu lassen.

Als Ada Lovelace - achtzehnj?hrig - 1833 in die Londoner Gesellschaft eingef?hrt wird, bleibt Mary Somerville f?r die folgenden Jahre ihre bevorzugte Anstandsdame, denn sie verschafft Ada den begehrten Zugang zu den wissenschaftlichen Zirkeln und den "scientific people" von London. Der Mathematiker und Projektemacher Charles Babbage ist eine der Hauptfiguren dieser "Szene". Ada lernt ihn 1833 auf einer Party kennen. Auf einer seiner Abendgesellschaften nimmt sie Teil an der Vorf?hrung eines Demonstrationsmodells der "Difference Engine". Babbage, dem manche eine chronische Unf?higkeit zur Dokumentation seiner Arbeiten nachsagen, ermuntert dann 1840 Ada, die sich intensiv mit der neuen Analytical Engine befa?t hatte, selbst etwas zu schreiben. Ihr mathematischer Durchblick ging dabei so weit, da? sie Ungereimtheiten in Babbages Ablaufschema zur Errechnung Bernoullischer Zahlen entdeckte - es war dies das erste verb?rgte Debugging der Geschichte! Charles Babbage lobte die kluge junge Dame, die offenbar besser als die Kollegen die Bedeutung der "analytical" engine begriff. Das f?r damalige Vorstellungen recht ungleiche Wissenschaftler-Paar arbeitete von nun an eng zusammen, wenn es darum ging, die Grundlagen der Systemprogrammierung transparent zu machen. Auf einigen Gebieten der Umsetzung von Formeln in Funktionsschritte - heute w?rde man "Coden" sagen -, stellte Ada Gr?fin Lovelace ihren Lehrmeister in den Schatten seiner eigenen Maschine. Sie reflektierte auch ?ber das Problem der bedingten Verzweigung und erl?uterte die Prozedur. Sie erfand das Z?hlregister f?r iterative Abl?ufe, konzipierte ein bin?r-arithmetisches Rechenverfahren und ertr?umte sich programmiertechnische Kniffe, die vor dem Siegeszug der modernen EDV eigentlich kaum denkm?glich gewesen sein konnten. Um das Genie der Engl?nderin geb?hrend zu beurteilen, mu? man sich vergegenw?rtigen, da? das Ursprungsmodell des 1944 konstruierten Automatic Sequence Controlled Calculator in seinem Befehlssatz noch keinen Sprungbefehl enthielt; der wurde erst sp?ter hinzugef?gt, obwohl die Methode bereits seit hundert Jahren in Lady Lovelace' nachgelassenen Schriften stand. Ada Augusta Countess of Lovelace kam posthum zu Ehren, als ihr die computerbefa?te Fachwelt 1979 ein symbolisches Denkmal setzte: Die "Green Language", so der bis dahin g?ngige Arbeitstitel, wurde in "ADA" umbenannt. Es handelt sich um eine "high order language" f?r Real-Time-Programmierung, die das amerikanische Verteidigungsministerium in Auftrag gab, in dem nun bei jedem Befehl ein kleiner Anerkennungsimpuls mitschwingt, ein Erinnerungsbit an die wenig bekannte Tatsache, da? der erste Programmierer der Welt eine Frau war!

Das erste, was die lieber Ada genannte Tascha jetzt im Netz fand, waren Angaben ?ber die beiden politischen Lager, denen sich Bob und Kong angeblich nicht zurechnen lassen wollten. Sie las vor: "Nach Verfassungsschutz-Angaben gibt es 50 Antiimperialisten in Berlin, doppelt so viele im Bundesgebiet; 1000 Autonome in Berlin, doppelt so viele bundesweit, von denen etwa die H?lfte sich als antideutsch bezeichnet oder so zugeordnet wird. Sie sagen im Bericht von 2004 lapidar, da? erstmals Linksextremisten gegen Linksextremisten demonstriert haben. Nach Angaben der Zeitschrift Bahamas sind 90% der Deutschen Antiimperialisten, allen voran Franz M?ntefering und Horst Mahler. Nach Auffassung des kommunistischen Apokalyptikers Robert Kurz aus N?rnberg ist die H?lfte der linksradikalen Szene ? das sind dann mehr als 10000 Personen - wegen der antideutschen ?bernahme vormals linientreuer Zeitschriften ins antideutsche Lager verf?hrt worden."
Bob fuhr gleich dazwischen, als w?re aller Nebel aufgel?st: "Nach meiner Auffassung waren die meisten Deutschen in den letzten 500 Jahren Antiimperialisten, angef?hrt von Thomas M?ntzer, Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Engels."
Panda: "Thomas M?ntzer?"
"Ja, Thomas M?ntzer. Das Imperium waren nat?rlich die katholischen Habsburger, die die Welt beherrschen und besitzen wollten, Rettung war nur durch radikale Gleichmacherei und R?ckbesinnung auf Scholle und Kreuz m?glich. Die Hure Babylon jedoch, die im p?pstlichen Avignon sa?, sollte vernichtet werden, wie es Johannes von Patmos vorausgesagt hatte. Und den Bl?dsinn quatschen immer noch die ganzen Befreiungstheologen und Rastafarians nach."
"Ach komm", wehrte Panda ab, "du willst mir jetzt erz?hlen, der beknackte Kleinkrieg, den ihr f?hrt, ist der Kampf zwischen Gut und B?se seit dem Ende des Mittelalters. Nehmt ihr euch nicht ein bi?chen wichtig?"
Bob stoppte seine Tirade und nestelte wieder an der Mateflasche herum. Er schaute in eine Ecke des Raumes und schien auch ohne Worte zu sagen, da? ihn wieder mal niemand verstand. Er dachte daran, da? die Ereignisse der 1520er Jahre bis heute in ihrer Interessenlage unscharf geblieben sind, hat nicht zuletzt damit zu tun, da? der sich artikulierende Unmut nicht haupts?chlich auf eine Verbesserung der Lebensumst?nde ausgerichtet war, sondern bereits erschreckend deutsch nach einer Nivellierung des sozialen Niveaus und dezidiertem R?ckschritt gerufen wurde. Die erhaltenen Forderungskataloge der aufst?ndischen Bauern verlangen nicht etwa, die Gewinne der Handelsgesellschaften auszusch?tten, sondern die Zerschlagung der Fugger, die im Abla?handel mit dem "christlichen Gewissen Schacher" getrieben h?tten. Auch der Slogan "Stadtluft macht frei" erfreute sich geringer Popularit?t, die St?dte ? Metropolen wie Leipzig oder Zwickau z?hlten gerade 7000 Einwohner - sollten zur?ckgebaut und die Menschen wieder im L?ndlichen angesiedelt werden, nicht nur wegen der immer wieder angef?hrten Gesundheit, sondern tats?chlich, um sich nicht weiter an der "Natur" zu vergehen. Schlie?lich wurde analog zum Arbeiterkult sp?terer Jahrhunderte das "Beackern der Scholle" verherrlicht und f?r unterschiedslos alle zur gemeinschaftlichen Pflicht erhoben, das Ganze unter der Knute einer nicht b?rgerlich privatisierten Religion, sondern des vergemeinschafteten Christentums. Diese angestrebten Zust?nde wurden vorwiegend mit den Begriffen "himmlischer Frieden" und "christliche Liebe" bezeichnet.

"Geist gegen Buchstaben", sagte Bob kurz, "das war der Slogan von M?ntzer. Also konnte er als Prophet alles so auslegen, wie es ihm pa?te." Er hatte eine Seite mit M?ntzer-Quotes gefunden und trug sie vor: "Zum Beispiel: 'Die Gottlosen haben kein Recht zu leben' oder: 'Man mu? Unkraut ausraufen aus dem Weingarten Gottes in der Zeit der Ernte. Dann wird der sch?ne rote Weizen best?ndige Wurzeln gewinnen und recht aufgehen. Die Engel aber, die ihre Sichel dazu sch?rfen, sind die ernsten Knechte Gottes, die den Eifer g?ttlicher Weisheit vollf?hren.' Kurz vor seinem Tod, schon nach der Gefangennahme und Folterung, wirft M?ntzer dem 'Volk' noch vor, da? es ihn 'nicht recht verstanden' habe, sondern 'allein nach Eigennutz getrachtet, der zu Untergang der g?ttlichen Wahrheit f?hrt.'"
Eine Weile war es ruhig, nur die Tasten waren zu h?ren, es wurde nachgeladen.
"H?rt mal", sagte Tascha, "ich habe die beiden popul?rsten Songs der antideutschen Weblogs am Start. Vielleicht entspannt das ja die Lage. Der erste ist von Hakan, Koljah und Taiphun und hei?t 'Danke nein'." Nach einem lustigen folkloristischen Geklingel setzte ein recht dicker Midtempobeat ein, der sogleich berappt wurde:

Danke nein, ich mein dein Style ist schon fresh/
und die Rhymes sind echt nett doch du peilst - scheinbar
irgendwie gar nichts und erz?hlst irgendn Mist, den ich
nich supporte tut mir leid ich hab kein Bock auf son Dreck/
ich wei? - keiner ist perfekt, sei es in der Technik/
oder in den Flows aber wichtig ist die Message/
und - genau da ist das Problem, ich bin nicht 50 Cent/
weil ich nich in Clubs geh und Frauen auch nicht Bitches nenn/
tut mir leid, - ich will der Jugend was sagen/
ich will keine MC?s die dauernd Schwule verarschen/
keine Rapper, die hier dauernd Judenwitze bringen/
ich brauch auch keine Westen die kugelsicher sind/

danke nein, ich mein dein style is schon fresh/
und wenn ich ehrlich bin, ich h?r manchmal heimlich die tracks/
denn es is tight, wie du rappst - doch das is leider schon alles/
ich schau mich um und merk, du bist so schei?e wie alle/
du machst das gleiche wie alle ? homophobe phrasen dreschen/
f?r die verharmlosung von auschwitz sollte man dir die nase brechen/
ich muss kotzen, wenn ich h?re, wie du typ von frauen sprichst/
ich kotz auf all deine sachen, w?hrend du noch beim sound-check bist/
~ ich glaube nicht - dass die leute meine texte m?gen/
doch ich schei?e auf die leute, weil sie DEINE texte m?gen/
ich bin anti reaktion, also anti deutschrap/
ich bin anti alles, homie, check was das bedeutet

Jetzt wurden eine Reihe von Samples abgefahren, die im Sinne des Textes der Distinktion dienten. "Bis hierhin hab ich gar nichts dagegen", sagte Kong. "Eigentlich ist das jetzt nicht so besonders antideutsch, finde ich. Es ist einfach irgendwie nicht so bl?d wie das meiste andere."
Panda nickte: "Der Diss ist zur Abwechslung mal nachvollziehbar, nicht einfach blo? sinnloses Rumgebattle. Oh, jetzt kommt die n?chste Strophe..."

danke nein, ich mein dein - style ist schon fresh/
und zur Zeit bist du wohl die Nummer - eins im Gesch?ft/
mit den - hei?esten Chicks - ready for the Lapdance/
und laberst in den Texten was von Battlen mit ner Mack 10/
aber sorry man, mir geht es nicht um?n Schmuckstein/
ich rede von meinem Leben pack die Seele in die Hookline/
und ich schei? auf dich und deinen harten Lebensstil/
du willst immer Krieg bis du dann die Tagesthemen siehst/
--- dann f?hlst du dich gezwungen dar?ber zu schreiben/
von wegen alle T?rken sind Kanacken und so ne Schei?e/
junge, das hier is kein Fingerzeig noch so?n unbewusster
dummer spruch dann schlage ich dich windelweich/

danke nein, ich mein dein style is schon fresh/
du hast fame und cash, du bist einfach der chef/
und ein kleines bisschen bin ich sogar neidisch auf dich/
doch dann f?llt mir wieder ein, du bist kein kommunist/
~ jedenfalls empfind ich ekel vor dir/
weil du den status quo unbewusst reproduzierst/
in deinen videos seh ich nur verdammte machos/
du hast bestimmt nen anti-kriegs-track, bestimmt hei?t der "fuck bush"/
oh, wenn du hiphop bist, bin ich wohl doch was anderes/
du representest deine stadt, ich find meine so langweilig/
also bring dich um, homie, irgendwann mu? schlu? sein/
hakan, gib mir bitte noch einmal die hookline/

Danke nein, ich mein lass es bitte sein/
grab dich und deine Tracks in der Plattenkiste ein/
Danke nein, dein Schei? ist nicht in meinem Toleranzbereich/
Hakan, koljah und tai phun sagen danke nein!

Mitten in der letzten Strophe hatte Kong aufgeh?rt mitzuwippen und wirkte jetzt betreten. Panda sah ihn belustigt an und frotzelte: "Ist doch anders, wenn es um einen selber geht, wa?"
"Aber irgendwie", fing Kong an, "ist doch der Punkt irgendwie blo?, da? es alle machen, also da? alle gegen Bush sind. Das ist doch kein Argument irgendwie."
"Das ist auch kein Flugblatt", erwiderte Tascha. "Ich fand's erstaunlich nett, wie sie das gebracht haben. Soll ich den anderen Song auch noch anmachen?"
Kong zuckte die Schultern: "Mal eine Strophe oder so."
"Der hei?t 'Trick me once' und ist offenbar auf den Kelis-Song draufgebaut worden, den mit dem knallorangenen Video."
Die bekannte Rhythmusspur setzte ein, nur etwas langsamer, wieder HipHop...

Und die Antiimp-Kiddies in meiner Stra?e lallen:
"Das Kapitalverh?ltnis aufheben? Da mu? es erstmal runterfallen..."
Und ich sag: "Es ist schon unten, es ist der Boden,
auf dem ihr rumlauft, der euch festh?lt mit Gravitation."
Wenn sie ?berhaupt mal vom 'Aufheben' reden,
statt wie meistens einfach "Abschaffen!" zu blaffen,
womit sie meinen, die Hure Babylon zu ficken,
sie zu vergewaltigen und in die H?lle zu schicken.
Doch wenn ihr Babylon anz?ndet, hol ich die Feuerwehr,
denn apokalyptische Rauchs?ulen gab's in der Geschichte schon mehr.
Und ich kauf' euch eure Ideale nicht mehr ab,
weil ihr sie viel zu oft und live vor meinen Augen verraten habt.
Und es sieht so aus, als w?re das gerade meine einzige Wahl
Ihr habt mich einmal verarscht, es gibt kein zweites Mal!

Might trick me once won't let you trick me twice

"Das ist ja lustig", befand Bob, "in welchen Weblogs haben sie denn abgestimmt? Das kenne ich ja gar nicht..."
"Ich hab das nicht ganz verstanden", sagte Panda, "Was sollte das mit Aufheben und Abschaffen?"
Bob grinste wieder: "Das l??t du dir am besten von Kong erkl?ren."
Der winkte ab und begann ein weiteres Bauwerk: "Du willst mich ja blo? vorf?hren, weil du meinst irgendwie, alle Politik ist sinnlos, aller Widerstand ist falsch, bevor er nicht der heiligen Aufhebung dient. Irgendwie m?ssen wir alle Enthaltsamkeit ?ben, weil jede andere Revolution irgendwie heute nazim??ig w?re. Und damit hast du irgendwie 'ne prima Ausrede daf?r, irgendwie nichts zu machen und st?ndig irgendwie rumzust?nkern."
"Es w?re schon besser", sagte Bob, "wenn es besser w?re. Das klingt immer so, als w?rde ich alles doof finden m?ssen. Aber es ist doch doof. Deutschland ist schei?e, die Krise h?rt nicht auf, die Leute werden immer stromlinienf?rmiger und langweiliger, keiner versteht mehr einen halbwegs komplexen Gedanken und die meisten verstehen nicht mal mehr ihre verdammte Textverarbeitungssoftware."
Panda wunderte sich: "Aber dann m??te man doch gerade was machen!"
"Das denke ich ja auch immer", sagte Bob, "und dann macht man auch st?ndig irgendwo mit und l??t sich zum Beispiel von den Gutmenschen gegen Naziaufm?rsche benutzen und am Ende hei?t es nur: Unsere Stadt ist so toll, hier gibt es keine Nazis. Wenn ich dar?ber abstinke, wie sehr sich politische Bet?tigung st?ndig selbst ins Knie schie?t, dann meine ich durchaus mich selber."
"Du hast mein Mitgef?hl", sagte Tascha ironisch.
"Und was hei?t nun Aufheben", wollte Panda noch mal wissen.
Bob seufzte: "Es ist eigentlich ganz einfach. Den Kapitalismus abschaffen ist im wesentlichen das, was im 20. Jahrhundert immer wieder versucht wurde. Die Reichen wurden enteignet oder die vermeintlich Schuldigen an der Misere massenhaft umgebracht, danach wurde die Wirtschaft verstaatlicht oder in einzelnen F?llen auch wirklich vergesellschaftet ? aber der Haken war immer, da? man eben etwas abgeschafft hatte, nicht ?berwunden. Man fiel jedes Mal hinter den Kapitalismus zur?ck. Der Einzelne galt weniger, Abweichung wurde h?rter bestraft, Recht war kaum einklagbar und der gr??te Vorzug am Kapitalismus, auch wenn Kong das anders sehen mag, n?mlich der, da? er Unmengen von Werten akkumuliert, wurde ausgesetzt. Es w?re jetzt unglaublich sch?n, sagen zu k?nnen, wie es anders gehen soll, aber das wei? eigentlich keiner. Und so lange f?hle ich mich ziemlich doof dabei, st?ndig 'Danke nein' sagen zu m?ssen und nur ganz selten mal irgendwas sinnvoll finde." Bob wirkte jetzt mi?mutig und achtete ?berhaupt nicht mehr auf den immer noch gut sichtbaren Fleck auf seiner Hose.
"Vielleicht ist es auch einfach alles noch nicht so weit", sagte Panda aufmunternd.
Bob blickte ihn wenig aufgemuntert an: "Vielleicht haben wir die Gelegenheit ja auch schon verpa?t und fallen jetzt langsam wieder runter."
"Ich habe hier einen Text aus dem Telepolis-Forum ?ber die Gesamtlage", meldete Tascha. "Der klingt eigentlich super optimistisch, da wird wohl wieder irgendwas nicht dran stimmen, aber h?rt mal:

Ich glaube nicht, da? die Mitarbeiter in den Medienindustrien den freien Kopierern so feindselig gegen?berstehen, wie sie es der ?ffentlichen Auseinandersetzung nach zu tun scheinen. Im Grunde sind die "Raubkopierer" (wie die meisten Hacker): gute Konsumenten. In den letzten Jahrzehnten wurde von Medienindustrie das Bild vom immer unmittelbareren Konsum aufgebaut, immer schneller, immer billiger.
Zumindest in der Werbung wurde bereits ein infitesimaler Aufwand f?r den Konsum verherrlicht. Die begeistertsten J?nger dieses Konzeptes, die besten Konsumenten sozusagen, kamen irgendwann zu dem naheliegenden Schlu?, da? optimaler Konsum nichts mehr kostet und in no-time passiert. Das wurde von der realen M?glichkeit der P2P-Netzwerke bef?rdert.

Das gleiche ist auf einer anderen Ebene in den letzten 100 Jahren schon mal passiert - nur da? dabei die Optimierung der Produktion (geringerer Aufwand, geringere Arbeitszeit) die Zielvorstellung war. Mit der Konsequenz der optimalen Produktion, die nahezu keinen Aufwand und geringf?gigen Zeiteinsatz erfordert.

Die Reaktion der 'Industrie' auf diese Entwicklung war auch in diesem Fall keineswegs die (umsatzsch?digende) Verringerung der n?tigen Arbeitszeiten, au?er in begrenztem Rahmen, um Aufst?nden vorzubeugen. So sehr sie aufgrund des Umsatzdrucks gezwungen war, Automatisierung (und heute die Verbreitung von Kopiervorrichtungen aller Klassen) zu forcieren, so sehr erzeugte sie damit "b?se" Arbeiter und "b?se" Konsumenten, die die entspannte Welt der Freizeit oder gar der Nicht-Arbeit hinter einem d?nnen Schleier sehen konnten. Und k?nnen.

Eine weitere "Bedrohung" der Gegenwart, die nur f?r die 'Industrien' eine darstellt, sehe ich darin, da? durch bestimmte technische Entwicklungen die Grenze zwischen Konsum und Produktion zu verschwimmen beginnt. Drucker und Scanner in Privathaushalten haben zahlreiche Funktionen der gewerblichen Vervielf?ltigung, von Verlagen wie Beispielsweise von Fotogesch?ften ?bernommen. Die Weiterentwicklung dieser Ger?te in Richtung dreidimensionale Datenformate erm?glicht bald die private Herstellung von Gegenst?nden nach aus dem Netz gezogenen oder selbstentwickeltem Strickmuster.

Das h?rt sich danach an, da? bestimmte Sachen erst jetzt gehen, da? wir uns bisher eigentlich gar nicht wundern d?rfen, da? es noch nicht geklappt hat."
Panda: "Das klingt genehm in meinen Ohren. Wir sind an der Hauptkampflinie und bei den Guten, also den B?senTM."
Alle blickten zu Bob, der ganz ?berrascht davon die H?nde hob und sagte: "Ich finde das auch okay. Die Begriffe sind etwas schief, aber es ist okay. Blo?", er nahm einen Schluck Mate, "das klingt trotzdem, als w?rden die Leute es zwangsl?ufig kapieren und das vergangene Jahrhundert sagt vor allem eins, n?mlich, da? sich die Mehrzahl weiterhin mit H?nden und F??en dagegen wehrt, da? es anders wird."
Fast gleichzeitig st?hnte die Runde auf, Taschas vorwurfsvoller Blick sagte sowas wie: Dir kann man es aber auch gar nicht recht machen. Bob hob wieder H?nde und sagte: "Das hei?t auch nicht, da? es nicht klappen kann." Nach einer kurzen Pause f?gte er hinzu: "Ich will ja gar nicht immer n?rgeln, aber naja."
"Es k?nnte also so sein", sagte Tascha vorsichtig, "da? die Leute sich auch dagegen wehren, da? sie in den tollen neuen M?glichkeiten wieder nur die b?se Globalisierung ? sorry, Kong ? sehen, es k?nnte aber auch passieren, da? wir es einfach so weit treiben, da? sich die bessere Welt so deutlich abzeichnet, da? sie endlich einsehen."
Kong, der sich in den letzten Minuten haupts?chlich mit seiner Atmung und dem Formen von Rauchringen besch?ftigt hatte, sagte: "Global ist doch irgendwie vor allem der Widerstand. Ich meine irgendwie, das, was wir am Anfang beim Wickel hatten irgendwie, da? sich ja gerade die Gegner der Globalisierung vernetzen und modernisieren ? ist das nicht auch irgendwie ein Beitrag? Kannst du das vielleicht blo? nicht sehen, Bob, weil du irgendwie immer Civilization spielst, was letztlich einfach Schach ist, so wie immer irgendwie?"
"Willst du mich jetzt wieder zu Echtzeitstrategie bekehren?" fragte Bob zur?ck. "Dieses hektische Geklicke ohne Bedenkzeit, bei dem die Menschheitsgeschichte auf zehn technische Neuerungen reduziert wird? Ich wei? ja nicht."
"Immerhin", gab Panda zu bedenken, "ist das viel beweglicher und frischer als deine rundenbasierten Games. Man wird flexibler dabei, finde ich. Kennt ihr diesen Text ?ber die gef?hrlichen B?cher?"

Isn?t the extraordinary success of the "Harry Potter? novels better news for the culture than the equivalent success of "Grand Theft Auto III?? Steven Johnson?s response is to imagine what cultural critics might have said had video games been invented hundreds of years ago, and only recently had something called the book been marketed aggressively to children:
Reading books chronically understimulates the senses. Unlike the longstanding tradition of gameplaying?which engages the child in a vivid, three-dimensional world filled with moving images and musical sound-scapes, navigated and controlled with complex muscular movements?books are simply a barren string of words on the page. . . .
Books are also tragically isolating. While games have for many years engaged the young in complex social relationships with their peers, building and exploring worlds together, books force the child to sequester him or herself in a quiet space, shut off from interaction with other children. . . .
But perhaps the most dangerous property of these books is the fact that they follow a fixed linear path. You can?t control their narratives in any fashion?you simply sit back and have the story dictated to you. . . . This risks instilling a general passivity in our children, making them feel as though they?re powerless to change their circumstances. Reading is not an active, participatory process; it?s a submissive one.
He?s joking, of course, but only in part. The point is that books and video games represent two very different kinds of learning. When you read a biology textbook, the content of what you read is what matters. Reading is a form of explicit learning. When you play a video game, the value is in how it makes you think. Video games are an example of collateral learning, which is no less important.

Bob blieb in seiner Verteidigungshaltung: "Ja, das ist lustig, aber wir sind ja hauptberuflich jung, wir werden immer dazu benutzt, die Leute noch weiter anzutreiben, sich noch weiter zu verbiegen. Aber wenn die Unternehmer jammern: Oh, die Arbeiter sind ja so unflexibel! - dann sagt keiner: Jetzt habt ihr sie verbogen, jetzt m??t ihr auch... Ich meine, es waren dann immer ?ltere Menschen, die einfach mal sowas wie die Waschmaschine erfunden haben, damit sich die Hausfrauen nicht mehr so abrackern mu?ten. Ich halte flexible Leute nicht gleich f?r einen Gewinn. Die Hackerromantik, bei angeliefertem Fastfood vor den Bildschirmen die N?chte durchzumachen, ist in weniger als zwei Jahrzehnten Tausenden von Werkt?tigen als Dauerbelastung auf den Hals gekommen. Bob Black blieb 1981 eine einsame Stimme, als er meinte, da? wir den Versprechungen der Informatiker gegen?ber skeptisch sein sollten, weil sie wie die Hunde arbeiten."

Im Forum des Online-Magazins Telepolis wird ein Artikel ?ber Internetsucht zerrissen. "Schlecht erfunden, die brauchen wohl neue Patienten", hei?t es. "Alles Quatsch - ich kann mit dem Netz gut umgehen", sagen viele andere. Ein einziger Beitrag weist daraufhin, da? es bei Sucht nicht um die geht, die mit etwas umgehen k?nnen, sondern um die, die das nicht schaffen. Eine Betroffene sch?ttelt virtuell die Hand.
Aus der gro?en Verbreitung von Netzanschl?ssen erw?chst gleich die n?chste Verbindlichkeit. Viele Beh?rdenformulare gibt es nur noch als pdf-Dateien, Banken bieten zahlreiche Dienstleistungen nur noch online an, Sch?lerfragen werden mit dem Verweis "irgendwo im Netz" abgespeist. Die gelangweilte Replik der Sachbearbeiter an die Zusp?tkommer lautet: "Haben Sie denn unsere E-Mail nicht erhalten?"
Mr. Prosser sagte: "Sie hatten ja durchaus das Recht, zu geeigneter Zeit Vorschl?ge und Proteste zu ?u?ern.''- "Zu geeigneter Zeit?'' schimpfte Arthur. "Zu geeigneter Zeit? Zum erstenmal habe ich was davon geh?rt, als gestern ein Arbeiter bei mir aufkreuzte. Ich fragte ihn, ob er zum Fensterputzen gekommen w?re, und er sagte, nein, er sei gekommen, um das Haus abzurei?en. Nat?rlich hat er mir das nicht gleich gesagt. Nein, erst hat er ein paar Fenster geputzt und auch noch f?nf Pfund daf?r verlangt. Dann erst hat er's mir gesagt.'' -"Aber Mr. Dent, die Plaene lagen die letzten neun Monate im Planungsb?ro aus.'' - "O ja. Als ich davon h?rte, bin ich gestern nachmittag gleich r?bergegangen, um sie mir anzusehen. Man hatte sich nicht gerade viel M?he gemacht, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Ich meine, da? man's jemandem gesagt h?tte oder so.'' - "Aber die Pl?ne lagen aus...'' "Lagen aus? Ich mu?te schlie?lich erst in den Keller runter...'' "Da werden sie immer ausgeh?ngt.'' "Mit einer Taschenlampe.'' "Tja, das Licht war wohl kaputt.'' "Die Treppe auch.'' "Aber die Bekanntmachung haben Sie doch gefunden, oder?'' "Jaja'', sagte Arthur, "ja, das habe ich. Ganz zuunterst in einem verschlossenen Aktenschrank in einem unbenutzten Klo, an dessen T?r stand: Vorsicht! Bissiger Leopard!"
Wenige besitzen die Souver?nit?t eines Peter Lau, der sich das beliebte Hackerschimpfwort vom DAU, dem D?mmsten anzunehmenden User, auf die Brust heftet. "Die Technik muss sich mir anpassen, nicht ich mich der Technik", sagt der Kulturredakteur von brand eins lapidar.

Dresden-Neustadt. Der Besitzer des Zeitschriftenladens br?tet ?ber einem Katalog, bis es ihm entf?hrt: "Was hamen die alle mit den Navigationssystemen?! Wer brauchtn so'n Schei?? Sind die alle zu bl?d, 'ne Landkarte zu lesen?" (Wobei der Trick darin besteht, da? es in vielen Autos keine Karte, sondern nur einen Navigator gibt, mit dem der Fahrer nichts anfangen kann. Meistens gibt es jedoch weder noch und die Navigation erfolgt nach bereits bekannter Strecke oder der deutschesten aller Methoden: Fahren nach Ausschilderung.)

"Aber ihr fahrt euch schon wieder fest", konstatierte Tascha. "Das Entweder-oder sehe ich so gar nicht. Ich spiele Europa Universalis, das ist historischer als Civilization und es mischt Elemente von Echtzeitstrategie und eben eher schachartigen Spielen. Es gibt auch jenseits von Schach oder Go, um noch mal darauf zur?ckzukommen, noch sowas wie japanisches Schach, bei dem es zwar Figuren mit verschiedenen F?higkeiten gibt, diese sich aber w?hrend des Spiels betr?chtlich wandeln k?nnen. Deswegen jetzt die japanische Kriegf?hrung im Zweiten Weltkrieg zum Modell f?r die Zukunft zu erkl?ren, f?nde ich aber Quatsch. Will eigentlich au?erdem nicht endlich mal jemand meine T?te haben? Ich bin gerade wirklich nicht so drauf."
Panda, ganz unschuldig: "Eh' ich mich schlagen lasse... Aber auf jeden Fall geht es doch auch darum, da? wir als Hacker nach den Hintert?rchen suchen und demonstrieren, da? jeglicher Plan nicht aufgeht. Da? die Nazis vielleicht h?rter zuschlagen k?nnen und disziplinierter sind, wie Katja Kipping von der PDS sagt, da? sie ihre Netzportale aber nicht gegen uns abgesichert kriegen. Da? aber andererseits auch der chinesische oder japanische oder welcher Plan auch immer nicht aufgeht."
"Das h?ngt aber davon ab", sagte Bob jetzt etwas weniger defensiv, "wie sehr wir selbst drauf reinfallen. Schon dieses 'Wir Hacker' ist doch K?se, damit tappst du doch schon in die erste Falle. Die meisten Hacker suchen doch immer nur nach den Haken bei den anderen. Man hackt eben die Firma, f?r die man gerade nicht arbeitet. Im Chaos-Jahresr?ckblick sind ganz zuf?llig die allermeisten Meldungen aus den USA und Israel. Wir kokettieren damit, da? wir Verschw?rungstheorien besonders gut geblickt haben und trotzdem pushen wir sie wie sonst niemand. Warum sa?en Br?ckers und Wisnewski auf dem Chaos Camp und niemand widersprach ihnen? Weil es eben doch sowas wie Lieblingsfeinde gibt und die rein zuf?llig doch voll auf der Linie der sowieso beliebtesten Verschw?rungstheorien liegen."
Panda widersprach: "Aber das sind doch Minderheiten-Standpunkte, die einfach mal ein Forum bekommen d?rfen."
"Global gesehen nicht. Zu behaupten, da? an der amerikanischen Ostk?ste unter dem Einflu? der j?dischen Lobby finstere Machenschaften im Gange sind, denen wir alles Ungl?ck auf der Welt zu verdanken haben, deckt sich mit der gegenw?rtig vielleicht popul?rsten Ideologie ?berhaupt."
Tascha wurde nachdenklich: "Naja, das pa?t schon zu dem, was ich mir gerade ?berlegt habe. Unsere liebe Kifferei leistet sicher ihren Beitrag dazu, da? wir auf sowas reinfallen. Ein bi?chen Dope sorgt f?r neue Assoziationen und ?berraschungen, aber viel davon die ganze Zeit macht schon paranoid genug, da? ich beginne, alles zu glauben, was nicht bei drei aufm Baum ist."
Panda fing an zu singen: "Ein Kr?mel ist genug, ein Kr?mel macht dich klug, jedoch ein fetter Br?sel macht dich ganz schnell zum Esel."
Kong sch?ttelte den Kopf: "Die meisten Leute auf der Welt kiffen doch gar nicht und die haben irgendwie trotzdem den Eindruck, da? von den Amis zumindest die meisten ihrer Probleme ausgehen. Ich finde irgendwie, ihr macht euch das zu einfach, alle Gegner der globalen Wirtschaft f?r bescheuert oder f?r bekifft zu erkl?ren."
"Davon hab ich gar nicht gesprochen", sagte Tascha. "Ich wei? nur, wie es bei mir ist. Es ist ja auch andersrum so, da? die v?llig n?chternen Leute oder die, die meistens nur saufen, wiederum viel zu wenig assoziativ denken. Die sind dann kernig logisch und straight, k?nnen sich aber gar nichts mehr vorstellen, was ein bi?chen abwegiger ist."
"Na, was ich nur immer wieder feststelle", sagte Panda, "ist, da? Internetforen so funktionieren. Entweder sturzn?chtern und komplett mit Rauswurf bei der ersten schr?gen Bemerkung oder aber eine Nuts-Competition, bei der man sofort angepflaumt wird, wenn man mal sagt: Hallo, k?nnt ihr das irgendwie belegen?"
"Foren sind eh ganz sch?n deutsch", sagte Bob, "deshalb lese ich da meistens nur mit. Die ?ltesten bestimmen den Konsens, alle anderen laufen im Minenfeld herum und schie?en um sich. Wenn man irgendwas fragt, wird man sofort in irgendeine Fraktion einsortiert. Das stimmt v?llig, da? sich da ganz ?ble Welten aufgebaut haben, weil es ?berhaupt keinen Abgleich mehr mit der Wirklichkeit gibt. Dann schon lieber Bloggen. Da ist jeder nur eine Durchgangsstation und kann aber sein Ding machen. Das ist in Deutschland auch auff?llig wenig verbreitet."
Tascha nickte: "Oh ja, da habe ich gerade erst in der c't gelesen, ausgerechnet der IT-Redakteur vom Focus - naja - meinte, da? in Frankreich jeder zweite Obersch?ler ein Blog hat, und hier gibt es ganz wenige. Und er meinte, da? liegt an der mangelnden rhetorischen Kultur, an Technikfeindlichkeit und daran, da? es keine starken Zugpferde gibt, auf die sich alle beziehen."
"I couldn't agree more", sagte Bob fr?hlich. "Und das vom Focus bescheinigt zu bekommen..."
"Was in Deutschland allerdings abgeht, ist Wikipedia. Da treibe ich mich auch gern rum, weil zwar jeder seinen Senf dazugeben kann und auch wirklich jeder Kr?mel aufgehoben wird, am Ende aber doch brauchbare Texte dastehen, gerade solches Zeug, da? ein einzelner Lexikonredakteur nicht angefa?t h?tte, die ganzen Grenzwissenschaften oder ?berhaupt umstrittene Ideen."

Nachdem die ganze Zeit ?ber die Playlist unbeachtet geblieben war und eher unaufregende Minimalelektronik vor sich hin geblubbert hatte, war jetzt ? wer das gequeut hatte, war unklar ? ein tiefer Testton zu h?ren, z?gig ?berlagert von einem Breakbeat, von einem ziemlich schnellen Breakbeat, der wiederum von einer beachtlichen Dub-Bassline garniert wurde und der in Gestalt von einsetzendem Kopfnicken und Oberk?rperwackeln im Raum einen kaum f?r m?glich gehaltenen Bewegungsdrang erzeugte.
"Darauf scheinen wir uns dann aber doch immer einigen zu k?nnen", lachte Panda und stand auf. Er wippte zum Matematen und zog sich eine, Kong lie? sich vernehmen, da? es dennoch auch einen Haschkeks-Automaten geben m??te. Da Panda direkt neben Bob mit der Flasche stehenblieb und weiter im Rhythmus oszillierte, streckte dieser seine Arme aus und versuchte sich etwas auszurenken: "Kann trotzdem jemand den Track ?berspringen ? der Herr Bong-Ra mu? seinem Bekunden nach grad wieder Babylon anz?nden und so."
"Du hast ja Recht", best?tigte Tascha, sprang zum n?chsten File, erhob sich und stellte sich ans offene Fenster. Ein bi?chen weniger Nebel und sie schienen alle organisch zu werden, dachte sie, was sind wir f?r ein Haufen. Als Bob offenbar nach positiver Pr?fung des Inhalts ? LFO Demon, derselbe Style, weniger Tote - auch noch aufstand, war Tascha verbl?fft, weil unleugbar - getanzt wurde. Sie tanzte ja selbst. Was f?r eine plumpe vers?hnliche Pointe, dachte sie, am Ende hopsen wir alle herum, als w?re nichts, weil die Mucke so viel davon ist. Auch wenn Kong sich eher gem?chlich dem Ba? hingab, schien es zusammen mit dem Geblinke vom Hinterhof eine sch?ne Partyutopie zu werden. Die Gr?ne Jugend und die Israelsolidarit?t, deren Umweltbewu?tsein nicht weiter ging, als haupts?chlich Ben&Jerry's-Eis zu essen; die Mitfahrzentrale und der Tramper; das Netzwerk und die Baumstruktur. Als schl?sse sich das alles aus ? ach, ich werde sentimental.
Jetzt bemerkte sie den Fleck auf Bobs Hose und wunderte sich, ob die K?rperlichkeit sich gleich so massiv ge?u?ert hatte oder ob er es nur nicht geschafft hatte, sein Modegetr?nk ?berwiegend in den Mund zu sch?tten. Ich sollte da nicht so hinsehen, ermahnte sie sich, das macht ihn nur wieder verlegen. Obwohl es ein charmanter Kontrast zu seinem Rechthaben-Film ist ? am besten immer im Wechsel: Rechthaben ? Verlegensein ? Rechthaben ? Verlegensein. Oh, auch dieser Gedanke war dem Rhythmus anheimgefallen. Es war ein neuer Rhythmus, der vom n?chsten Track, der ganz deutlich noch ?berdrehter war und dementsprechend prima pa?te. Irgendwie war es Ragga, aber daf?r war es zu Punk, vor allem, weil sie st?ndig gr?lten: "One Love ? one heap of shit! Sugarcoat on your hatred!" Dazwischen K?lscher Dialekt ? ein Beitrag mehr zum Niemandsland zwischen cannabinoidem Kognitionskrawall gegen die drei - oder oft eher zweidimensionale, schlecht gerenderte Au?enwelt und koffein- und gew?rzgest?tzter Hebung des Serotoninspiegels gegen den Mangel an Tageslicht und richtigem Schlaf. Ob sich nun das in besser ausgewogener Intoxikation das Dilemma l?sen k?nnte, da? Dope ganz sicher die besseren Tr?ume verursachte, sie aber immer vergessen lie?? Ob Breakcore den Widerspruch von musikalischem Gehalt, Samplen und wackelnden Hintern in Gestalt eines die Widerspr?che ohne Konsensgeseier integrierenden Diskurses l?sen k?nnte? Ob es gelingen konnte, die Dialektik aus Dope und Mate, aus assoziativem Verschw?rungsdenken und analytischer Algorithmierung, aus k?rperlicher Entspannung und Aufregung, aus Ambient und Gabber ins DJ-Tamagotchi zu ?bertragen? Ob aus dem einen vermeintlichen Fleck viele richtige werden w?rden? Ob vielleicht wirklich mal jemand das Kapitalverh?ltnis aufheben w?rde, das schon so lange herumlag, damit wir endlich bei Star Trek nicht nur zuschauen? Ob es dann auch endlich Gerechtigkeit f?r Lisa Simpson geben w?rde?

Ich wei? es nicht. Ich kann nicht mehr sagen als: That's ? all ? folks!
26.5.05 21:18
 



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